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In Potsdam dürfte es in Zukunft häufiger Starkregen geben (Archivfoto).
© Sebastian Gabsch

Stadt erstellt Gefahrenkarte für Starkregen: Hausbesitzer und Bewohner auf Gefahren aufmerksam machen

Die Übersicht soll noch dieses Jahr veröffentlicht werden. Die Karte hilft abzuschätzen, welcher Keller volllaufen könne.

Potsdam - In Zeiten von Hitzewelle und Dürre mag Regen erfreulich erscheinen. Doch fällt zu viel Niederschlag in kurzer Zeit sorgt auch das für Probleme. Die Stadt will deshalb mit einer Starkregenkartierung vor allem Hausbesitzer und Bewohner auf Gefahren aufmerksam machen. Seit 2020 wird an der sogenannten Stadtklimakarte gearbeitet. Sie soll über Auswirkungen bei großer Hitze und Starkregen informieren. 

Im November oder Dezember soll sie veröffentlicht werden, sagte auf PNN-Anfrage Lars Schmäh, der den Fachbereich Klima, Umwelt und Grünflächen im Rathaus leitet. Die Karte allein verhindere keinen Schaden, aber sie helfe abzuschätzen, welcher Keller volllaufen könne.

Kaum noch klassischer Landregen

Solche Ereignisse dürften in Folge der Klimakrise häufiger vorkommen. Denn klassischen Landregen gebe es kaum noch, sagte jüngst Fritz Reusswig den PNN. Er ist Soziologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Mitglied im Klimarat und Mitautor des 2015 vorgelegten Klimaanpassungskonzeptes für Potsdam. Wenn Starkregen auf ausgetrockneten Boden trifft, fließt er schnell wieder ab. 

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Ein Beispiel für die Folgen ist die Turnhalle der Pestalozza-Grundschule in Groß Glienicke, die im vergangenen Jahr saniert werden musste. Nach Angaben des zuständigen Kommunalen Immobilienservice ist bei einem „Jahrhundertregen“ am 11. Juni 2019 der Boden der Halle durchfeuchtet worden. Sie liegt am Fuß eines Hanges. „Durch extremen Starkregen wurde Hangmaterial in Richtung Halle geschwemmt, wodurch vorhandene Entwässerungseinrichtungen vor der Halle verstopft und überlastet wurden. Das Wasser drang über Türschwellen ein.“ 

Auch der Bassinplatz gilt als gefährdet

Nun wurde der Hang so verändert, dass ein ungebremstes Herabschießen von Wassermassen erschwert wird. Ein weiteres Beispiel ist die Zeppelinstraße, die immer wieder bei starkem Regen an der Kreuzung zur Geschwister-Scholl-Straße unter Wasser stand. Das Gefälle reiche aus, dass sich kurzzeitig viel Wasser ansammle, so Schmäh. Langfristig wollen die Stadtwerke dort wie berichtet das Kanalsystem entflechten. Auch gefährdet sind Bereiche früherer Gewässer wie der Bassinplatz und der Stadtkanal.

Die Informationen fließen auch in Planungen ein. So werden sie bei der Landschaftsplanung für den neuen Stadtteil Krampnitz berücksichtigt. Auch bei Bebauungsplänen werden sie benutzt. So soll Regenwasser dort versickern, wo es anfällt. Dazu werden Mulden, Rinnen, Becken und Rigolen geplant. Letztere sind meist unterirdische Pufferspeicher, die mit Kies ausgefüllt sind. 

Im Brunnenviertel und im Baugebiet des ehemaligen Tramdepots sei versickerungsfähiger Straßenbelag eingebaut worden. Aktuell würden Gehwege in der Franz-Mehring-Straße versickerungsfähig umgebaut. Diese Vorkehrungen werden Schäden aber nicht komplett ausschließen. „Entwässerungsanlagen werden für einen bestimmten ,Bemessungsregen’, nicht für Extremereignisse ausgelegt“, hieß es.  

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