Sport : 23 Festnahmen nach Randale in Prag

André Görke

Prag - Über der Innenstadt von Prag kreiste ein Hubschrauber, in den Gassen wachten die deutschen Hooligan-Fahnder. Die angereiste Delegation der Bundespolizei wurde in der Nacht vor dem Spiel noch rasch auf 40 Männer verstärkt. Und dennoch begann am späten Samstagnachmittag die Randale deutscher Hooligans und Nazis in der tschechischen Hauptstadt. Sie warfen die Glasscheiben der Kneipe „U Prvajnice“ ein, schmissen mit Stühlen und Tischen und sorgten für Chaos in einem Kaufhaus; am Wenzelsplatz prügelten sich 200 teils vermummte Hooligans aus Deutschland und Tschechien und droschen mit Mülleimern und Flaschen aufeinander ein. Mehrere Schläger wurden verletzt; 23 Personen, darunter sieben Deutsche, wurden nach Polizeiangaben verhaftet. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein.

„Bis dahin war es ungewöhnlich ruhig für ein Länderspiel in Osteuropa, in der Nacht zuvor gab es gar keine Randale“, sagten Hooligan-Fahnder in Prag. Schon bei Länderspielen in Bratislava (Slowakei) und in Celje (Slowenien) hatten deutsche Hooligans in der Vergangenheit gewütet. Die obersten deutschen Sicherheitsbehörden hatten deshalb auch in Tschechien Ausschreitungen befürchtet und deshalb die Grenzkontrollen massiv verstärkt. Nach Tagesspiegel-Informationen hatten die Grenzschützer bis zum Nachmittag knapp 200 deutsche Gewalttäter an der Ausreise hindern können; hinter Dresden wurde am Morgen ein Bus mit 30 Hooligans aus Berlin gestoppt – ein weiterer aus Berlin war jedoch angeblich bereits in Prag. 27 Hooligans wurden in der Nacht bei der Einreise über Österreich von den Fahndern erwischt und zurückgeschickt.

Die 350 deutschen Schläger, die es nach Prag geschafft hatten, wurden nach den ersten Krawallen schwer bewacht. Als sie sich zwei Stunden vor Anpfiff auf den Weg zum Stadion machten, fielen sie vor allem durch Nazi-Parolen und rechtsradikale Gesänge in den Gassen auf. Sie grölten Wehrmachtslieder und Sprüche wie „Böhmen bleibt deutsch!“ - und das ausgerechnet am feierlichen Geburtstag der Europäischen Union. Das Stadion selbst war hermetisch abgeriegelt; dort hatte die Polizei die Lage bis zum Abpfiff gut im Griff.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar