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1. FC Köln entlässt Trainer Markus Anfang : Wenn der Aufstieg nicht genug ist

Der souveräne Zweitliga-Tabellenführer trennt sich von Markus Anfang. Die Zweifel am einst hochgelobten Trainer wurden zuletzt immer größer.

Das war's. Markus Anfang ist nicht mehr Trainer des 1. FC Köln.
Das war's. Markus Anfang ist nicht mehr Trainer des 1. FC Köln.Foto: Thilo Schmülgen/Reuters

Kurz vor dem Aufstieg hat sich Zweitliga-Tabellenführer 1. FC Köln von Trainer Markus Anfang getrennt. „Nach intensiver Aufarbeitung der letzten Spiele haben wir uns dazu entschieden, die Zusammenarbeit mit Markus und seinem Team zu beenden. Trotz der nach wie vor guten Ausgangslage gab es einen negativen Trend“, wurde FC-Geschäftsführer Armin Veh am Samstagabend in einer Vereinsmitteilung zitiert. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung wurde die Beurlaubung des gebürtigen Kölners am Samstagmorgen beschlossen, genau 300 Tage nach Amtsantritt. Nach der 1:2 (0:1)-Heimniederlage gegen Darmstadt am Freitag hatten zahlreiche Fans den Rauswurf des Trainers gefordert. Auch der WDR und der „Express“ hatten über über die bevorstehende Trennung vom Coach berichtet.

In den letzten drei Spielen wird André Pawlak als Cheftrainer gemeinsam mit Manfred Schmid das Team betreuen. Sport- Geschäftsführer Veh, langjähriger Bundesliga-Coach und früherer Meistertrainer des VfB Stuttgart, hatte mehrfach ausgeschlossen, sich in Köln auf die Bank zu setzen. Nach dem Darmstadt-Spiel hatte sich Veh mit nebulösen Worten verabschiedet. „Ich sage etwas, wenn ich etwas zu sagen habe“, erklärte der Sportchef. Am Samstag hatte er offenbar Gesprächsbedarf.

300 Tage im Amt

Die für den Morgen angesetzte Trainingseinheit wurde kurzfristig verschoben. Nach dpa-Informationen kam am Samstag jedoch die Vereinsspitze zusammen, um die sportliche Situation zu analysieren. „In dieser Phase der Saison war es deshalb notwendig, etwas zu verändern, um unser Ziel nicht in Gefahr zu bringen“, sagte Veh.

Ein Verbleib Anfangs über den Sommer hinaus war zuletzt immer unwahrscheinlicher geworden. Eine Trennung noch in der Saison ist jedoch ein harter Schritt. Zwar ist von Feierlaune in der Domstadt nichts, aber auch gar nichts zu spüren. Dennoch ist der FC Tabellenführer, in Sachen Aufstieg fehlt trotz vier Spielen ohne Sieg nur noch die Vollzugsmeldung. „Mein Kölner Herz trägt Trauer, denn mein klares Ziel war es, gemeinsam mit dem FC aufzusteigen. Die Mannschaft wird es in den letzten drei Saisonspielen auf jeden Fall über die Ziellinie schaffen, denn die Ausgangssituation ist nach wie vor gut“, wurde Anfang zitiert und betonte: „Ich muss die Entscheidung akzeptieren, auch wenn sie natürlich schmerzt.“

Vor zwei Wochen hatte Anfang noch Lob von allen Seiten für seinen bewegenden und menschlichen Auftritt erhalten. Anfangs Vater Dieter hatte am 10. April kurz vor dem Spiel beim MSV Duisburg einen Herzinfarkt im Stadion erlitten. Anfang junior erschien zwei Tage später wieder zum Training. Es wäre der Wunsch seines Vaters gewesen, betonte er in einer bemerkenswerten Pressekonferenz.

Schon zweimal, nach dem 0:1 Anfang November beim HSV und dem 2:3 nach 2:0-Führung in Paderborn hatte es Gerüchte um einen bevorstehenden Rauswurf des im Sommer aus Kiel verpflichteten Anfang gegeben. Nach der Niederlage in Paderborn soll Präsident Werner Spinner die Trennung sogar gefordert haben. Am Ende trat jedoch Spinner zurück.

Anfang werden unter anderem fehlende Konstanz, fehlende Balance zwischen der anfälligen Defensive und der überragenden Offensive sowie seltsame taktische Wechsel vorgeworfen. Schon am Freitag hatte sich der Coach sehr niedergeschlagen gezeigt. „Das war ein bitterer Abend für uns“, hatte er gesagt: „Das tut einfach brutal weh.“ (dpa)

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