Beckmann-Talkshow : Ärger nach Ullrich-Interview

Jan Ullrich hat vor der Ausstrahlung der ARD-Talkshow "Beckmann" versucht, Einfluss auf den Inhalt zu nehmen. Der komplette Fragenkomplex zum Thema Doping sollte geschnitten werden.

Hamburg/Hannover - Nach Angaben des NDR habe das Management des ehemaligen Radprofis nach der Aufzeichnung der Sendung verlangt, entweder die Befragung des ARD-Doping-Experten Hajo Seppelt erheblich zu kürzen oder den kompletten Fragenkomplex zum Thema Doping aus der Sendung zu schneiden. Ullrichs Sprecher Michael Lang bestätigte, dass Ullrich und sein Management nach der Aufzeichnung in Hamburg den Wunsch geäußert hätten, Teile der Sendung zu schneiden. Die Redaktion lehnte die Forderungen aber ab.

Der NDR wies außerdem den von Ullrichs Anwalt Marcus M. Hotze laut "Bild"-Zeitung geäußerten Vorwurf zurück, Moderator Reinhold Beckmann habe sich nicht an im Vorfeld getroffene Absprachen gehalten. "Mit Herrn Ullrich ist lediglich der bei Talksendungen übliche Vertrag geschlossen worden", sagte NDR-Programmdirektor Volker Herres. Es seien weder bestimmte Themenkomplexe für tabu erklärt, noch sei ein "Gegensehen" vor der Ausstrahlung vereinbart worden. "Herr Ullrich wusste, worauf er sich einließ", sagte Herres.

Ullrich-Management: Seppelt-Befragung war nicht abgesprochen

Laut Ullrich-Sprecher Lang habe es eine Vereinbarung gegeben, wonach der Ex-Profi und seine Frau Sara die einzigen Studiogäste sein würden. "Mit Befremden stellten wir fest, dass dann ein Studiogast zugeschaltet wurde", sagte Lang zu der Einblendung des Gesprächs mit Seppelt. Der Redaktion von "Beckmann" sei nach der Sendung ein Schreiben zugestellt worden, in dem sie an ihre Zusagen erinnert worden sei. In dem Brief sei zudem der Wunsch geäußert worden, auf Wiederholungen zu verzichten. Dies lehnte der NDR jedoch ab. Wie geplant, werde die Sendung am Freitag auf 3sat wiederholt.

In der Sendung war Studiogast Ullrich unter anderem ausführlich zum Thema Doping befragt worden. Der Tour-de-France-Sieger von 1997 steht nach seiner Suspendierung unmittelbar vor der Tour 2006 unter Dopingverdacht. Ullrich hatte am Montag seine Radprofi-Karriere offiziell beendet.

Umfrage: Bundesbürger urteilen eher positiv über Ullrich

Die Bundesbürger sehen Jan Ullrich trotz der massiven Dopingvorwürfe mehrheitlich in einem positiven Licht. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage für den Nachrichtensender "ntv" unter 1003 Befragten glauben 50 Prozent der Bürger, dass Ullrich dem Radsport mehr genutzt als geschadet hat. Nur 37 Prozent sind der Ansicht, der Tour-de-France-Sieger von 1997 hat dem Radsport durch die Negativschlagzeilen Schaden zugefügt.

In der Beurteilung des gebürtigen Rostockers gibt es Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschen. 52 Prozent der Bürger aus den alten Bundesländern finden, Ullrich habe dem Radsport mehr genutzt; dieser Meinung sind nur 43 Prozent aus Ostdeutschland. (tso/dpa)

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