Australian Open : Aufgabe ist nicht gleich Aufgabe

Rafael Nadal und Mischa Zverev mussten in Melbourne beide verletzt aufgeben. Doch nur Zverev bekommt eine Geldstrafe – und fühlt sich ungerecht behandelt. Nicht ganz zu unrecht. Ein Kommentar.

Mischa Zverev hat Einspruch gegen die Geldstrafe eingelegt.
Mischa Zverev hat Einspruch gegen die Geldstrafe eingelegt.Foto: AFP PHOTO / WILLIAM WEST

Tennisprofi Rafael Nadal hat am Dienstag sein Viertelfinale bei den Australian Open im fünften Satz aufgegeben. Der Weltranglistenerste konnte das Spiel gegen Marin Cilic wegen einer Oberschenkelverletzung nicht fortsetzen. Trösten darf sich der Spanier dennoch mit einem Preisgeld von immerhin 390.000 Euro.

Mischa Zverev verlor in Melbourne bereits in der ersten Runde – der Deutsche konnte sein Match ebenfalls wegen einer Verletzung nicht zu Ende spielen. Die 38.000 Euro, die ihm als Verlierer eines Auftaktspiels normalerweise zugestanden hätten, soll er allerdings nicht behalten dürfen. Zverev wurde von den Organisatoren wegen seiner Aufgabe mit einer Geldstrafe von knapp 37.000 Euro belegt. Grund ist eine Regeländerung, mit der die Veranstalter der vier Grand-Slam-Turniere verhindern wollen, dass angeschlagene Profis nur zu ihrem Erstrundenmatch antreten, um wenigstens noch etwas Preisgeld zu kassieren.

Grundsätzlich ist diese Regelung durchaus begrüßenswert. Es ist fairer für alle Konkurrenten, für die Zuschauer und letztlich wahrscheinlich auch besser für den gesundheitlich beeinträchtigten Spieler selbst. Gänzlich ausgereift scheint das Ganze aber noch nicht zu sein. Zverev hat deswegen auch bereits Einspruch angekündigt. Denn die Entscheidung, ob eine Leistung als angemessen bewertet wird oder nicht, erscheint einigermaßen subjektiv.

Zverev führte eine Knochenhautentzündung in der Schulter seines linken Schlagarmes sowie einen fiebrigen Infekt als Grund für seine Aufgabe an, für den Davis Cup Ende kommender Woche hat er nun ebenfalls krankheitsbedingt abgesagt. Das allerdings spielt bei der Bewertung seines Falles keine Rolle mehr. Der 30-Jährige argumentiert, er wollte in Melbourne wegen der vielen zu verteidigenden Weltranglistenpunkte unbedingt antreten. Das klingt definitiv nach sportlichem Ehrgeiz. Wäre es Zverev nur um das Preisgeld gegangen, hätte er noch unmittelbar vor Turnierstart zurückziehen können. Laut Regel hätte er dann zumindest die Hälfte seiner Prämie behalten dürfen. Das tat er nicht – und hat nun nicht ganz zu unrecht das Gefühl, dass an ihm ein Exempel statuiert werden soll.

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