Anfeindungen gegen Bundesliga-Trainer : Fans zum Abgewöhnen

Ob Labbadia oder Korkut - der Fan-Protest gegen Trainer hat eine neue Dimension und sagt etwas über verrohte Sitten in der Liga aus. Ein Kommentar.

Sind derzeit nicht gut zu sprechen auf das eigene Team: die Fans des VfL Wolfsburg.
Sind derzeit nicht gut zu sprechen auf das eigene Team: die Fans des VfL Wolfsburg.Foto: dpa

Sicher ist ein Fußballstadion immer noch ein Ort, an dem gerne ein wenig gepöbelt werden darf und soll. An dem Gegner oder Schiedsrichter a priori schon etwas doof sein dürfen. Das Fußballstadion war aber gerade wegen dieser kleinen Feindseligkeiten gegenüber den anderen immer auch ein Ort, an dem der Zusammenhalt eine große Rolle spielte. Deswegen stimmt es befremdlich, was sich in den vergangenen Wochen in der Bundesliga ereignete.

Die erfolglosen Klubs VfB Stuttgart und VfL Wolfsburg verpflichteten neue Trainer, die von eigenen Fangruppen schon angefeindet wurden, bevor diese auch nur ein Spiel bestritten hatten. In Stuttgart etwa legte ein Anhänger nach der Verpflichtung Tayfun Korkuts eine Grabkerze, eine Trauerkarte und weiße Lilien vor der Geschäftsstelle als Zeichen des Protests nieder. Und am Samstag, als Bruno Labbadia sein erstes Heimspiel mit dem VfL absolvierte, reimten die Fans aus der Nordkurve mehr schlecht als recht: „Wir steigen ab, wir kommen nie wieder – wir haben Bruno Labbadia.“

Fast schlimmer noch als die beschriebene Häme waren die Vorverurteilungen in den sozialen Kanälen. Teils üble persönliche Beleidigungen finden dort ungefiltert Eingang. Es hat sich in Zeiten wie diesen leider eingebürgert, dass viele Fußballanhänger offenbar immer mehr Spaß daran finden, die eigene Mannschaft fertigzumachen. „Damit steht ein Absteiger fest! #VfB #Korkut. Ich lach mich tot“, twitterte da einer. Und nur wenige Wochen später ist dann festzustellen: So gut wie unter Korkut war der VfB schon lange nicht mehr.

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