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Bahnrad-WM im Berliner Velodrom : Hinze holt drittes Gold, Reinhardt/Kluge fahren zu Bronze

Die Bahnrad-Weltmeisterschaften in Berlin enden mit weiteren Medaillen für das deutsche Team. Grund zur Euphorie herrscht für die Athleten aber dennoch nicht.

Runde für Runde. Für Roger Kluge und Theo Reinhardt reichte es im Madison nicht zum dritten WM-Titel.
Runde für Runde. Für Roger Kluge und Theo Reinhardt reichte es im Madison nicht zum dritten WM-Titel.Foto: Tobias Schwarz/ AFP

Die Momente nach ihrem größten sportlichen Erfolg konnte Emma Hinze nicht genießen. „Mir war ziemlich schlecht. Mein Laktat war sehr hoch“, sagte sie. Nach ein paar Minuten hatte sich das mit dem Milchsäureüberschuss erledigt. „Jetzt will ich die Beine hochlegen“, sagte sie und grinste. Sie werde Urlaub auf Fuerteventura machen. Drei Goldmedaillen gewann die 22-Jährige bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften in Berlin. Die letzte am Sonntag im Keirin. Sie tat es auf ihre Art. Nach wenigen Runden fuhr sie vorneweg. Hinze brauchte bei der WM keine taktischen Manöver und keinen Windschatten, sie war schlicht viel schneller als die anderen.

Ähnlich hatte es sich in den vergangenen beiden Jahren bei dem Duo Theo Reinhardt/Roger Kluge verhalten. Die Deutschen gingen am Schlusstag im mit 4800 Zuschauern ausverkauften Velodrom als zweifache Weltmeister in der Königsdisziplin Madison an den Start. Doch über 50 Kilometer hatten sie gegen die Dänen Lasse Norman Hansen und Michael Morkov keine Chance. Immerhin holten sie dank eines furiosen Schlusssprints von Reinhardt am Ende hinter Campbell Stewart und Aaron Gate aus Neuseeland noch Bronze. Es war dies die einzige Medaille für die deutschen Männer bei der Veranstaltung in Berlin.

Künftig könnte es mehr Preisgeld für die Bahnfahrer geben

Noch bevor am Sonntag die Finals gefahren wurden, hatte es schon den ersten Gewinner gegeben. Der Präsident des Radsportweltverbandes UCI, David Lappartient, grinste, als hätte er in einem einzigen Rennen das komplette Edelmetall dieser WM auf einmal eingesackt. Lappartient freute sich im Bauch des Berliner Velodroms diebisch, bekanntgeben zu können, dass es zu einem langfristigen Vertrag zwischen dem Radsportweltverband und einem großen Fernsehsender gekommen sei.

„Ich bin sehr glücklich über diese Partnerschaft“, sagte er. „Das bedeutet, dass wir im Vergleich zu jetzt riesige Preisgelder zahlen können.“ Was das im Bahnradsport bedeutet, erläuterte er knapp: „Die Athleten dürften dann in der Lage sein, für ihre Kosten, also Anreise, Unterkunft et cetera selbst aufzukommen.“ Sätze wie diese sind ein Schlag ins Gesicht für all jene Talente, die mit einer Karriere im Bahnradsport liebäugeln. Aber sie stellen nun einmal die Realität dar.

So strichen bei der diesjährigen WM die Sieger in einem Einzelrennen 3125 Euro ein, im Schnitt noch weniger pro Person gab es für Gold in den Teamentscheidungen. Das liest sich wenig erquicklich und ist es auch. Bahnradsportler kommen in den meisten Ländern nur durch öffentliche Unterstützung über die Runden und nicht durch selbst erwirtschaftetes Geld.

Emma Hinze kann trotz ihrer Erfolge nicht von ihrem Sport leben

Aber das muss nicht ewig so bleiben. Der Radsportweltverband sieht sich mit dem neuen Medienvertrag auf einem guten Weg, die Sportart für die Athleten wieder attraktiver zu machen. Damit Bahnradsport auch für die Zuschauer wieder interessant wird, hat der Verband vor wenigen Monaten ein paar Reformen eingeleitet, die Präsident Lappartient am Sonntag nochmals konkretisierte.

So sind künftig die Bahnrad-Weltmeisterschaften nicht mehr im Frühjahr, sondern im Herbst. Der Verband spekuliert darauf, dass dann auch Topfahrer mitmachen, die sonst nur auf der Straße unterwegs sind. Zudem wird die Anzahl der Weltcups von sechs auf drei reduziert. Sie finden künftig unter dem Namen Nationencup dagegen nicht mehr im Herbst, sondern im Sommer statt.

Der ab dem kommenden Jahr praktizierte Modus stößt im deutschen Lager auf Kritik. Patrick Moster, der Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer, sagte am Rande des letzten Wettkampftages, dass sich die Vorstellungen der UCI nach größerer öffentlicher Wahrnehmung „garantiert nicht umsetzen lassen“.Das wäre aber dringend nötig. Denn selbst die dreifache Weltmeisterin Hinze sagte am Sonntag: „Leben nur vom Sport könnte ich nicht.“

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