24-Stunden-Rennen : Manthey-Porsche triumphiert am Nürburgring

In einem von Nebel und Regen geprägten Rennen liegt Porsche am Ende vor Mercedes. 210 000 Zuschauer besuchen die 46. Auflage.

Rheinland-Pfalz, Nürburg. Der Porsche 911 GT3 des Teams Manthey Racing passiert als Sieger die Zielflagge.
Rheinland-Pfalz, Nürburg. Der Porsche 911 GT3 des Teams Manthey Racing passiert als Sieger die Zielflagge.Foto: Thomas Frey/dpa

Um kurz nach 2 Uhr ging es am Sonntag los mit den Wetterkapriolen beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Regen, mal mehr, mal weniger, „verdammt viel Wasser auf der Bahn“, gaben viele Rennfahrer an ihre Teams weiter. Am Sonntagvormittag kam noch Nebel dazu, so dass die Rennleitung um kurz vor 12 Uhr das Rennen bis 13.50 Uhr wegen der schlechten Sichtverhältnisse unterbrechen ließ. „Spaß beim Fahren hat man bei so einem Wetter eher weniger. Das ist nicht so toll“, sagte Pilot Mike Rockenfeller vom Audi Sport Team BWT während der Zwangspause. Und nach dem Restart ging die Aufholjagd los: Fred Makowiecki im Porsche 911 GT3 R mit der Nummer 912 vom Team Manthey versuchte den Mercedes –Piloten Adam Christodoulou in seinem Mercedes AMG GT3 mit der Nummer 4 des Teams Black Falcon noch einzuholen. Der Porsche jagte den Mercedes über die Nordschleife. Ein spannender Zweikampf. Der Abstand: 0,68 Sekunden im Schnitt. Wer wird das Rennen gewinnen?

Nach einem Rutscher von Christodoulou zieht Makowiecki vorbei. Bei Porsche reißt Motorsport-Chef Frank-Steffen Walliser in der Box die Arme hoch und jubelt. „Die Messe ist noch nicht gelesen“, relativierte er kurz danach gegenüber RTL Nitro. Doch um 15.30 Uhr stand fest: Der Manthey-Porsche mit der Nummer 912 (Makowiecki, Richard Lietz, Patrick Pilet, Nick Tandy), siegt mit 26 Sekunden Vorsprung vor dem Black Falcon Mercedes mit der Nummer 4 (Maro Engel, Adam Christodoulou, Manuel Metzger, Dirk Müller). Für Porsche war es seit 2011 der erste Sieg wieder beim 24-Stunden-Rennen in der Eifel.

Peter Mücke: „Aufgegeben wird erst dann, wenn schwarz-weiß kariert ist.“

Auf Platz drei fährt die Nummer 5 des Black Falcon Teams, dahinter die Nummer 7 von Aston Martin, dann wieder ein Black-Falcon-Mercedes. Auf den sechsten Platz fuhr der Land-Audi mit René Rast, Christopher Mies, Kelvin und Sheldon van der Linde. Und das Berliner Team BWT Mücke Motorsport mit den Fahrern Stefan Mücke, Christer Jöns, Marcel Fässler und Pierre Kaffer kam mit der Start-Nummer 25 auf den 14. Platz. Eine gute Stunde vor Rennende stand der Mücke-Audi R8 LMS mal quer zur Fahrbahn. Aber wie Teamchef Peter Mücke während des Rennens sagte: „Aufgegeben wird erst dann, wenn schwarz-weiß kariert ist.“

Regen und dichter Nebel beherrschten die Szenerie.
Regen und dichter Nebel beherrschten die Szenerie.Foto: Thomas Frey/dpa

Bei einem Langstrecken-Rennen kann man keine Prognosen abgeben. Lange führte im Rennen der Manthey-Porsche mit der Nummer 911. Doch Fahrer Romain Dumas flog gegen 1.30 Uhr wegen einer Ölspur von der Strecke. Und das spätere Siegerauto fuhr einige Stunden nach einem frühen Reifenschaden auf den hinteren Plätzen. Außerdem hatte der 912er auch eine Zeitstrafe von 3,32 Minuten auferlegt bekommen, weil der Bolide 22,6 Kilometer zu schnell unter gelber Flagge gefahren war. Eigentlich war der AMG-Mercedes schon auf Siegerkurs. Aber durch den Restart wurden die Rückstände des ersten Rennteils nicht mitgenommen. Und so war der 912-Porsche wieder im Rennen um den Spitzenplatz. Auch BMW-Motorsportchef Jens Marquardt war noch vor dem Rennen optimistisch. 20 Mal habe man auf dem Nürburgring schon gewonnen, und alle M-Modelle würden hier auch ihren „Feinschliff“ kriegen. Genützt hat es trotzdem nichts. Der beste M6 GT3 im Design von Partner Shell kam auf Platz 13, der BMW von Falken Motorsports fuhr auf Platz 15.

Das 46. 24-Stunden-Rennen verfolgten 210 000 Zuschauer an der Strecke. Noch bei Sonnenschein feierten die Fans an diversen Punkten das Rennen. Erfahrene Eifel-Camper reisten mit Regenzeug, Gummistiefeln und Europaletten als Untergrund für ihre Zelte auf schlammigem, nassen Boden an. Auf den Campingplätzen rund um die Nürburg bruzzelten Bratwürste oder Steaks auf den Grills, die Fans machten es sich in Campingstühlen bequem und schauten sich die vorbeifahrenden Boliden an. Einige Fans reisten schon Anfang der Woche an. „Lärm, Autos und das Eifel-Wetter gehören einfach dazu“, sagte ein Gummersbacher Auto-Fan, der mit Freunden zum Rennen gekommen war. Auch der ehemalige Formel-1-Pilot Mark Webber besuchte die Fans am Treffpunkt „Brünnchen“.

Mark Webber: "tough race"

Webber beendete seine aktive Karriere vor zwei Jahren, nachdem er 2014 bis 2016 in der WEC (Langstrecken-WM) bei Porsche fuhr und 2015 den Fahrer-WM-Titel gewann. Er war zuvor noch nie bei dem legendären Eifel-Rennen zu Gast. Das Rennen am Nürburgring sei ein „tough race“, sagte Webber, der als Porsche-Markenbotschafter fungiert.  Auch wenn er allein beim Zuschauen schon noch Adrenalinstöße verspüre, würde er das eigentliche Rennen auf dieser Strecke dann doch lieber den GT-Profis überlassen.

Vor allem bei Regen. „Die Nordschleife verlangt einem alles ab“, sagte Pilotin Laura Kraihammer, die mit Nami Schiff, Lena Strycek und Rahel Frey mit KTM X-Bow GT4 das einzige Frauenteam bildete und auf Platz 39 kam. Und natürlich wollen alle Teams beim nächsten Rennen wieder mit dabei sein und möglichst ganz vorne mitfahren. Das Rennen in der „Grünen Hölle“  mit seinem 25,378 Kilometer langen Kurs aus Nordschleife und Grand-Prix-Kurs gilt als eines der schwierigsten Rennen weltweit. Dabei sein ist alles. Auch die Fans werden 2019 wieder beim 24-Stunden-Rennen mit dabei sein. Trotz oder gerade wegen des Eifel-Wetters.

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