Bald könnten zwischen Mauerpark und Jahnsportpark Welten aufeinandertreffen

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Was wird aus dem Jahnsportpark? : Wende im Gelände
Im Landesmeistercup im September 1988 besiegte der BFC Dynamo SV Werder Bremen mit 3:0 im Hinspiel im Jahnsportpark - und ging im Rückspiel in Bremen 0:5 unter.
Im Landesmeistercup im September 1988 besiegte der BFC Dynamo SV Werder Bremen mit 3:0 im Hinspiel im Jahnsportpark - und ging im...Foto: dpa

Doch die Bevölkerung rund um das Gelände hat sich seit der Wende ausgewechselt und wächst, die Mieten steigen, statt Arbeitern kommen Familien, Gutverdiener, Zugereiste her. Künftig könnten zwischen Mauerpark und Jahnsportpark Welten aufeinandertreffen, Touristen auf Traditionalisten, Hooligans auf Hipster, Kuttenträger auf Karaokesänger.

„Jeder Zuschauer ist willkommen“, sagt BFC-Sprecher Richter. Die Verantwortlichen im Klub verbieten sich Nachfragen zu Zeiten, als Stasispitzen und Neonazis über die Tribünen spukten. Stattdessen will man mit Plakaten und Familienfesten im Kiez für die Heimspiele werben. Für das kuscheligere Image steht auch das Comicmaskottchen Helmut, ein dunkelhäutiger Schlaks mit Afrofrisur. Gespräche mit Fans, Polizei und dem Fanprojekt im Jahnsportpark sollen verhindern, dass Chaoten wieder die große Bühne stürmen und ein Gewaltstück aufführen wie vor drei Jahren im Pokal gegen Kaiserslautern.

Der große Fußball könnte also zurückkehren in den Jahnsportpark – aber passt er noch hinein? Was will das Areal eigentlich sein? Eine Heimat für Spitzenathleten, für Breitensport, ein Freizeitort, Erholungspark, Spekulationsobjekt oder eine Pionierstätte der Inklusion?

Steht alles zur Diskussion.

Gut 1400 Sportveranstaltungen fanden hier allein im vergangenen Jahr statt. Tendenz steigend, 169 wöchentliche Trainingszeiten sind gemeldet, bis zu 1000 Läufer am Tag kommen an die Laufstrecke im kleinen Stadion, wo die Fußballer des SV Empor ihre Spiele in der Berlin-Liga bestreiten. Auch Feuerwehr und Polizei verrichten hier ihren Dienstsport.

Der Jahnsportpark soll eine Inklusionssportstätte werden

Nebenan im Mauerpark zieht allein der Flohmarkt jeden Sonntag 40.000 Besucher an. Auch wenn das große Stadion leer ist, das Gelände rundherum ist voll. „Gerade sonntags ist die Gegend überlastet“, sagt Hartmut Bräunlich von der Anwohnerinitiative „Mauerpark-Allianz“. „Wenn da noch große Sportveranstaltungen hinzukommen...“ Jaqueline Röber vom Bürgerverein Gleimviertel e.V. ist wichtig, dass die Laufbahnen öffentlich zugänglich bleiben. Und dass sich die Parksituation nicht verschlechtert. Noch gibt es keine Diskussionen, man lebt nebeneinander her. Wegen des Immissionschutzgesetzes könnte jeder Anwohner gegen den Lärm bei Sportevents klagen. Und Investoren schielen seit langem auf potenzielles Bauland in teuerster Wohnlage.

Vom Jahnsportpark will jeder seinen Teil, und der soll möglichst wachsen. „Unsere Kapazitäten sind erschöpft“, sagt etwa Manfred Moritz, Vorsitzender des SV Empor. Der Verein hofft auf einen weiteren Kunstrasenplatz, eine Sportkita, will noch mehr Kinder aufnehmen, wie die Tennis-, die Hockeyspieler, Basketballer. Es gibt bis zu 40 Sportgruppen, die das Areal nutzen.

Doch es gibt auch Menschen, die kaum teilhaben, die meist unsichtbar sind. Rollstuhlfahrer, Prothesenträger, Senioren sieht man selten auf den Sportanlagen, außer bei ihren Meisterschaften hinter den Wänden des großen Stadions. Das soll sich ändern, der Jahnsportpark soll eine Inklusionssportstätte werden, wo Behinderte und Nichtbehinderte nebeneinander trainieren. Insider nennen es ein Prestigeprojekt der CDU, die nun für Sport in Berlin zuständig ist. „Es wäre eine fantastische Pionierlösung, wenn eine Sportstätte dieser Größenordnung wirklich inklusiv gestaltet wird, nicht nur barrierefrei“, sagt Helmut Lölhöffel, Kommunikationsberater des Deutschen Behindertensportverbands. Also nicht nur Rampen und Aufzüge, sondern auch Umkleiden, Betreuer, Büroräume. Ralf Otto vom Berliner Behindertensportverband hofft, vom Olympia- in den Jahnsportpark zu ziehen. Weitere paralympische Verbände könnten folgen, andere Nationen hier Trainingslager abhalten.

Dann würden hier wirklich bald Welten aufeinandertreffen, auf engstem Raum. Heute würde keiner mehr auf die Idee kommen, eine Anlage für Spitzen-, Breiten- und Freizeitsport in zentraler, teuerster Wohnlage zu errichten. Nun könnte hier wieder großer Sport einziehen, und, vielleicht, noch größere Toleranz.

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