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Abschied von Borussia Dortmund : Warum Mario Götze zum Nebendarsteller wurde

Weltmeister Mario Götze wird Borussia Dortmund zum Saisonende verlassen. Die Konkurrenz beim BVB ist einfach zu stark und zu groß.

Wie geht es weiter? Mario Götzes sportliche Situation ist verzwickt.
Wie geht es weiter? Mario Götzes sportliche Situation ist verzwickt.Foto: AFP

Was zwischen Mario Götze und Borussia Dortmund einst als innige Liebesgeschichte begann, hatte sich schon lange zu einer rein geschäftlichen Beziehung abgekühlt. Dabei gibt es doch so viel, was den Spieler und den Verein, für den er im Alter von neun Jahren das erste Mal gegen den Ball trat, verbindet: Der rasante Aufstieg zum gehypten Teeniestar, der Wechsel zu den Bayern, seit dem ihm bei den Fans das Stigma eines Verräters anhaftete, die reuige Rückkehr, die ebenso langwierige wie rätselhafte Stoffwechsel-Krankheit und die Rückkehr ins Licht. All das spielte aber wohl schon lange keine Rolle mehr.

Und so war es ein erwarteter Schritt, den BVB-Sportdirektor Michael Zorc am vergangenen Samstag öffentlich verkündete. „Wir sind übereingekommen, dass wir die Zusammenarbeit nach der Saison nicht fortsetzen werden“, sagte Zorc vor der Partie beim VfL Wolfsburg (2:0) dem TV-Sender „Sky“. Die Entscheidung habe man „gemeinsam getroffen“, sagte Zorc. „Wir sind in einer Situation, die für beide Seiten nicht zufriedenstellend ist.“

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Selbst in der aktuellen Lage, in der Dortmund vor dem Spitzenspiel gegen Bayern München am Dienstag (18.30 Uhr/Sky) zahlreiche verletzte und angeschlagene Spieler zu beklagen hat und Trainer Lucien Favre in Coronavirus-Zeiten sogar fünf Wechsel vornehmen darf, spielt Götze in den Planungen des BVB keine Rolle. Beim 2:0 in Wolfsburg saß der WM-Held von 2014 erneut 90 Minuten nur auf der Bank. Der Gegensatz zwischen dem brodelnden Maracana-Stadion, wo Götze fußballerisch unsterblich wurde, und der Geisterspielkulisse in Wolfsburgs Arena, wo nun sein Abschied verkündet wurde, hätte größer nicht sein können.

Während Götze in der vergangenen Spielzeit noch regelmäßig in vorderster Front wirbeln durfte, bleibt für ihn derzeit nur eine Nebenrolle. Wenn überhaupt. Mit Erling Haaland, Marco Reus, Jadon Sancho, Thorgan Hazard und Julian Brandt ist die Konkurrenz in der Offensive des BVB überhaupt so stark und groß wie nie. Und so einigten sich beide Seiten auf eine Trennung.

Dabei waren sie beim börsenorientierten Klub zunächst besten Willens, den 27-Jährigen zu halten. „Mario ist ein Dortmunder Junge, den haben wir nicht bei uns, um mit ihm Geld zu verdienen“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Dezember 2018 bei „Sky“. Danach hörten sich Aussagen zu Götze eher wie die von Zorc in Wolfsburg an.

Wahrscheinlich zieht es Götze nun ins Ausland

Knackpunkt war vor allem auch Götzes Verdienst von kolportierten zehn Millionen Euro pro Jahr. Ein mehr als üppiges Salär für einen Bankdrücker, wie sie beim BVB meinten, weshalb sie dem Stürmer einen Kontrakt mit reduzierten Bezügen angeboten haben, was dieser abgelehnt hat.

Wie geht es für Götze nun weiter? Mit bald 28 Jahren ist er eigentlich im besten Fußballer-Alter. Doch in der Bundesliga dürfte Götze auch wegen seines hohen Gehaltes nur schwer zu vermitteln sein. Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus könnte sich lediglich Hertha BSC als Adresse vorstellen. „Wenn er in der Bundesliga bleiben sollte, Hertha BSC, diese Idee hat einen Charme. Er kann die spielerische Qualität bei Hertha steigern“, sagte Matthäus bei „Sky“. Angeblich war bereits Jürgen Klinsmann im Winter an einer Verpflichtung Götzes interessiert.

Wahrscheinlicher dürfte aber ein Wechsel ins Ausland sein. Hier gilt der AS Rom in Italien als heißer Kandidat. Wo immer es ihn hinzieht, der Name Götze wird immer mit jenem Tor im WM-Finale 2014 verbunden sein. Flanke Schürrle, Annahme mit der Brust und dann volley mit links ins argentinische Tor. Die deutschen Fußball-Fans wählten diesen Treffer erst vor kurzem zum Tor des Jahrzehnts. Es scheint eine zu große Bürde für ihn geworden zu sein. (mit dpa)

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