Amnesty zu Trainingslagern in Katar : „Hinreisen ist besser als ein Boykott“

Fußballspieler Riku Riski verzichtet aus ethischen Gründen aufs Trainingslager in Katar. Regina Spöttl, Katar-Expertin bei "Amnesty", sieht einen besseren Weg.

Ein Mann schaut in Doha auf sein Handy, während die Fußballer von Bayern München trainieren.
Ein Mann schaut in Doha auf sein Handy, während die Fußballer von Bayern München trainieren.Foto: Peter Kneffel/dpa

Frau Spöttl, der finnische Fußballspieler Riku Riski sagt aus ethischen Gründen seine Teilnahme am Trainingslager der Nationalmannschaft in Katar ab. Er habe das nicht mit seinen Werten vereinbaren können, so der 29-jährige Spieler von HJK Helsinki. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Riski ist mutig. Aber jeder Spieler muss einen Schritt wie diesen für sich alleine entscheiden. Wir rufen nicht zu einem Boykott von Ländern wie Katar auf. Es ist nämlich besser, die Gelegenheit der Reise in ein solches Land wahrzunehmen. Wichtig ist dann aber, dass sich die einflussreichen Vorstandsmitglieder, die Trainer und die Spieler vor Ort umsehen und ihre guten Beziehungen zu den Politikern und Sportveranstaltern im Land nutzen, um auf Missstände hinzuweisen und zu sagen, dass es so nicht geht.

Passiert das tatsächlich oder ist es eher Wunschdenken?

Noch ist das Wunschdenken. Wir haben keine Nachweise, dass sich die Vereine engagieren. Aber wir haben Hoffnung.

Riku Riski jubelt nach einem Tor im Fußball-Länderspiel gegen Wales.
Riku Riski jubelt nach einem Tor im Fußball-Länderspiel gegen Wales.Foto: Tom Hevezi/EPA/dpa

Welche Rolle können die Spieler dabei einnehmen?

Die Spieler haben zwischen den Trainingseinheiten Freizeit und wohnen in schönen Hotels. Dort werden sie überwiegend von unterbezahlten Arbeitsmigranten bedient. Die Sportler könnten sich genauer über die Menschenrechte im Land informieren, sich eine eigene Meinung bilden und Einfluss nehmen. Gerade die Fußballspieler gelten als Vorbilder und werden gehört.

Seit Freitag ist auch Bayern München im Trainingslager in der katarischen Hauptstadt Doha. Wie schätzen Sie das Engagement des Vereins ein?

Die Verantwortlichen sagen zumindest, sie würden sich informieren. Genaueres weiß man nicht.

Regina Spöttl ist die Expertin für Katar bei der Menschenrechtsorganisation "Amnesty International".
Regina Spöttl ist die Expertin für Katar bei der Menschenrechtsorganisation "Amnesty International".Foto: privat

Wie ist denn momentan die Menschenrechtslage in Katar?

Die größten Probleme gibt es bei den Rechten für Arbeiternehmer. Arbeitsmigranten aus ostasiatischen Ländern wie Bangladesch und Nepal werden schamlos ausgenutzt. Sie leben in heruntergekommenen und überfüllten Unterkünften. Auf den Baustellen müssen sie bis zu 16 Stunden am Tag bei 40 Grad im Schatten schuften. Oft werden sie nicht einmal bezahlt und der ohnehin geringe Lohn bleibt aus. Es gibt zwar einige gute Ansätze. Die gelten aber meistens nur für Arbeiter auf den WM-Baustellen, die schließlich mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Wir fordern mehr Rechte für alle Arbeitnehmer.

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– Das Gespräch führte Laurenz Schreiner.

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