Hoeneß hat die Gier nicht nötig

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Bayern-Präsident Hoeneß und die Steuerhinterziehung : Auch du, Uli?
Auch ein Blender. Uli Hoeneß hat mit seiner Art stets polarisiert.
Auch ein Blender. Uli Hoeneß hat mit seiner Art stets polarisiert.Foto: AFP

Geprägt hat Uli Hoeneß nichts weniger als den Ruf deutschen Fußballs. Der ist, eben, integer. Da werden Gehälter gezahlt, wenn sie gezahlt werden müssen, da werden inzwischen keine Geschäfte und Transfers von Hasardeuren betrieben, die auf „Steine und Beine bauen“, was Borussia Dortmund fast in den Ruin getrieben hätte. Die Westfalen haben sich die Geschäftspolitik – muss man schon sagen, die vermeintliche Geschäftspolitik? – von Uli Hoeneß zum Vorbild genommen und stehen inzwischen glänzend da.

Und da wird mit echtem Geld gearbeitet und nicht wie in Spanien mit fiktivem oder von Steuerzahlern, nun ja, geborgtem, oder wie in England mit Geld von Anlegern, die sich dann als Heuschrecken herausstellen. Der deutsche Fußball, das deutsche Geschäft mit dem Fußball, steht seriös da. Dank Uli Hoeneß.

Oder dank nur eines besonders cleveren und verschlagenen Uli Hoeneß? Eines Uli Hoeneß, der genauso gierig ist, wie alle anderen Vorteilsnehmer? Nötig hat er die Gier nicht. Hoeneß hat als Spieler schon viel Geld verdient, als es im Fußball noch nicht um irrsinnige Summen ging. Er hat sich stets gut vermarktet und früh erkannt, dass Fußballspieler Unterhaltungskünstler sind, die einen Markt beliefern. Er hat als Manager des FC Bayern das Fußballgeschäft revolutioniert und visionär vorangetrieben, bis der FC Bayern da stand, wo er heute steht: bei den Größten des Weltfußballs. Und er hat als privater Geschäftsmann und Sohn eines Metzgers ein Wurstgeschäft aufgezogen, das man als Lieferant von Aldi und McDonald’s durchaus als Imperium bezeichnen kann. Er hat alles gewuppt.

Das hat ihn in Managerseminare gebracht, in denen er den aufrechten Gang propagierte, der auch möglich ist, wenn man Erfolg hat. Das hat ihn in Talkshows gebracht, in denen er der Politik den Spiegel vorhielt, und zwar dergestalt, dass man sich jederzeit in diesem Spiegel in die Augen schauen können muss. Das hat ihm kürzlich eine große Geschichte im „Spiegel“ gebracht, der ihn als Vorzeigedeutschen feierte.

Und nun: Uli Hoeneß, auch nicht besser als der Zumwinkel von der Post? Der mit der Selbstanzeige nur versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist? Zumindest ist Uli Hoeneß als Lichtgestalt des deutschen Fußballwesens beschädigt. Als Präsident des FC Bayern München? Auch das. Und wie es den FC Bayern zerwirft, wird sich zeigen. Fast hatte Uli Hoeneß den testamentarischen Satz widerlegt: Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Himmelreich gelangt. Leider nur fast.

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