Algarve-Cup : DFB-Frauen komplettieren Desaster

Bundestrainerin Silvia Neid gerät nach dem blamablen Abschneiden der DFB-Frauen beim Algarve-Cup in Erklärungsnot. Indes ging auch das letzte Spiel gegen die eher zweitklassigen Italienerinnen verloren.

Alhao/Portugal - Auch der Abschluss passte ins Bild - und das Fazit fiel entsprechend ernüchternd aus. "Wir sind noch lange nicht da, wo wir zu diesem Zeitpunkt sein müssten. Aber ich bin froh, dass unsere Schwächen hier aufgedeckt wurden. Jetzt wissen wir genau, woran wir bis zur WM noch arbeiten müssen", sagte DFB-Cheftrainerin Silvia Neid zum Abschluss des Algarve-Cups in Portugal. Auch das blamable 0:1 (0:0) der deutschen Frauen im Spiel um Platz sieben Italien zeigte sechs Monate vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in China die großen Defizite des Titelverteidigers auf.

Offen traten die Probleme nicht nur beim holprigen Start mit den Auftakt-Pleiten gegen Vize-Europameister Norwegen (0:1) und Frankreich (1:2) zu Tage. Einzig beim 3:0 gegen den Turnier-Finalisten Dänemark bewies der erfolgsverwöhnte Welt- und Europameister Charakter und eine leicht ansteigende Form. Mit dem Ende der Misserfolgsserie von fünf sieglosen Partien im Jahr 2007 kehrte vorübergehend der Glaube an die eigene Stärke ein wenig zurück. "Das war ein wichtiger Sieg für das Selbstvertrauen und ein guter Anfang", betonte Neid, deren Elf diese Einschätzung gegen Italien aber nicht untermauern konnte.

Neid beklagt wachsenden Mediendruck

Erstmals spürt die Nachfolgerin von Tina Theune-Meyer in ihrer fast zweijährigen Amtszeit "Gegenwind", weil es nicht wie erwartet lief und die in Portugal recht zahlreichen Medienvertreter "dies nach Deutschland transportierten". Trotz des Drucks bemühe sie sich aber um "Gelassenheit", betonte die 42-Jährige. "Man braucht einen starken Charakter, um den Weg konsequent weiter zu gehen."

Neid nutzte das wegen der Top-Besetzung "Mundialito" (kleine WM) genannte Turnier als Experimentierfeld und testete viele Akteurinnen auf unterschiedlichen Positionen. Dass der Rückstand zu den besten Nationen aber so groß war, hat sie überrascht. Vor allem der unbefriedigende Fitnesszustand einiger Spielerinnen stimmt sie nachdenklich.

"Nicht jede hat gearbeitet"

"Alle hatten seit Weihnachten ihre Trainingspläne", verwies Neid auf den Leistungstest im Dezember an der Sporthochschule in Köln. Doch offenbar wurden in der spiel- und trainingsfreien Zeit die Hausaufgaben ignoriert. "Nicht jede hat danach gearbeitet. Einige haben vielleicht etwas zu viel getan und sind hier durch das Training auf hohem Niveau in ein Loch gefallen. Andere haben eindeutig zu wenig gemacht. Einige waren länger verletzt und haben hier erkannt, dass sie noch eine Schippe drauf legen müssen", meinte die Trainerin. Sie habe entgegen ihrer ursprünglichen Planung kaum Klarheit darüber, mit welchen 24 Spielerinnen sie ab Ende Juni in die unmittelbare WM-Vorbereitung gehen wolle. Bis zum Saisonhöhepunkt in China stehen noch sechs Länderspiele und sieben Lehrgänge auf dem Programm. "Bis zur WM müssen wir uns erheblich steigern", räumte Spielführerin Birgit Prinz ein.

Gegen die "Squadra Azzurra" musste die DFB-Elf gleich mehrere Spielerinnen ersetzen. Bianca Rech und Navina Omilade reisten wegen Oberschenkelzerrungen vorzeitig ab. Zudem fielen Sandra Smisek (Muskelverhärtung) und Linda Bresonik (Muskelfaserriss) aus, die angeschlagenen Ariane Hingst und Britta Carlson wurden geschont. So blieb auch gegen die zweitklassigen Südeuropäerinnen fast alles Stückwerk, so dass sich die Sorgenfalten nach dem Siegtreffer für Italien durch Silvia Fuselli (81.) vor dem Rückflug der Mannschaft an diesem Donnerstag noch vertieften. (Von Ulli Brünger, dpa)

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