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Basketball : Alba Berlin gewinnt Pokalkrimi bei Bayern München

Eine Woche nach der knappen Niederlage in der Bundesliga besiegen die Berliner Bayern München 78:70. Besonders ein 18-Jähriger trumpft richtig auf.

Der lange Arm von Alba Berlin. Landry Nnoko (links) gegen Bayerns Leon Radosevic.
Der lange Arm von Alba Berlin. Landry Nnoko (links) gegen Bayerns Leon Radosevic.Foto: Angelika Warmuth/dpa

In den letzten Sekunden hatte der Mann mit der roten Fanmütze des FC Bayern Basketball und dem Bier auf der Balustrade genug gesehen. „O meiomeiomei“, sagte der Bayernfan, „der hat nur Scheiße g'schmissen.“ Etwas höflicher auf Hochdeutsch: Oh Mann, der hat nur Mist geworfen. Gemeint war Münchens Power-Forward Derrick Williams, der in den letzten Minuten mit einigen Verzweiflungswürfen vergeblich versucht hatte, die Niederlage noch abzuwenden. Doch weil auch Williams nicht mehr so traf wie in der Vorwoche, waren es am Ende des Pokal-Viertelfinalspiels die rund 50 mitgereisten Fans von Alba Berlin, die am Tag vor Heiligabend eine vorzeitige Bescherung erlebt hatten. Mit 78:70 (41:40) warfen die Berliner nicht nur Bayern München aus dem Pokal, sondern fügten dem in der Bundesliga noch ungeschlagenen Team auch die erste Saisonniederlage auf nationaler Ebene zu. Im Halbfinale müssen die Berliner nun nach Frankfurt reisen.

Die Berliner überzeugten in München mit großem Kampfgeist und mannschaftlicher Geschlossenheit. Dennoch wussten die Alba-Fans in den blauen Zipfelmützen, wen es nach der Partie besonders zu feiern galt. „Jonas Mattisseck“, skandierten sie. Der 18-Jährige hatte 30 Minuten vor dem Spiel erfahren, dass er zum ersten Mal in seiner Karriere in der Startformation von Alba Berlin stehen darf. „Ich war am Anfang schon nervös“, sagte Mattisseck, „ich wusste aber auch, dass ich den Schutz der Mannschaft und des Trainers habe.“ Es wurde eine denkwürdige Premiere für ihn, denn mit fünf Treffern von sieben Dreipunktewürfen ragte er sogar als Topscorer mit 15 Punkten aus seinem Team heraus. Im letzten Viertel war es sein Wurf zum 72:70, der Alba gut zwei Minuten vor dem Ende die letzte und endgültige Führung bescherte. „Es war ein Sahnetag“, freute sich Mattisseck.

Zu den besseren Berlinern zählte auch Stefano Peno

Es war allerdings auch ein günstiger Zeitpunkt, um auf die Basketballer des FC Bayern zu treffen. Keine 48 Stunden zuvor hatten sie an selber Stelle in der Euroleague gegen Madrid verloren, es war das fünfte Spiel in neun Tagen für die Bayern. Und tatsächlich gab es in der ersten Halbzeit die eine oder andere Szene, in der die Münchner normalerweise konzentrierter agieren. Ein missratener Einwurf an der eigenen Grundlinie etwa, als ein Pass von Center Leon Radosevic durch die Hände von Nationalspieler Maodo Lo rutschte. Oder ein Airball von Derrick Williams. Der US-amerikanische Power Forward konnte nicht mehr an die starke Leistung aus der Vorwoche anknüpfen, als er mit 26 Punkten Hauptverantwortlicher für die knappe Bundesliga-Niederlage der Berliner in München (81:83) war. Diesmal erzielte Williams noch 15 Punkte, traf allerdings nur 23 Prozent seiner Würfe. Bayern-Vereinschef Uli Hoeneß nahm die Niederlage nicht so tragisch. „Das bedeutet nix“, sagte Hoeneß dem Tagesspiegel, „es wäre ja fast ein Wunder gewesen, wenn wir das Spiel auch noch gewonnen hätten.“ Und fügte hinzu: „Die Berliner haben besser gespielt.“

Zu diesen besseren Berlinern zählten auch Stefano Peno (13 Punkte) und der Allrounder Luke Sikma (10 Punkte, 10 Rebounds, 8 Assists). Eine Verschiebung der Basketball-Hierarchie in Deutschland dürfte die erste nationale Niederlage der Bayern freilich noch nicht bedeuten. Dennoch war es der großen Leidenschaft und Geschlossenheit seiner Mannschaft zu verdanken, dass die Berliner am Ende „in die Köpfe der Bayern gekommen sind“, wie Alba-Chef Marco Baldi sagte. Die Verzweiflungswürfe von Williams am Ende und der letzte Fluch des Bayern-Fans haben das nur noch bestätigt. Und die Berliner sind noch nicht am Ende. Jonas Mattisseck sagte: „Noch zwei Siege und wir halten den Pokal in den Händen.“

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