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Alba Berlin vor dem Pokalhalbfinale : Nach der Leidenszeit ist vor der Revanche für Johannes Thiemann

Mitte November bekommt Johannes Thiemann in einem Spiel mehrere Ellenbogen ab. Pünktlich zum Pokal-Halbfinale in Bamberg ist er wieder zurück.

Leonard Brandbeck
Beißt sich durch. Johannes Thiemann ist zurück bei Alba Berlin.
Beißt sich durch. Johannes Thiemann ist zurück bei Alba Berlin.Foto: Imago/Eibner

Dienstag, 19. November 2019, Arena am Ostbahnhof. Alba Berlin gegen Roter Stern Belgrad. In ein paar Sekunden ist es 21.11 Uhr. Johannes Thiemann bekommt einen Ellenbogen ab. Verliert ein Stück Zahn. Geht zu Boden. 30 Sekunden vergehen. Thiemann wird ausgewechselt. Erholt sich auf der Bank. 120 Sekunden vergehen.

Thiemann kommt aufs Feld zurück. 40 Sekunden vergehen. Thiemann bekommt einen Ellenbogen ab. Geht zu Boden. Steht wieder auf. 20 Sekunden vergehen. Thiemann bekommt einen Ellenbogen ab. Geht zu Boden. Hält sich den Kopf. Bleibt benommen liegen. 70 Sekunden vergehen. Thiemann wankt vom Feld. Stiert vor sich hin. Wird gestützt. Muss in die Kabine.

Alba Berlins letzte Ergebnisse in BBL und Euroleague

  • Euroleague, 16. Spieltag: Alba Berlin – Baskonia Vitoria-Gasteiz 81:57
  • BBL, 14. Spieltag: Alba Berlin – Mitteldeutscher BC 116:108
  • Euroleague, 17. Spieltag: Valencia Basket – Alba Berlin 91:77
  • BBL, 15. Spieltag: BG Göttingen – Alba Berlin 72:71
  • Euroleague, 18. Spieltag: Alba Berlin – Maccabi Tel Aviv 89:95

„Ich weiß noch, dass ich einen Schlag gegen den Zahn bekommen habe, dann ausgewechselt wurde, und ab da kann ich mich auch gar nicht mehr an die Einwechslung erinnern“, sagt Johannes Thiemann gut sieben Wochen später. „Dann habe ich noch so ein paar Fetzen davon, wie ich in die Kabine gelaufen bin. Und erst da bin ich wieder zu Bewusstsein gekommen.“

Blackout. Etwa vier Minuten sind aus dem Gedächtnis des Alba-Centers verschwunden. Gehirnerschütterung, so lautete die Diagnose. Klingt nicht so wild. Manche Profis kehren schon nach wenigen Tagen zurück ins Training. Dachte auch Thiemann. Doch es kam anders.

„Ich konnte kaum was tun“, sagt Thiemann. „Dieser leichte Schwindel, dieses leicht benebelte Gefühl ist immer wiedergekommen.“ Thiemann fühlte sich durchgehend verkatert. Bei Unterhaltungen driftete er ab. „Ich habe immer das Gefühl gehabt, ich war so eine halbe Sekunde später dran“, sagt er. „Vom Denken und Handeln her war ich einfach ein bisschen langsam.“

Die nächsten Spiele von Alba Berlin

  • Sonntag, 12.01.: Bamberg (A – Pokal)
  • Dienstag, 14.01.: Olympiakos Piräus (A – Euroleague)
  • Freitag, 17.01.: Roter Stern Belgrad (A – Euroleague)
  • Freitag, 24.01.: Zalgiris Kaunas (A – Euroleague)
  • Montag, 27.01.: Crailsheim (H – BBL)

Er probiert es mit Laufen. Doch selbst die kleinsten Erschütterungen sind schon zu viel. Also Radfahren. Die Belastung steigern. Bis die Kopfschmerzen wiederkommen. Warten, bis sie wieder gehen. Und dann die Belastung wieder steigern. Langsam das Training aufnehmen.

Mittwoch, 18. Dezember 2019, Arena am Ostbahnhof. Alba Berlin gegen Bayern München. In ein paar Sekunden ist es 20.32 Uhr. Johannes Thiemann wird eingewechselt. An den beiden Tagen zuvor hat er voll trainiert. Ohne Probleme. Doch die Kopfschmerzen kommen zurück. Nach 4:38 Minuten auf dem Feld ist für Thiemann Schluss.

„Ich weiß nicht, woran es gelegen hat“, sagt er. Die Lautstärke? Das Licht? Der Druck? Doch die Belastung? „Ich kann es mir nicht erklären, weil ich mich davor gut gefühlt habe“, rätselt Thiemann. Er muss weiter abwarten. Weiter testen. Weiter in sich hineinhören.

Für Marco Baldi ist Bamberg „das schwierigste Los“

Sonntag, 5. Januar 2020, Arena Göttingen. BG Göttingen gegen Alba Berlin. In ein paar Sekunden ist es 15.09 Uhr. Johannes Thiemann wird eingewechselt. Und diesmal klappt es. Knapp zehn Minuten steht er auf dem Feld. „Das habe ich gut verkraftet“, sagt er. „Auch am nächsten Tag habe ich mich gut gefühlt.“ Beim vergangenen Spiel gegen Tel Aviv sind es sogar schon knapp 13 Minuten. Thiemann hat es geschafft. Thiemann ist zurück.

Am Sonntag (18 Uhr/Magentasport) geht es nach Bamberg. Zum Pokal-Halbfinale. In seine Heimatregion. Wo Familie und Bekannte warten. Wo er Basketballspielen lernte. Das Ligaspiel im vergangenen Oktober gewann Alba knapp. Das Pokalfinale im Februar verlor Alba dramatisch in den Schlusssekunden. Die Chance zur Revanche also.

„Das schwerstmögliche Los“, sagt jedoch Manager Marco Baldi. Mit einem Sieg wäre der ersehnte Titel so nah. Das weiß auch Thiemann – Blackout hin oder her. Und das bitter verlorene Pokalfinale? „Das habe ich auch vergessen“, grinst er.

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