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Kultur: Der Vermittler

Lothar Krone verziert einen niederländischen Überlandbus mit Porträts

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Von Nahem betrachtet sind nur abstrakte Flächen zu erkennen, zart farbig unterlegt, mitunter überlappend. Erst mit zunehmender Distanz formen sie sich zu Gesichtern, männlichen wie weiblichen, jungen wie alten. Sie lächeln, blicken gedankenverloren ins Nichts oder flirten verlegen mit dem Betrachter.

Insgesamt 15 solcher Porträts des Potsdamer Künstlers Lothar Krone zieren seit dem vergangenen Wochenende einen niederländischen Überlandbus. Dieser wird nun zwischen der Stadt Amersfoort und dem Umland hin- und herpendeln und für ein Aufeinanderzugehen von Landbewohnern und städtischen Einwohnern werben. Der Bus ist Teil des Projekts „Urban Wijland“, an dem sich zwölf zumeist niederländische Künstler beteiligt haben. Es thematisiert die Beziehungen zwischen Stadt und Land.

Ausgangspunkt dieses Projekts war die Annahme, dass das Verhältnis zwischen Stadt und Land ein angespanntes sei. „Das finde ich jedoch nicht“, sagt Lothar Krone. Sein Bus soll daher die Verbindung zwischen dem vermeintlich Gegensätzlichen symbolisieren. Eine Idee, die bei den Initiatoren des Projekts sofort auf Zustimmung stieß. Ihnen war Krone noch durch eine Kircheninstallation zu Beginn der 90er Jahre bekannt, und deshalb ermutigten sie den Künstler, sich mit Vorschlägen für eine Teilnahme an diesem Vorhaben zu bewerben. Fünf mal fuhr Lothar Krone im zurückliegenden Jahr nach Amersfoort, setzte sich in einen der dortigen Überlandbusse und sprach die Reisenden spontan an, ob sie nicht Lust hätten, sich von ihm porträtieren zu lassen. Die Resonanz war durchweg positiv: Bereitwillig ließen sich die Männer und Frauen, Jungen und Mädchen von Krone fotografieren. Diese Aufnahmen dienten dem Künstler dann als Vorlage für seine 90 mal 72 Zentimeter großen Aquarelle.

„Die Menschen waren von meiner Idee sofort begeistert“, erzählt der 54-Jährige und zeigt zum Beweis ein kleines grünes Skizzenbuch, in das die porträtierten ihre Zustimmung zur Veröffentlichung der Bilder kritzelten. In Form einer laminierten Klebefolie finden sie sich nun an den Seitenwänden des Überlandbusses wieder, der am Wochenende mit einem Volksfest in Amersfoort präsentiert wurde. Unter ihren Konterfeis sind verschiedene Sprüche zu lesen, mit denen die Kommunikation der Menschen untereinander gefördert werden soll. So lächelt etwa Doris Klinke von einem Bild, darunter steht: „Hier trefft ihr uns.“

„Ich will die Menschen mit meiner Aktion motivieren, wieder öfter mit dem Bus zu fahren“, sagt Lothar Krone. Was sich zunächst wie eine Kampagne für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel anhört, kann auch als ein künstlerischer Versuch zum Abbau von Vorurteilen interpretiert werden. Die Prämisse: Menschen müssen miteinander ins Gespräch gebracht werden, und sei es mit Hilfe eines Transportmittels. Der Bus als Ort der Begegnung.

Zurzeit spielt Krone mit dem Gedanken, seine Idee auch in Berlin und Brandenburg umzusetzen. Handlungsbedarf, die hier lebenden Menschen einander näher zu bringen, gäbe es zweifelsfrei. Allerdings, so Krone, müsste das Konzept dann noch detaillierter ausgearbeitet und umgesetzt werden. In den Niederlanden wird jedenfalls jetzt schon darüber nachgedacht, weitere Busse mit Krones Klebefolien zu schmücken. Nana Heymann

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