Ausrüstung im Eishockey : Schmetterling auf dem Eis

Eishockey-Nationaltorwart Danny aus den Birken verbraucht pro Saison drei Ausrüstungen – auch weil die Ausstattung immer leichter wird.

Der Mann und die Scheibe: Danny aus den Birken wurde zuletzt mit München drei Mal Deutscher Meister und steht mit seinem Team im Finale der Champions League.
Der Mann und die Scheibe: Danny aus den Birken wurde zuletzt mit München drei Mal Deutscher Meister und steht mit seinem Team im...Foto: Tobias Hase/dpa

Ein Eishockeytorwart bastelt gern mal an seiner Ausrüstung. Kann ja schließlich Vorteile bringen im Abwehrkampf gegen den Puck. Danny aus den Birken muss schmunzeln, wenn er so etwas im Jahr 2019 hört. Der deutsche Nationaltorhüter hat mit seinen 33 Jahren in dieser Hinsicht viel gehört und erlebt, vor allem zu Beginn seiner Zeit in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). „Mein früherer Kollege Patrick Ehelechner hat Stücke vom oberen Kunststoffrand der Hose abgeschnitten und sich die zusätzlich als Schulterpolster angenäht. Vor sechs, sieben Jahren war so etwas noch möglich.“

Heute ist alles genormt, auch die Torwarthelme und ihr Gitterschutz. Noch früher als vor aus den Birkens Zeit wurden die eng anliegenden alten Gesichtsmasken möglichst Furcht einflößend bemalt, um die gegnerischen Spieler zu erschrecken. Bis heute werden solche Masken gerne in Horrorfilmen eingesetzt. Auch an der Schutzausrüstung unterhalb des Kopfes wurde gefeilt, die Beinschoner mussten möglichst breit sein, damit der Puck weniger Fläche zum Durchrutschen hatte. Zudem wurde am Fanghandschuh geschustert, am kleinem Korb zwischen Daumen und Zeigefinger, in dem der Puck gefangen wird. Da wurden zusätzlich Schnürsenkel im Körbchen eingezogen. Schließlich ist die Montur eines Torwarts ja nicht nur Schutz vor der Hartgummischeibe, die mit bis zu 170 Stundenkilometer schnell ansaust, sondern eben auch dafür da, keine Schüsse vorbeizulassen.

"In der Liga gibt es strenge Kontrollen."

Doch dann kam die Revolution für die Torhüter: Deren Ausrüstung war immer massiver, der sich dem Schützen bietende Raum war immer kleiner geworden. „Früher war es tatsächlich so, dass es bei den Beinschonern hieß: Je breiter, desto besser“, sagt aus den Birken. „Heute gibt es da keinen Spielraum mehr, sondern feste Regeln.“ Exakt 28 Zentimeter müssen die „Matten“, wie die Torhüter es nennen, breit sein. „Darauf wird penibel geachtet. In der Liga gibt es strenge Kontrollen. Bei internationalen Turnieren kommen vor und nach dem Spiel Kommissionen vorbei, die unsere Ausrüstung abmessen.“ Die Normen bei der Ausrüstung haben Konsequenzen: Der Schutz der Torhüter sei tatsächlich schlechter geworden, sagt der Torwart von RB München. So wie es jetzt sei, sei es „grenzwertig“, aber noch gut. Schmaler dürfe da aber nichts mehr werden. Das Ganze wiegt nicht mehr 22 oder 23 Kilo wie noch früher, sondern fünf, sechs Kilo weniger. „Ich habe mich aber noch nicht in voller Montur auf die Waage gestellt“, sagt aus den Birken.

Südkorea im Januar 2018: Spieler aus Deutschland jubeln über den Einzug ins Olympia-Finale.
Südkorea im Januar 2018: Spieler aus Deutschland jubeln über den Einzug ins Olympia-Finale.Foto: Daniel Karmann/dpa

Zudem hat sich der Spielstil zuletzt noch mal deutlicher verändert, was zum Teil auch durch die leichtere und nicht mehr so raumfüllende Ausrüstung bedingt ist. Früher standen die Goalies im Eishockey, heute rutschen sie, sobald Gefahr vorm Tor droht, mit angewinkelten Schonern über das Eis. Weil es, ganz weit hergeholt, an einen Schmetterling erinnert, heißt es „Butterfly-Stil“. Im „Stand-Up-Stil“, also die Abwehrarbeit mehr oder weniger stehend zu verrichten, verteidige fast kein Profi mehr. „Wir nennen das ,reverse’, wir arbeiten viel mit dem Pfosten“, sagt aus den Birken.

Moderne Torhüter wie der Mann von RB München sehen zu, dass sie immer die Lücke zwischen Pfosten und Schoner geschlossen halten, wenn an der betreffenden Seite Schussgefahr droht. Nachteil: Die Torhüter sind in den oberen Ecken leichter zu bezwingen als früher. So hat aus den Birken im olympischen Finale 2018 gegen Russland ein unglückliches Tor zum 3:3 kassiert – am Ende gewann aus den Birken mit den Deutschen Silber und wurde als bester Torwart des Turniers ausgezeichnet.

Eine Ausstattung kostet bis zu 4.000 Euro

Als Profi in der DEL muss sich aus den Birken natürlich nicht mehr, wie zu Nachwuchszeiten, um den Zustand seiner Ausstattung kümmern. Weil die Ausrüstungen immer kleiner geworden sei, sei der Verschleiß größer als früher, sagt aus den Birken. Das koste den Klub viel Geld. Pro Saison verbrauche ein Profitorwart drei Sätze an Ausrüstungen, sagt aus den Birken – wobei die Schläger häufiger ersetzt werden müssten. „Aber ich bekomme alles gestellt und ehrlich gesagt, kenne ich mich bei den Preisen gar nicht so aus.“ Würde aus den Birken seine Beinschoner, den Stockhandschuh mit Blocker, Schlittschuhe, Torwartmaske, Torwartschläger, Oberkörperschutz und Hose selbst kaufen, kostet das auf höchstem Niveau bis zu 4 000 Euro.

Ein nicht so sichtbares Ausrüstungsteil ist für den Torwart besonders wichtig: Der Schliff beim Schlittschuh. Der ist anders als bei den Feldspielern in der Mitte der Kufe nicht hohl, sondern angflacht, damit die Torhüter besser zur Seite rutschen („sliden“) können. „Da lässt sich auch heute beim Schliff vieles richtig oder falsch machen – auf höchstem Niveau allerdings ist das immer besser geworden“, sagt Danny aus den Birken.

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Der Nationaltorwart findet es richtig, dass der Weltverband streng überwacht, was die Torhüter am Körper tragen und zur Abwehr benutzen dürfen. Abseits der Ausrüstung sind natürlich Mätzchen immer noch erlaubt. Patrick Roy galt als bester Torwart aller Zeiten und hatte einen schönen Spleen. Er sprach immer mit den Torpfosten. Immerhin hat der Kanadier, bis 2003 aktiv, einmal erzählt, dass seine Kinder keine Angst vor Masken tragenden Figuren in Horrorfilmen hätten. „Sie denken, das sind Goalies.“

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