Bahnrad-EM : Deutsches Doppelgold für Vogel und Levy

Erst Vogel, dann Levy: Die Deutschen triumphieren nach einem holprigen Start zum Ende der Bahnrad-EM im Velodrom.

Auf Zack. Kristina Vogel feiert nach dem Sieg im Keirin-Rennen bei der Bahnrad-Europameisterschaft im Velodrom ihre Goldmedaille.
Auf Zack. Kristina Vogel feiert nach dem Sieg im Keirin-Rennen bei der Bahnrad-Europameisterschaft im Velodrom ihre Goldmedaille.Jens Büttner/dpa

Sie begann mit Enttäuschung und endete mit Doppelgold: Die Bahnrad-EM in Berlin nahm für Fans und Athleten ein glückliches Ende, als Maximilian Levy und Kristina Vogel am Sonntagnachmittag jeweils auf dem obersten Treppchen des Podiums standen. Vogel hatte zuvor gegen die Französin Mathilde Gros die Goldmedaille im Sprint gewonnen, Levy war der Coup im Keirin-Rennen geglückt. „Von einem Sieg habe ich kaum zu träumen gewagt“, sagte Levy nach der Ehrung. Vogel ist auch trotz des Sieges, der ihr noch in ihrer Titelsammlung gefehlt hatte, hungrig auf Erfolg. „Ich bin halt egoistisch, ich mag nicht gerne Titel abgeben“, sagte sie. Der Doppelerfolg sei die beste Motivation für die neue Saison.

Frustrierender Start

Dabei war der Start in die Europameisterschaften alles andere als glatt gelaufen für das deutsche Team: „Ich bin froh, dass es vorbei ist“, sagte die enttäuschte Vogel nach dem Eröffnungsabend am Donnerstag. Schon beim Einfahren auf der Innenfläche des Velodroms saß ihr und Miriam Welte die grimmig schauende russische Konkurrentin Daria Shmeleva im Nacken. Die Weltmeisterinnen aus Russland holten sich dann auch den Europameistertitel im Finale gegen die deutschen Frauen, die sich ebenso wie zuvor die Männer mit einer Silbermedaille zufriedengeben mussten. „Die Russinnen haben eine sehr, sehr starke Show geliefert“, sagte Welte nach der Siegehrung. Sprint-Weltmeisterin Anastasiia Voinova hatte mit Daria Shmeleva eine neue Anfahrerin an den Start geholt. „Mir war klar, dass die Russinnen nach dem Tausch noch mal schneller fahren können“, sagte Welte.

Der Eröffnungsabend hatte katastrophal begonnen: Die deutschen Teamsprint-Frauen waren im Qualifikationslauf schwer gestürzt. Das Hinterrad der zuvorderst fahrenden Gudrun Stock überlappte beim Ausscheren mit dem Vorderrad von Lisa Brennauer, die zusammen mit Charlotte Becker und Lisa Klein schwer stürzte. Becker und Klein kamen mit leichten Blessuren davon, Brennauer zog sich neben Prellungen und Abschürfungen einen Oberarmkopfbruch zu und musste neben einer möglichen Goldmedaille für das deutsche Team auch auch auf ihre Teilnahme am Weltcup-Auftakt Anfang November in Pruszkow verzichten. Gudrun Stock konnte dem Sturz zwar entkommen, stürzte aber am Samstag im Omnium. Sie fuhr dennoch weiter, musste den Sieg aber dem britischen Bahnrad-Star Katie Archibald überlassen.

Zimmerkameradinnen spornen sich an

Trotz der Enttäuschung im Teamsprint gelang es dem Duo Vogel und Welte, sich gegenseitig zu motivieren. „Nachdem Miri gestern vor dem Einschlafen ihr Europameister-Trikot aufgehangen hat, war ich schon etwas neidisch", sagte die 26-jährige nach ihrem Sieg im Keirin am Samstag. Am Tag zuvor hatte ihre Zimmerkameradin und Teamsprint-Anfahrerin Welte Gold im 500 Meter-Zeitfahren der Frauen geholt. „Jetzt hat es auch bei mir geklappt“, freute sich die neunfache Weltmeisterin und dreimalige Olympiasiegerin Vogel. Am Freitag platzte dann endlich der Knoten: „Ich war gestern schon sehr traurig. Das hat mir heute vielleicht ein bisschen geholfen. Ich bin super happy“, sagte Welte nach ihrem Sieg. Sie gewann nicht nur den 500-Meter-Wettkampf, Teamkollegin Pauline Grabosch sicherte gleich eine zweite Medaille für das deutsche Team und stand als Vize-Europameisterin neben Welte auf dem Podium. „Vor fünf Jahren habe ich noch in der Schule einen Vortrag über Miriam gehalten, jetzt stehe ich mit ihr auf dem Podest“, sagte Grabosch nach der Siegerehrung.

In der Qualifikation verpokert

Auch die Männer ließen sich von den Erfolgen ihrer Teamkolleginnen motivieren: Am Samstag holte Joachim Eiler Silber im 1000-Meter-Zeitfahren und sorgte für Hochspannung im Velodrom, das in den vergangenen Tagen von 9100 Zuschauern besucht wurde: Nur 33 Tausendstelsekunden lag er schließlich hinter seinem Konkurrenten Jeffrey Hoogland aus den Niederlanden. „Das sind nur ein paar Zentimeter, das ist verdammt bitter“, sagte Eilers nach dem Rennen. Und kündigte an: „Das ist jetzt meine dritte Silbermedaille in dieser Disziplin. Ich habe noch eine Rechnung offen.“

Maximilian Beyer holte sich im Punktefahren eine Bronzemedaille, ebenso wie Domenic Weinstein in der 4000-Meter-Einerverfolgung. Weinstein gab nach dem Sieg im kleinen Finale zu, sich in der Qualifikation verpokert zu haben und seine Kräfte zu sehr zurückgehalten zu haben. „Eigentlich wollte ich ganz oben stehen“, sagte er. Den Kampf um Gold und Silber gewann der Pole Alan Banaszek gegen den Dänen Niklas Larsen.

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