0:1 beim FC Bayern : Warum Hertha BSC defensiv so stark ist

Den Berlinern fällt es schwer, das 0:1 beim FC Bayern zu akzeptieren – weil sie ein sehr gutes Spiel gezeigt haben.

Niklas Stark (l.) im Laufduell mit Bayerns Robert Lewandowski.
Niklas Stark (l.) im Laufduell mit Bayerns Robert Lewandowski.Foto: Imago/Gepa Pictures

Niko Kovac und Pal Dardai erinnerten beinahe an ein altes Ehepaar. Die Trainer der Bundesligisten aus München und Berlin brauchten nach dem dritten Aufeinandertreffen in dieser Saison kaum Worte, um ihre gegenseitige Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Dardai klopfte seinem alten Weggefährten freundschaftlich auf die Schulter, Kovac revanchierte sich mit einem Klaps auf den Oberschenkel, ehe er doch zur Analyse überging – und einen Satz sagte, der seinem Kollegen sichtlich gefiel. „Wir hatten große Schwierigkeiten, weil Hertha das richtig, richtig gut gemacht hat“, befand Kovac nach dem 1:0 (0:0)-Sieg seines Teams am 23. Spieltag.

Die Erleichterung im Lager des deutschen Fußball-Rekordmeisters war nicht nur beim Trainer spürbar. Hertha BSC hatte sich gegen die Bayern erneut als unangenehmer, widerspenstiger Gegner erwiesen, der den Münchnern alles abverlangte und am Ende unglücklich ohne Punkt die Heimreise antreten musste. Torwart Manuel Neuer etwa legte sich nach einem Schüsschen in der Nachspielzeit so lange auf den Ball, dass er dafür durchaus die Gelbe Karte hätte sehen können. Der große FC Bayern, er spielte gegen die Abordnung aus Berlin vielleicht nicht so offensichtlich auf Zeit wie es Kovac nach dem Champions-League-Achtelfinale in Liverpool eingeräumt hatte. Dass die Münchner schwer bemüht waren, ihre Führung irgendwie über die Ziellinie zu retten, war allerdings offensichtlich – eine Form der Anerkennung für den Gegner.

Kaum Torchancen für die Bayern

„Ich bin stolz auf die Mannschaft. Wir haben gekämpft und alles rausgehauen“, sagte einer der auffälligsten im blau-weißen Trikot, Innenverteidiger Niklas Stark. „Die Bayern hatten kaum Chancen, weil wir super gegen den Ball gearbeitet haben – und dann verlieren wir durch einen Eckball.“ Nachdem Coach Dardai eine Nacht über die siebte Saisonniederlage geschlafen hatte, sprach er sein Team am Sonntagmorgen ebenfalls von sämtlichen Schuldvorwürfen frei. „In letzter Zeit fehlt uns ein bisschen das Glück“, sagte der Ungar, „aber ansonsten kann ich meiner Mannschaft nichts vorwerfen: Leistung, System, Disziplin – alles okay.“

Die These vom fehlenden Glück ließ sich absolut vertreten, nicht nur angesichts des extrem späten Gegentors gegen Werder Bremen am vorangegangenen Spieltag, sondern auch bei einem Blick auf das letzte Gastspiel der Berliner in München. Im Februar 2018 war Hertha ebenfalls zum FC Bayern gereist, seinerzeit genügte eine ultradefensive Taktik und womöglich auch ein wenig Beistand von oben für ein torloses Unentschieden – und im Nachhinein konnte im Grunde keiner der Beteiligten verstehen geschweige denn erklären, wie es zu diesem Resultat gekommen war. Am Samstag war es nun genau umgekehrt: Den Gästen fiel es sichtlich schwer zu akzeptieren, dass sie den Platz nach einer spielerisch wie kämpferisch guten Vorstellung tatsächlich als Verlierer verließen. „40 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von 53 Prozent gegen die Bayern“, sagte Dardai am Morgen danach, „wenn wir so weiterarbeiten, wird das belohnt. Dann kommen noch bessere Zeiten.“

Stark ragt heraus

Für Niklas Stark dürfte es dagegen schwer werden, sich noch weiter zu steigern, wenn man die Leistung des 23-Jährigen vom Samstag zur Grundlage nimmt. Aus einer ohnehin guten Defensivreihe der Berliner stach Stark noch einmal besonders hervor: Er gewann 75 Prozent seiner Zweikämpfe und war darüber hinaus immer dann zur Stelle, wenn es gefährlich zu werden drohte im Berliner Strafraum. Das Ganze ging sogar soweit, dass sich Stark nach dem Abpfiff in den Katakomben der Münchner Arena zum vermeintlichen Interesse des FC Bayern an seiner Person äußern sollte. „Ich habe überhaupt keine Ahnung, wo das herkommt“, sagte Stark, „die Fragen kommen jetzt schon zum wiederholten Mal.“ Anscheinend hat sich längst über die Berliner Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen, dass Hertha mit Stark und Karim Rekik über eines der perspektivisch interessantesten Innenverteidiger-Gespanne der Bundesliga verfügt.

„Es ist immer etwas sehr Großes, wenn der eigene Name im Zusammenhang mit dem FC Bayern fällt“, sagte Stark noch, „aber mein Job ist es nicht, Verbindungen zu schaffen oder mich zum Gegner zu äußern.“ In Berlin sei über Jahre eine spannende Mannschaft gewachsen, ergänzte Stark. „Und wir haben mit dieser Mannschaft noch eine ganze Menge vor.“

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