• Alba Berlin zu Gast in Moskau: Doping im Basketball? „Das Thema ist wahnsinnig weit weg“

Alba Berlin zu Gast in Moskau : Doping im Basketball? „Das Thema ist wahnsinnig weit weg“

Auch der russische Basketball ist von den Dopingstrafen betroffen. Alba Berlin reist jedoch ohne Skepsis zum Euroleague-Spiel bei Khimki Moskau.

Leonard Brandbeck
Nur ein Schulterzucken: Alexey Shved (rechts) ist Russlands größter Basketballstar.
Nur ein Schulterzucken: Alexey Shved (rechts) ist Russlands größter Basketballstar.Foto: Valery Sharifulin/Imago

Wenn Marco Baldi arbeitet, dann arbeitet er. „Wir waren praktisch hermetisch abgeriegelt“, erzählt der Geschäftsführer von Alba Berlin über eine Management-Tagung, auf der er am Montag weilte. Deshalb bekam er auch nicht viel davon mit, was an diesem Tag sonst so in der Welt des Sports vor sich ging.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hatte da unter anderem beschlossen, russische Sportlerinnen und Sportler aufgrund der jüngsten Enthüllungen im Staatsdoping-Skandal bei den kommenden Olympischen Spielen nur unter neutraler Flagge starten zu lassen. „Ich habe nur die Schlagzeile gelesen“, sagt Baldi.

Alba Berlins letzte Ergebnisse in BBL und Euroleague

  • BBL, 9. Spieltag: Alba Berlin – Oldenburg 90:77
  • BBL, 10. Spieltag: Bonn – Alba Berlin 87:90
  • Euroleague, 11. Spieltag: Alba Berlin – Zalgiris Kaunas 69:62
  • Euroleague, 12. Spieltag: Fenerbahce Istanbul – Alba Berlin 107:102 n.V.
  • BBL, 11. Spieltag: Bayreuth – Alba Berlin 78:82

Für seinen Klub dürfte diese Entscheidung ohnehin keine direkten Auswirkungen haben. Wohl aber für den Deutschen Basketball-Bund (DBB): Im Juni wird die Männer-Nationalmannschaft an einem Qualifikationsturnier für die Sommerspiele in Tokio teilnehmen. In der Vorrunde sollte das Team von Bundestrainer Henrik Rödl eigentlich auch auf Russland treffen. Doch nun obliegt es dem Basketball-Weltverband (Fiba), ob er tatsächlich ein russisches Team für das Turnier in Kroatien zulässt.

„Ich persönlich würde lieber eine sportliche Entscheidung haben und nicht am grünen Tisch“, sagte dazu am Montag DBB-Präsident Ingo Weiss. „Ich würde es lieber sehen, dass eine andere Nation antritt oder die Russen unter neutraler Flagge spielen.“

Eine Entscheidung darüber wird wohl erst bei einem der Treffen des Fiba-Vorstands im Januar oder März fallen. Dass Russland dann vollständig ausgeschlossen wird, ist aufgrund der kaum vorhandenen Brisanz des Themas in der Basketballwelt jedoch zu bezweifeln.

Doping im Basketball? „In aller Regel eine Nachlässigkeit oder ein Versehen“

„Ich will nicht sagen, dass es das nicht gibt“, sagt Marco Baldi über Doping im Basketball. „Aber das Thema ist wahnsinnig weit weg.“ Wie in anderen Ballsportarten auch werden kaum Fälle von positiv getesteten Spielern bekannt. Und wenn doch, dann wird das meist mit verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln, der Unwissenheit über zugelassene Medikamente oder dem schlichten Griff zum Joint erklärt. „Wenn da eine Übertretung passiert, dann ist das in aller Regel eine Nachlässigkeit oder ein Versehen“, glaubt Baldi.

Am Donnerstagabend (18 Uhr/Magentasport) trifft sein Team in der Euroleague auf das russische Spitzenteam Khimki Moskau. Der Play-off-Kandidat hat gleich acht einheimische Profis unter Vertrag, darunter mit Alexey Shved den Topstar des russischen Basketballs.

Die nächsten Spiele von Alba Berlin

  • Donnerstag, 12.12.: Khimki Moskau (A – Euroleague)
  • Sonntag, 15.12.: Mitteldeutscher BC (H – Pokal)
  • Mittwoch, 18.12.: Bayern München (H – Euroleague)
  • Freitag, 20.12.: ASVEL Villeurbanne (A – Euroleague)
  • Sonntag, 22.12.: Hamburg Towers (A – BBL)

Er verspüre in Sachen Doping jedoch „null, absolut null“ Argwohn, erklärt Baldi. Als Junioren-Nationalspieler weilte er bereits vor dem Fall des Eisernen Vorhangs immer wieder in den früheren Ostblock-Staaten. „Ich war wirklich wahnsinnig oft in diesen Ländern“, sagt der 57-Jährige. „Und ich habe auch zu diesen Zeiten nie darüber nachgedacht, ob das gegnerische Team oder auch Mitspieler nicht sauber sein könnten.“

Tatsächlich verzeichnet auch der 2016 von der Wada veröffentlichte McLaren-Report unter 643 manipulierten russischen Dopingproben lediglich einen einzigen Fall aus dem Basketball – und damit wesentlich weniger Vertuschungen, als etwa im Eishockey (14), Fußball (11), Volleyball (8) oder Handball (7) bekanntwurden.

„Wir hatten nie Probleme mit Dopingmissbrauch“, behauptet so auch der frühere russische NBA-Profi und jetzige Verbandspräsident Andrei Kirilenko. „Und ich hoffe, dass wir in Zukunft nie welche haben werden.“ Die Zweifel in der Basketballwelt halten sich ohnehin in Grenzen.

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