Landeshauptstadt: Potsdamer Ex-FDP-Chef wählt SPD
Marcel Yon stimmte gegen eigene Kandidatin – und veröffentlichte das auf Facebook
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Zwei Wochen vor der Bundestagswahl liefert sich die Potsdamer FDP eine interne Schlammschlacht. Am gestrigen Donnerstag veröffentlichte der ehemalige Kreisvorsitzende Marcel Yon auf seiner persönlichen Facebook-Seite, dass er bei der Stimmabgabe per Briefwahl mit der Erststimme die Kandidatin der SPD gewählt habe und nicht die Kandidatin der eigenen Partei, Jacqueline Krüger. Das pikante an dem Vorgang: Yon selbst war der Diplom-Geoökologin Krüger bei der Kandidatenaufstellung in einer Kampfabstimmung für den Wahlkreis 61 unterlegen. Auch in der Landespartei war er bei der Aufstellung der Landesliste der FDP an einem 23-Jährigen gescheitert. Zuvor hatte es im Zuge schwerer Machtkämpfe Absprachen mit FDP-Landeschef Gregor Beyer gegeben, die Yons Einzug in den Bundestag möglich machen sollten. Auch sein Versuch, beim Parteitag im April Beyers Stellvertreter zu werden, scheiterte.
Dass er nun nicht die Bundestagskandidatin der Liberalen bei der Wahl unterstützt, begründete er auf Facebook so: Er wolle „wirklich nur den Kandidaten der Linken als Direktkandidaten“ verhindern. Außerdem wolle er „die Chance der SPD auf ein Überhangmandat“ reduzieren. „Manchmal fallen Entscheidungen richtig schwer“, schrieb Yon auf Facebook. „Bei der zweiten Stimme konnte ich dagegen aus tiefster Überzeugung wählen: die FDP.“ Allerdings ist Yons Begründung wenig stichhaltig. Ein Blick auf die Wahlprognosen für den Wahlkreis Potsdam/Potsdam-Mittelmark II/Teltow-Fläming II hätte genügt. Nach der aktuellen Prognose der Hamburger Wahlforschungs-Plattform von election.de, die bei den letzten Wahlen sehr genau lag, gibt es erstmals seit 1990 kein enges Rennen zwischen den Linken und der SPD. Linke-Kandidat Norbert Müller ist abgeschlagen. SPD-Kandidatin Andrea Wicklein liegt deutlich vor der CDU-Bundestagsabgeordneten Katherina Reiche.
Bei der politischen Konkurrenz sorgte Yons Facebook-Kommentar zur Wahl für Spott. Der Vorsitzende der Linken in Potsdam , Sascha Krämer, schrieb auf der Facebook-Seite seiner Partei: „Und sie zittern vor der Linken.“ SPD-Kandidatin Wicklein bezeichnete Yons Votum als unerwartet. „Ich freue mich über jede Erststimme“, sagte die Direktkandidatin.
Ein Überhangmandat der SPD kann Yon mit seiner Stimmabgabe ohnehin nicht verhindern. Seit der Änderung des Wahlrechts im Februar werden Überhangmandate ausgeglichen. Yon selbst war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
FDP-Kandidatin Krüger selbst verwies in einer Reaktion auf Yons Veröffentlichung auf ihren derzeit in Potsdam plakatierten Wahlkampfslogan „Jeder nach seiner Facon“. Das gelte selbstverständlich auch für ehemalige Kreisvorsitzende der FDP. Es handele sich um eine freie Wahl. „Schön, dass er wählen war“, sagte sie den PNN. Inwieweit Yons Aktion Konsequenzen hat, wird sich zeigen. Der Sprecher des FDP-Bundesvorstandes, Nils Droste, wollte sich am Donnerstag nicht inhaltlich dazu äußern. Die Bewertung, ob es sich bei der Veröffentlichung um parteischädigendes Verhalten handele, obliege dem Kreisverband.
Auf Yons Facebook-Seite gab es gemischte Reaktionen. Denise Dittrich, Beisitzerin im Kreisvorstand der FDP, schrieb: „Eindeutig eine Fehlentscheidung.“ Kommentatoren sprachen von einem Affront gegen die Direktkandidatin und den Kreisverband. Allerdings gab es auch Verständnis.
Krüger hatte sich im Oktober 2012 bei einer Mitgliederversammlung s mit 30:28 Stimmen gegen den 45 Jahre alten Unternehmer Yon durchgesetzt, der zu diesem Zeitpunkt noch FDP-Kreisvorsitzender in Potsdam war. Yon galt als Wunschkandidat von FDP-Landeschef Gregor Beyer, obwohl er bereits 2010 als Oberbürgermeisterkandidat in Potsdam mit rund zwei Prozent nur den letzten Platz belegt hatte. Yon hatte zudem bei der letzten Kommunalwahl als Kandidat fast keinen öffentlichen Wahlkampf geführt und war nicht ins Stadtparlament gewählt worden. Als er aber als Nachrücker hätte einziehen können, verzichtete er. Wenige Monate später kam es innerhalb der Potsdamer FDP zu einem Führungswechsel. Yon war bei einer Mitgliederversammlung im März nicht mehr angetreten – um Platz für eine neue Mannschaft zu machen, wie er sagte. Dabei hatte auch Krüger zwei Kampfabstimmungen um Sitze im Kreisvorstand verloren.
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