Sport : Begegnung mit Fleischwunde

Hellmut Krug

Sechste Minute in Bielefeld: Jörg Böhme foult den Nürnberger Torwart Raphael Schäfer, der ihm entgegengestürzt ist. In dessen Gesicht zeugt fortan eine Fleischwunde von der Begegnung, doch der Bielefelder Spieler sieht von Schiedsrichter Marc Seemann nur Gelb. Nürnbergs Trainer Hans Meyer beschwert sich, dass der spätere Matchwinner vom Platz hätte gestellt werden müssen. Reagieren Schiedsrichter in der Anfangsphase womöglich milder, Herr Krug?

Definitiv nicht. Eine eindeutig rotwürdige Situation wird von der ersten bis zur 90. Minute gleich behandelt. Für die Strafbemessung darf der Zeitpunkt keine Rolle spielen. Allerdings hat der Schiedsrichter einen Ermessensspielraum bei Fouls, die nicht eindeutig als verwarnungs- oder rotwürdig einzustufen sind. So kann es in einem hektischen Spiel durchaus vorkommen, dass der Schiedsrichter in einem Spiel die „Notbremse“ ziehen muss und einen Spieler nach einem Foul des Feldes verweist, für das zu Beginn des Spiels noch eine Verwarnung ausreichend gewesen wäre.

Im Duell zwischen Spieler und einem herauslaufenden Torwart ist oft schwer zu beurteilen, ob es zu einer Berührung kam oder nicht. Nicht zuletzt deshalb entstehen so viele strittige Elfmetersituationen bei dieser Konstellation. Schäfers Verletzung spricht zwar eine klare Sprache, aber das darf keine Rolle für die Bemessung des Strafmaßes spielen. Verletzungen können auch unglücklich und ohne Schuld des Gegenspielers zustande kommen. Beim Torwart spielt einfach das Risiko immer mit.

Der Schiedsrichter hat im gestrigen Spiel keine Foulabsicht erkennen können. Der Ball war Sekundenbruchteile vor der Kollision noch spielbar. Daher war Gelb aus seiner Sicht vertretbar.

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