1. FC Köln in der Bundesliga-Vorschau : Der Effzeh hat wieder Bock

Der neue Trainer Achim Beierlorzer verbreitet beim 1. FC Köln wieder gute Laune – nur das Klubmaskottchen ist müde.

Sollte Anthony Modeste (2.v.r.) wieder zu alter Form finden, könnte sogar Platz zehn oder elf möglich sein.
Sollte Anthony Modeste (2.v.r.) wieder zu alter Form finden, könnte sogar Platz zehn oder elf möglich sein.Foto: imago images / Heuberger

Am 16. August startet die Fußball-Bundesliga in die neue Saison. In unserer Serie testen wir die Vereine. Heute Teil 3: 1. FC Köln. Bisher erschienen: 1. FC Union Berlin und SC Paderborn.

Was hat sich verbessert?

Die größte Verbesserung ist , klar, der Aufstieg des 1. FC Köln, der sechste seit 1998. Was natürlich bedeutet, dass der Effzeh genauso oft abgestiegen ist, im Schnitt alle 3,5 Jahre. Außerdem soll die Stimmung besser sein. Die Spielzeit in der Zweiten Liga schlossen die Kölner zwar auf Platz eins ab, entließen zum 31. Spieltag dennoch ihren Aufstiegs-Coach Markus Anfang. Sein rustikaler Stil soll den Profis die Laune verhagelt haben. Torjäger Anthony Modeste, der im Oktober aus China zum FC zurückkehrte, berichtete im „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Als ich zurückkam, habe ich gefragt: Ihr seid Erster, und die Stimmung ist so schlecht, wie kann das sein?“ Mit dem neuen Trainer Achim Beierlorzer, der aus Regensburg an den Rhein gewechselt ist, soll die Stimmung nun wieder klasse sein. Modeste merkte allerdings kritisch an: „Wobei es nach der vergangenen Saison nicht schwierig war die (Stimmung) zu verbessern.“

Wer sind die Neuen?

Der wichtigste Neue ist Beierlorzer, 51, der zwar noch keine Erfahrung als Chefcoach in der Bundesliga gesammelt hat, sich aber frohen Mutes in das neue Abenteuer stürzt. „Wenn ich mit negativer Energie unterwegs bin, muss ich mich nicht wundern, wenn das auch den Spielern passiert“, teilte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit. Von sich selbst sagt der frühere Mathematik- und Sportlehrer, er sei überzeugter Optimist. Das kann in Köln nicht schaden, der FC hat einen ordentlichen Trainerverschleiß. Beierlorzer ist der zwölfte Coach, seit Bernd Schuster vor 21 Jahren die Kölner erstmals in die Zweite Liga führte. Seiner Mannschaft der Saison 2019/20 will Beierlorzer einen munteren, angriffslustigen Spielstil verordnen, der die Fans begeistern soll. Mit abwartendem Mittelfeldpressing könne er nichts anfangen, sagt Beierlorzer. Sein ganzes Team soll attackieren, deshalb setzt er auf physisch starke und schnelle Spieler. Die dafür nötigen Stürmer hatte der FC bereits, neben Modeste sind es Simon Terodde und Jhon Córdoba. Die Neuen, die FC-Sportchef Armin Veh einkaufte, sind die Flügelspieler Kingsley Schindler, Rechtsverteidiger Kingsley Ehzibue und die Mittelfeldmänner Birger Verstraete und Ellyes Skhiri. Angeblich wählte Veh sie alle passgenau nach den Wünschen des Trainers aus.

Wer hat das Sagen?

Das kann man nicht sagen, da der FC zurzeit keinen echten Präsidenten hat. Denn auch im Vorstand des Klubs ging es in der vorigen Saison drunter und drüber. Der einstige Bayer-Manager Werner Spinner, der seit 2014 mit den Vizes Markus Ritterbach und Toni Schumacher im Amt war, verlor im März einen Machtkampf gegen Armin Veh und zog sich daraufhin zurück. Interims-Präsident ist momentan der Anwalt Stefan Müller-Römer, der eigentlich Vorsitzender des Mitgliederrates ist. Der rebellische Zopfträger, den der frühere FC-Präsident Wolfgang Overath „den mit den Haaren“, nannte, scheint sich an der Spitze zwar wohl zu fühlen, er gibt jedenfalls Interviews, in denen er recht staatstragend über die Belange seines Herzensvereins spricht. Müller-Römer will sich nach der Mitgliederversammlung am 8. September aber von der Spitze zurückziehen. Denn es soll ein neues Vorstands-Triumvirat installiert werden, das vom Mitgliederrat bestimmt wurde. Es sind Werner Wolf, Jürgen Sieger und Eckhard Sauren. Geschäftsmänner ohne spezifische Fußball-Qualifikation. Abgesehen davon, dass sie FC-Fans sind. Wie sie schließlich alle miteinander auskommen werden, weiß niemand. In Köln streiten sie, wie man gesehen hat, ja sogar, wenn es sportlich läuft.

Was erwarten die Fans?

Eine Saison ohne Abstiegsangst. Die Fans wollen ihren FC unbedingt feiern, und zwar nicht nur vor den Heimspielen, wenn sie gemeinsam die Klubhymne absingen.

Was ist in dieser Saison möglich?

Es sollte reichen, um in der Liga zu bleiben. Falls Modeste wieder zu seiner Form der Saison 2016/17 finden sollte, in der er 25 Tore in der Liga schoss, könnte sogar Platz zehn oder elf möglich sein.

Und sonst?

Das lebende Klubmaskottchen, Geißbock Hennes VIII, geht wahrscheinlich in Rente. Es reicht auch, der arme Bock wohnt schon seit 2008 den FC-Partien im Müngersdorfer Stadion bei. Immerhin lebt das Tier sonst im Kölner Zoo in artgerechter Haltung, wie der Klub auf seiner Homepage betont. Ein Nachfolger muss also gesucht werden. Beim letzten Mal durften die Vereinsmitglieder in einer Abstimmung unter vier Böcken ihren Favoriten bestimmen.

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