Älteste Auszeichnung im deutschen Sport : Goldenes Band für Harald Schmid

Der frühere Weltklasseläufer ist seit 1995 Botschafter für die Kampagne „Kinder stark machen“. Es geht um Suchtprävention und Selbstvertrauen.

Einstiger Hürdenheld. Harald Schmid wurde nun auch für sein soziales Engagement ausgezeichnet.
Einstiger Hürdenheld. Harald Schmid wurde nun auch für sein soziales Engagement ausgezeichnet.Foto: Arne Dedert/dpa

Früher hat Harald Schmid vor allem Hürden genommen, über die 400 Meter zählte er weltweit zu den Besten. 1976 gewann er mit der Staffel bei Olympia Bronze, 1984 im Einzel ebenfalls. Schmid wurde Vizeweltmeister, Europameister und trug legendäre Duelle mit dem US-Amerikaner Edwin Moses aus. Nun steht er wieder im Rampenlicht. Im Bärensaal des Alten Stadthauses wurde Schmid am Mittwochabend vom Verband Deutscher Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VdSBB) mit dem Goldenen Band ausgezeichnet – nicht fürs Hürden nehmen, sondern für sein soziales Engagement.

Schmid, der inzwischen 61 Jahre alt ist, arbeitet seit 1995 in der Suchtprävention, indem er sich für die Kampagne „Kinder stark machen“ der in Köln ansässigen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) engagiert. „Ich bin damals einfach mal nach Köln gefahren, um mir das anzuhören“, sagt Schmid. Ergebnis: „Dass man auf die Stärke der Kinder setzt, passte zu meinen Vorstellungen, wie ich mit Menschen umgehen will.“

Anfangs nutzte Schmid seine Popularität, um die Sportverbände für das Thema Suchtprävention zu sensibilisieren. „Ich war ein guter Türöffner“, sagt Schmid dem Tagesspiegel. Der promovierte Sportwissenschaftler war aber auch für den Inhalt mitverantwortlich. Er hat Seminarkonzepte erarbeitet, die bundesweit umgesetzt wurden, „es ging darum, den Vereinen etwas an die Hand zu geben“, sagt er. Zum Beispiel, dass Kinder- und Jugendsportfeste ohne Alkoholverkauf ausgerichtet werden.

Schmid folgt auf Ines Geipel

Mittlerweile seien Verbände und Vereine erfreulicherweise „sehr sensibilisiert“, nun stehe vor allem Kontinuität im Fokus. „Das ist eine schwierige Aufgabe, weil das Personal in Sportverbänden stets wechselt. Man muss immer wieder bewusst machen, dass sich die Arbeit für die Sportverbände lohnt“, sagt Schmid. In seinen Schulungen vermittelt Schmid, wie wichtig Teamgeist, Mut und Vertrauen für Kinder und Jugendliche sind. „Das sind Grundbotschaften, sich zuzutrauen, auch schwierige Situationen ändern zu können“, erklärt er.

„Sport stärkt Ressourcen von Kindern und Jugendlichen für einen Start in ein Leben ohne Suchtmittel. Harald Schmid leistet mit seinen Übungsleiter-Schulungen einen wichtigen Beitrag dafür“, lobte Aleksander Dzembritzki, Staatssekretär für Sport in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, die Entscheidung der Jury. Der VdSBB-Vorsitzende Hanns Ostermann sagt: „Die Trainerinnen und Trainer in den Sportvereinen helfen mit ihrer Vorbildfunktion Kindern dabei, Herausforderungen zu meistern, aber auch mit Niederlagen umzugehen, sodass sie zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen.“

Das Goldene Band ist die älteste Auszeichnung im deutschen Sport, es wird seit 1927 vergeben. Harald Schmid folgt auf die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfevereins Ines Geipel (2017), Basketballer Henning Harnisch, der Profiklubs für ihre Verantwortung in Schulen sensibilisierte (2016), und Welcome United 03, dem ersten am offiziellen Spielbetrieb teilnehmenden Fußballteam, das komplett aus Flüchtlingen besteht (2015).

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