50 Jahre „Jugend trainiert“ : Die Kleinen ganz groß

Die Schulsportveranstaltung „Jugend trainiert“ hat seit ihrer Gründung vor genau 50 Jahren viele Sportstars hervorgebracht.

Emil Lauer
Hereinspaziert. Berliner Jugendliche laufen zum 50. Jubiläum von „Jugend trainiert“ über die legendäre blaue Bahn des Olympiastadions.
Hereinspaziert. Berliner Jugendliche laufen zum 50. Jubiläum von „Jugend trainiert“ über die legendäre blaue Bahn des...Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Da war es wieder, das Feuer für die größte Schulsportveranstaltung des Jahres. Die zweimalige Olympiasiegerin Britta Steffen senkte die Fackel und eröffnete am vergangenen Montag das Event „Jugend trainiert“. Zuvor waren 4500 Schülerinnen und Schüler unter der Flagge des jeweiligen Bundeslandes in das Berliner Olympiastadion eingelaufen und hatten eine Ehrenrunde gedreht.

Beobachtet wurden sie dabei von vielen anderen Spitzensportlern, die vielleicht auch mal so angefangen haben wie die Jugendlichen heute. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schaute zu. Nach Steinmeiers Rede und der feierlichen Eröffnung strömten die Sportlerinnen und Sportler aus dem Stadion, um sich in den verschiedensten Disziplinen miteinander zu messen – genau so, wie es vor 50 Jahren war.

In diesem Jahr begeht „Jugend trainiert“ sein großes Jubiläum. Am 26. September 1969 fand zum ersten Mal das mittlerweile größte Schulsportevent der Welt statt. Damals rief die Zeitschrift „Stern“ den Wettbewerb ins Leben. 1600 Sportlerinnen und Sportler zog es nach West-Berlin, wo sie in den Disziplinen Leichtathletik und Schwimmen gegeneinander antraten. Auch Wim Thoelke und das Rias-Tanzorchester waren am Start. Seitdem hat sich viel getan, alles ist größer geworden.

So wurden aus den zwei Sportarten insgesamt 26, von denen 19 olympisch und sieben paralympisch sind. Die sieben paralympischen Disziplinen sind ein Ergebnis der Einführung von „Jugend trainiert für Paralympics“, das seit 2012 zusammen mit „Jugend trainiert für Olympia“ stattfindet. Seit 1972 nehmen mit 4500 Teilnehmern mehr als doppelt so viele am Bundesfinale teil wie noch im Gründungsjahr.

Steffens Flamme. Die frühere Schwimmerin entzündet zum 50. Jubiläum "Jugend trainiert" die Olympische Flamme.
Steffens Flamme. Die frühere Schwimmerin entzündet zum 50. Jubiläum "Jugend trainiert" die Olympische Flamme.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

1973 führten die Veranstalter erstmals eine Gliederung in Frühjahrs- und Herbstfinale ein. Ein Winterfinale wurde 1976 für Skilanglauf eingeführt. Diese drei Finals bestehen bis heute und finden – bis auf das Winterfinale, das in Bayern oder Baden-Württemberg beheimatet ist – in Berlin statt.

Irgendwann durften auch zwölf Mannschaften aus der DDR teilnehmen, und 1991 stellten die fünf neuen Bundesländer 17 Schulmannschaften. Insgesamt haben bis heute 30 Millionen Schüler miteinander und gegeneinander gekämpft. Und es wurden erstaunliche Talente dabei entdeckt – zum Beispiel Britta Steffen.

„Als Schwimmer sind wir Einzelsportler, bei Jugend trainiert für Olympia tritt man als Team gemeinsam auf und feuert sich an. Das war ein tolles Erlebnis“, erinnert sich die Schwimmerin. Aber auch Boris Becker (Tennis), Natascha Keller (Hockey) und Timo Boll (Tischtennis) haben sich als Jugendliche beim Schulsportevent gemessen.

Würdige Trägerinnen. Britta Steffen, Leni Paulina Zawesky und Emely Lühder halten die Fackel, nachdem das Feuer entzündet wurde.
Würdige Trägerinnen. Britta Steffen, Leni Paulina Zawesky und Emely Lühder halten die Fackel, nachdem das Feuer entzündet wurde.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Boll und Keller gehörten zudem zu den ersten, die 2004 Partnerschaften für einzelne Sportarten übernommen haben. Auch Diskuswerfer Robert Harting oder Beachvolleyballerin Laura Ludwig wurden mit „Jugend trainiert“ groß. Sie haben sich wie 48 andere dazu bereit erklärt, als Jubiläumsbotschafter aufzutreten. Zudem sind sie im Rahmen einer „Roadshow“ des Projekts an verschiedenen Stationen in ganz Deutschland zu sehen.

Ein Bus tourt seit Mai durch Deutschland und fährt insgesamt 50 Stationen an, die in besonderer Verbindung zum Projekt stehen – von Bayern bis Hamburg, von Marktplätzen bis zu Schulen. Am Sonntag wurde zudem eine Jubiläumslok der Deutschen Bahn vorgestellt, dem Hauptsponsor von „Jugend trainiert“.

Mit dabei war unter anderem Markus Rehm, dreifacher Goldmedaillengewinner bei den Paralympics. „Ich möchte den Kindern und Jugendlichen ein Vorbild sein“, sagt Rehm. Maximilian Munski, Olympiasieger von 2012 im Deutschland-Achter, sieht das ähnlich. Auch für ihn sei diese Veranstaltung extrem wichtig gewesen. Er sagt: „Für viele ist es das das erste Mal auf einer großen Bühne zu stehen. Das ist ziemlich wichtig und ziemlich spannend für die Sportler.“

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