• Aufsteiger empfängt den nächsten Spitzenklub: So will Union gegen den BVB bestehen

Aufsteiger empfängt den nächsten Spitzenklub : So will Union gegen den BVB bestehen

Gegen Leipzig musste Union im ersten Heimspiel eine herbe Niederlage hinnehmen. Nun soll gegen Dortmund alles besser werden.

Zum Schreien. Gegen Leipzig waren Unions Sebastian Andersson (Mitte) und seine Mitspieler heillos überfordert.
Zum Schreien. Gegen Leipzig waren Unions Sebastian Andersson (Mitte) und seine Mitspieler heillos überfordert.Foto: dpa

Fußballer sprechen in der Regel eher ungern über sportliche Lehrstunden wie jene, die der 1. FC Union am ersten Spieltag von Rasenballsport Leipzig erhalten hat. Gerade wenn es kurz darauf ein Erfolgserlebnis gibt, wird die vorherige Enttäuschung gerne verdrängt. Abhaken, Mund abputzen, weitermachen.

Beim Berliner Bundesliga-Aufsteiger wurde in den vergangenen Tagen dennoch deutlich mehr über Leipzig gesprochen als über Augsburg, wo Union am vergangenen Samstag den ersten Punkt holte – und das hat vor allem mit dem kommenden Gegner zu tun.

„Vom Umschaltspiel, von der Geschwindigkeit, von der Präzision her sind Dortmund und Leipzig Mannschaften, die sich die Waage halten. In der Vorwärtsbewegung sind sie sich ähnlich und für uns gilt: Wir haben Leipzig erlebt, haben gewisse Anhaltspunkte und dürfen die Fehler nicht wiederholen“, sagt Unions Trainer Urs Fischer vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag (18.30 Uhr, live auf Sky) im ausverkauften Stadion An der Alten Försterei.

Auf die Berliner wartet am dritten Spieltag bereits der zweite Champions-League-Teilnehmer, ein weiteres 0:4 vor eigenem Publikum wollen sie unbedingt verhindern. „Dortmund ist ein klarer Mitfavorit auf die Meisterschaft“, sagt Fischer, der auf den gesperrten Keven Schlotterbeck sowie die verletzten Florian Hübner und Grischa Prömel verzichten muss.

Ob Routinier Christian Gentner nach seiner Rückenverletzung wieder einsatzbereit ist, entscheidet sich kurzfristig. Viel wichtiger als die Personalien werden gegen den BVB aber die taktischen Lehren aus dem Leipzig-Spiel.

Gegen die Sachsen verlor Union sehr viele Bälle in gefährlichen Räumen. Das frühe gegnerische Pressing ließ den Berlinern im Spielaufbau kaum Zeit und überforderte sie zunehmend. Mit schnellen, vertikalen Aktionen nutzte Leipzig die entstehenden Situationen eiskalt aus und hätte auch noch höher gewinnen können.

Union muss Fehler in der Vorwärtsbewegung vermeiden

Solche Fehler in der Vorwärtsbewegung muss der 1. FC Union gegen Dortmund vermeiden. „Man muss sich bewusst sein, in welchen Räumen man ein gewisses Risiko nimmt“, sagt Prömel, den eine Verletzung am Bein außer Gefecht setzt. In gewissen Situationen sei „ein langer Ball auch mal das beste Mittel“. Schon in der Aufstiegssaison sei es die „DNA unseres Spiels“ gewesen, kompakt zu stehen, gut gegen den Ball zu arbeiten und auch über zweite Bälle ins Spiel zu finden, sagt Prömel.

Es wird genau dieser Spagat sein, den Union am Samstag schaffen muss. Die Berliner dürfen im Spielaufbau nicht zu viel Risiko eingehen, sich keine Ballverluste in heiklen Räumen leisten und müssen den technisch deutlich stärkeren Gegnern mit ihrer Hartnäckigkeit den Spaß am Fußball nehmen.

Dabei dürfen sie allerdings nicht vollkommen auf einen konstruktiven Spielaufbau verzichten, denn 90 Minuten nur verteidigen, rustikal klären, hinterherlaufen, wird gegen einen Gegner mit einer solchen Qualität nicht funktionieren. Das hat nicht zuletzt das durch zwei späte Tore gewonnene Spiel des BVB in Köln (3:1) vor einer Woche gezeigt.

Den BVB zweimal am Rande der Niederlage gehabt

Dass Union die Dortmunder im DFB-Pokal 2016 und 2018 schon zweimal am Rande einer Niederlage hatte, spielt laut Fischer keine allzu große Rolle – zumindest taktisch. Beim BVB wird mit Julian Weigl vermutlich nur ein Spieler in der Startformation stehen, der auch beim Dortmunder 3:2-Sieg nach Verlängerung in der Vorsaison von Anfang an auf dem Platz stand. „Es ist eine ganz andere Mannschaft, deshalb kann man die Aufgaben nicht vergleichen“, sagt Fischer.

Er hofft aber zumindest mental auf einen positiven Effekt: „Natürlich nimmt man das ein bisschen mit, wir konnten in Dortmund bestehen. Das muss dir Selbstvertrauen geben.“

Das gilt ebenso für das 1:1 in Augsburg vor einer Woche. Zwar haben die Berliner auch dort einige Fehler begangen, die eine Spitzenmannschaft wie Leipzig oder Dortmund vermutlich bestraft hätte, dennoch war ein klarer Aufwärtstrend zu verzeichnen. Union ließ nur wenige Torchancen zu und zeigte offensiv einige gute Ansätze. „Wir müssen dort anknüpfen, wo wir in Augsburg aufgehört haben, um gegen Dortmund eine Chance zu haben“, fordert Fischer. Und die richtigen Lehren aus dem Leipzig-Spiel ziehen.

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