Bayern München : Jérôme Boateng: "Ich weiß nicht, woran es liegt"

In einem Interview wirft der deutsche Nationalspieler den Bayern-Bossen fehlende Unterstützung vor - und erklärt, warum man Özil danken muss.

Ausgeholt. Jérôme Boateng (l.), Deutschlands bester Innenverteidiger.
Ausgeholt. Jérôme Boateng (l.), Deutschlands bester Innenverteidiger.Foto: Thomas Kienzle/AFP

Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng vom FC Bayern München hat Club-Präsident Uli Hoeneß und dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge fehlende Unterstützung vorgeworfen und sich gegen Kritik verteidigt. „Mir ist es wichtig, noch mal klarzustellen, dass ich voll auf den FC Bayern fokussiert bin. Und dass ich es andererseits aber auch nicht so schön finde, wenn überall Sachen über mich behauptet werden und man dann keine öffentliche Unterstützung vom Verein bekommt“, sagt er im Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch-Ausgabe).

Hoeneß und Rummenigge hatten im Sommer offen gesagt, dass Boateng den Rekordmeister verlassen könne, wenn es ein entsprechendes Angebot gäbe. Ein Wechsel zu Paris Saint-Germain mit dem deutschen Trainer Thomas Tuchel kam jedoch nicht zustande. „Mein Fokus liegt jetzt klar bei Bayern. Ich bin total klar im Kopf und freue mich auf die englischen Wochen, die Champions League, die Hymne“, sagte Boateng vor dem Auftakt der Bayern in der Königsklasse am Mittwochabend bei Benfica Lissabon.

Boateng wolle nun zeitnah das Gespräch mit Hoeneß und Rummenigge suchen. „Was mich wahnsinnig gestört hat, waren Aussagen nach der WM. Das war fast schon lustig: Da hieß es, ich sei nicht voll fokussiert, weil ich beim Südkorea-Spiel auf der Tribüne Ohrringe und Sonnenbrille trage, wenn die Sonne scheint“, sagte Boateng: „2014 habe ich auch eine Sonnenbrille und Ohrringe getragen, aber da habe ich nichts darüber gelesen. Das ist für mich unbegreiflich.“

Über Özil: "Sich dann zu enthalten, das finde ich schade."

Der Innenverteidiger betonte, dass er „top-professionell lebe“. Er habe „jedes Mal vor einer Bayern-Vorbereitung noch eine private Vorbereitung gemacht“. Darum sei es für ihn nicht verständlich, warum sich die Münchner Club-Führung und er etwas voneinander entfernt haben. „Ich weiß nicht, woran es liegt. Dass ich ein anderes Erscheinungsbild und andere Interessen habe als andere, das ist ja legitim, glaube ich“, sagte Boateng: „Und noch mal: Dass ich zu wenig auf den Fußball konzentriert bin, das kann mir niemand vorwerfen. Fragen Sie meine Mitspieler, fragen Sie meine Trainer.“

Zur Özil-Gündogan-Causa sagte Boateng, dass dieses Thema Unruhe in das Team gebracht habe, "das war belastend für alle". Dass viele Spieler nach dem Rücktritt Özils aus der Nationalmannschaft geschwiegen haben, hat Boateng indes nicht gefallen. "Wo waren die Mitspieler, die sich bei Mesut bedankt haben? Anscheinend haben viele sich nicht zu äußern getraut, weil sie gedacht haben, dass das bei den deutschen Fans nicht so gut ankommt." Dabei sei es nicht um die Aktion mit dem Erdogan-Foto gegangen, sondern "um einen tollen Spieler, der mit uns Weltmeister geworden ist, der super viele Länderspiele gemacht hat, der den deutschen Fußball auch ein Stück verändert hat. Eine 10 mit Migrationshintergrund! Dem muss man Danke sagen. Sich dann zu enthalten, das finde ich schade." (Tsp/dpa)

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