zum Hauptinhalt
Schwere Straftat. „Clowns“ raubten diese Tankstelle in Bornim aus.

© Andreas Klaer

Gruselclowns in Potsdam: Gefährliches Spiel

Zum zweiten Mal binnen weniger Tage gab es in Potsdam einen Überfall, bei dem die Täter Clownsmasken trugen. Diesmal traf es eine Tankstelle in Bornim. Die Polizei ist alarmiert - und gibt Tipps, wie man sich bei einer Clown-Attacke verhalten soll.

Stand:

Potsdam - Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist es in Potsdam zu einem Raubüberfall gekommen, bei dem Täter Clownsmasken trugen. Am Dienstag überfielen zwei Männer eine Aral-Tankstelle in Bornim und bedrohten eine Angestellte mit einer Pistole. Die Täter nahmen die Tageseinnahmen und entkamen unerkannt. Zugleich mehren sich die Vorfällen mit sogenannten Gruselclowns auch in Brandenburg. Die Polizei reagierte am Mittwoch zunehmend besorgt auf das Phänomen. „Das wird jetzt langsam gefährlich“, sagte Sprecherin Jana Birnbaum den PNN.

Sie warnte ausdrücklich davor, in den kommenden Tagen bis Halloween am 31. Oktober Gruselclownsmasken auch nur zum Spaß aufzusetzen. Wenn die Polizei nach einem Überfall nach Räubern mit Clownsmasken suche, bestehe Verwechslungsgefahr, wenn in der Nähe Bürger herumliefen, die sich aus Jux solche Masken aufgesetzt hätten, sagte sie. Nachvollziehbar, stehen die Beamten nach einem bewaffneten Raubüberfall ohnehin unter großer Anspannung. Schließlich könnten die Täter bei einer Verfolgung oder Kontrolle auf die Polizisten schießen.

Polizei empfiehlt Elfe oder Gartenzwerg als Halloween-Kostüm

„Wir wissen nicht, wen wir vor uns haben“, so Birnbaum. Die Clowns seien verhüllt, Mimik sei nicht erkennbar, im Halbdunkel komme jemand mit einem Messer oder einer Axt auf einen zu. „Die Kollegen ziehen dann die Waffe.“ Das könne dramatische Folgen haben. Zugleich appellierte sie an den Verstand der jungen Menschen, die sich wohl einen Spaß daraus machten und Passanten nur erschrecken wollten. „Irgendwann ist auch mal Schluss. Wir hoffen, dass die Leute zur Besinnung kommen.“ Sie riet grundsätzlich davon ab, sich für eine Party als Clown zu verkleiden. „Besser wäre vielleicht eine Elfe oder ein Gartenzwerg.“ Gerade bis Halloween erwarte sie aber weitere Vorfälle. Sie hoffe, dass der Hype dann nachlasse.

Beim aktuellen Überfall auf die Tankstelle in Bornim gibt es laut Birnbaum bislang noch keine Spur. Die Täter, der eine etwa 1,80 Meter, der andere rund 1,75 Meter groß und dunkel gekleidet, konnten unerkannt flüchten. Einer der beiden Männer trug eine Totenkopfmaske, der zweite eine Clownsmaske, einen dunkelgrünen Pullover und eine schwarze Jogginghose. Es gebe Aufnahmen einer Kamera, die gerade ausgewertet würden. Unklar ist auch, ob es sich bei der Pistole um eine echte Waffe handelte oder um eine Softair-Pistole. Ermittelt werde wegen schwerer räuberischer Erpressung.

Es ist nicht der erste Clowns-Überfall in Potsdam. Mitte Oktober raubten wie berichtet drei Täter einen Pizza-Lieferservice in der Friedrich-Ebert-Straße aus. Zwei von ihnen trugen eine Clownsmaske, ein Mitarbeiter des Geschäftes wurde mit einem Elektrotaser angegriffen und musste ambulant behandelt werden.

Mehrere Clownssichtungen in Brandenburg

Besonders heikel ist der Tankstellen-Überfall, weil es zeitgleich in Potsdam und dem Umland vier sogenannte Clownssichtungen gab. Bei einem Vorfall in Babelsberg wurde ein Mädchen in der Wetzlarer Straße auf einem Fahrrad verfolgt, sie konnte aber flüchten. In Nauen sprangen zwei mit einer Axt und einer Machete bewaffnete Clowns vor ein Auto. Der Fahrer hielt nicht an, die Angreifer brachten sich gerade noch durch einen Sprung in Sicherheit. Die Polizei ermittelt nun wegen Bedrohung, Nötigung, Körperverletzung sowie Eingriffs in den Straßenverkehr.

Allein am vergangenen Wochenende gab es in Brandenburg sieben Vorfälle mit Gruselclowns. In Wittenberge, Bernau, Königs Wusterhausen, Bad Freienwalde, Ludwigsfelde, Wandlitz und Prenzlau wurden Attacken angezeigt. Auch in Berlin-Lichtenrade gab es einen Raubüberfall durch zwei als Clowns Maskierte. Dies sei falle laut Polizei unter die allgemeine Kriminalität. Bundesweit hat es schon Hunderte Gruselclown-Attacken gegeben, die zumeist ein schlechter Scherz sein sollten. Erst am Montag war es in Berlin zu einem tragischen Vorfall gekommen, bei dem ein 14-Jähriger einen 16-jährigen Jugendlichen, der als Clown maskiert war, mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hatte. Nach der Tat stellte sich heraus, dass sich beide kannten.

Der Trend kommt ursprünglich aus den USA. Manche Clowns sind mit Knüppeln, Messer oder Macheten bewaffnet. Schulen bekamen anonyme Drohungen, die mit „Clown“ unterschrieben waren. Es gab Festnahmen, es herrscht eine regelrechte Clown-Panik, zum Teil befeuert durch die sozialen Medien.

Was tun, wenn ein Gruselclown einen attackiert?

Die Polizei gab nun eine Art Verhaltens-Leitfaden bei einer Gruselclown-Attacke heraus. Betroffene sollten demnach besonnen handeln, da es sich oft um schlechte Scherze handele. So müsse man dem Clown aus dem Weg gehen und dürfe ihn nicht provozieren. Wenn er sein Opfer verfolge, müsse die Polizei alarmiert werden. Bei körperlicher Gewalt sollten Umstehende direkt zur Hilfe aufgerufen werden. In jedem Fall müsse der Vorfall angezeigt werden. Entscheidend sei, sich Tätermerkmale, die Fluchtrichtung sowie weitere Details zu merken. Selbstjustiz sei keine gute Idee. Es sei Aufgabe der Polizei, den Täter zu stellen, hieß es.

Die Potsdamer Stadtverwaltung riet gestern mit Blick auf Halloween ebenfalls zur Besonnenheit auf. Angesichts der aktuellen Situation sei es geboten, darauf zu verzichten, andere mit einer Clownsmaske zu erschrecken, so ein Stadtsprecher.

Lesen Sie weiter:

"Die möglicherweise lustig gemeinten Attacken sind nicht mehr lustig, sondern teils strafrechtlich relevant." - Stabsleiter Karsten Schiewe von der Polizeidirektion West spricht im PNN-Interview über die Clowns-Attacken der vergangenen Tage in der Region >>

Stefan Engelbrecht

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })