Biathlet Simon Schempp : Um Zehenbreite Zweiter

Im Massenstartrennen der Biathleten verpasst Simon Schempp äußerst knapp die Goldmedaille – Martin Fourcade holt sich in einem dramatischen Zielsprint den Sieg.

Foto: AFP

Da stürzten sie beide ins Ziel. Zunächst wusste niemand, wer gewonnen hatte. Die Zuschauer auf den gut gefüllten Tribünen im Alpensia Biathlon Centre nicht, die Läufer nicht. Martin Fourcade schmiss seine Stöcke in den Schnee und schüttelte den Kopf. Er glaubte in diesem Moment, dass es nicht gereicht hat für ihn. Schließlich war sein deutscher Widersacher Simon Schempp auf den letzten Metern von rechts nur so herangeflogen. Hatte der große Mann des Biathlons etwa nicht seine vierte olympische Goldmedaille gewonnen, sondern eine bittere Niederlage kassiert? Schempp lag im Schnee. Er hatte alles gegeben. Irgendwann stand er auf, als Silbermedaillengewinner. Gold ging an den Franzosen.

Hätte die Ziellinie nur ein paar Zentimeter weiter hinten gelegen, dann wäre es sicher mehr für den Deutschen gewesen. So aber entschieden die Bilder, knapp, aber untrüglich: Fourcade war im Fotofinish eine Zehenlänge voraus. Hinter den Beiden lag das wohl bislang spektakulärste Rennen der Biathlonwettbewerbe bei diesen Spielen, aber für so ein kleines Drama im Ziel ist das Massenstartrennen über 15 Kilometer ja gut.

Nach acht Kilometern lagen mit Erik Lesser, Benedikt Doll und Schempp sogar drei deutsche Starter vorne, alle drei waren zwei Mal fehlerfrei am Schießstand geblieben, während der große Favorit aus Frankreich beim ersten Mal einen Schuss daneben setzte und dann auch noch kurz nach seiner Strafrunde stürzte. Doch das hieß noch nichts, es ging munter weiter, bevor dann beim letzten Stehendschießen einiges durcheinander kam: Lesser schoss zwei Fehler, Schempp zielte einmal daneben – und Fourcade dann auch. Der Norweger Emil Hegle Svendsen gewann schließlich Bronze, Lesser wurde mit nur vier Zehnteln Rückstand Vierter, Doll Fünfter.

Es ist im Sport oft so, dass sich bei so einer knappen Entscheidung – wie am Sonntag in der schmucken Berglandschaft von Pyeongchang –, schwer sagen lässt, wer wirklich besser war. Sicher aber legte Fourcade die stärkere Laufleistung hin als sein bis zum Ende hartnäckiger Gegner. Schließlich hatte der Franzose eine Strafrunde mehr hinter sich bringen müssen als Schempp und machte am Ende auch die Führungsarbeit. Der Massenstart-Weltmeister von 2017 hatte jedoch besser geschossen. Vor dem Rennen hatte Schempp noch gesagt: „Hoffentlich läuft es beim Schießen, dann könnte vieles drin sein.“

Und wäre er fehlerfrei geblieben beim finalen Stehendschießen, dann wäre er der Sieger dieses Abends geworden. In Sotschi vor vier Jahren holte Schempp bereits mit der Staffel Silber. Eine olympische Goldmedaille blieb ihm bis zum jetzigen Alter von 29 Jahren verwehrt. Von einer verlorenen Goldemaille wollte Schempp aber nichts wissen. Als die Erschöpfung aus einem Gesicht gewichen war, strahlte er. Er sei auch mit Silber „sehr happy“, sagte er.

Im Alpensia Biathlon Center war es auch am Sonntag ähnlich wie am Tag zuvor beim Langlauf und bei den Skispringern gleich nebenan sehr frisch. Die Tage sind in der Bergregion inzwischen angenehm, die Abende bei relativ klarer Luft dafür sehr kühl. Offensichtlich liegen die Bedingungen den deutschen Biathleten, denn im vierten und letzten Einzelrennen bei den Männern holte Schempp nun nach Peiffer (Gold im Sprint) und Doll (Bronze in de Verfolgung) eine Medaille. In Sotschi 2014 hatte nur Erik Lesser im Einzelrennen eine Medaille für das deutsche Team geholt. Er hatte am Sonntag Pech, aber noch hat der Thüringer womöglich die Chance in der Staffel am Freitag.

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Den ganz großen Flug nach vorn haben die Deutschen in anderer Hinsicht am Sonntag verpasst. Norwegen ist im Medaillenspiegel davon gezogen, hätte Schempp Fourcade noch ein, zwei Zentimeter abgenommen im Ziel, dann läge Deutschland wieder vor den Skandinaviern. Wobei eines ohnehin imposant ist: Ein Drittel der bislang 18 Medaillen hat Deutschland bei den Spielen in Südkorea im Biathlon geholt. Drei davon die Männer, drei Laura Dahlmeier.

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