Biathlon : Daneben geschossen vom Weltverband

Wie hält es der Biathlon-Weltverband mit dem Thema Doping? Die Frage ist auch zu Beginn der neuen Weltcup-Saison wieder akut. Ein Kommentar.

Anne Armbrecht
Dunkle Zeiten für den Biathlon-Sport. Die Probleme sind allerdings zum größten Teil selbstverschuldet.
Dunkle Zeiten für den Biathlon-Sport. Die Probleme sind allerdings zum größten Teil selbstverschuldet.Foto: AFP

Es ist Saisonstart im Biathlon. Auch abseits der Loipe von Östersund. Da trieb die Internationale Biathlon-Union (IBU) die Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache voran. Am Dienstag sendete die Presseabteilung gleich zwei Mitteilungen binnen einer Stunde. Die erste nannte die Zahl russischer Dopingtests (109 seit Mai) und begrüßte das Einsetzen einer Task Force für Pyeongchang durch verschiedene Organisationen. In der zweiten folgte der Bann der russischen Athletinnen Olga Wiluchina und Jana Romanowa von sämtlichen IBU-Events. Weil sie die Anti-Doping-Regeln verletzt hätten.

Das Signal nach außen ist klar: Seht her, wir tun etwas gegen die Betrüger! Es gilt wohl auch den eigenen Reihen. Die IBU hat das Pech (oder vielmehr Glück), dass ihre Athleten aufbegehren. Die Spitze der Biathleten, allen voran Ausnahme-Athlet Martin Fourcade und das tschechische Glamour-Girl Gabriela Koukalova, drohte sogar mit Boykott für den Fall, dass der Verband nicht endlich ein Zeichen zum Schutz sauberer Sportler setzte. Die IBU entzog Russland daraufhin die WM 2021 in Tjumen und kündigte für die kommende Saison schärfere Anti-Doping-Regeln an. Zehn Monate ist das jetzt her. Und dann wäre da noch der McLaren-Report zum russischen Staatsdoping. 31 Biathleten standen darin. Die IBU sperrte lediglich zwei vorläufig. Was ist aus dem Rest geworden?

Vielleicht fürchtet der Verband auch die Klagen gesperrter Sportler

Es tut wohl nicht weh, Athleten zu suspendieren, die ihre Karriere ohnehin für beendet erklärt haben. Einsicht der Betrüger darf man so aber nicht erwarten. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall: Wenige Tage, bevor das Internationale Olympische Komitee (IOC) am 5. Dezember auf seiner Sitzung in Lausanne über einen kompletten Bann Russlands von den Olympischen Spielen 2018 entscheiden will, wird der Ton noch mal schärfer. Gerade erst forderte der russische NOK-Ehrenpräsident Leonid Tjagatschew Erschießungen wie bei Stalin für jene Vaterlandsverräter, die das systematische Doping entlarvten. Reaktionen der internationalen Verbände? Keine.

Die IBU mag argumentieren, keine Schnellschüsse setzen zu wollen. Vielleicht fürchtet der Verband auch die Klagen gesperrter Sportler. Das eigentliche Motiv dürfte jedoch ein anderes sein. Das Image des beliebten TV-Sports hat im vergangenen Jahr genug gelitten – da will man in diesem olympischen Winter die Leute nicht vollends verschrecken. Dann doch lieber Augenwischerei betreiben, mit einer Pressemeldung nach der anderen.

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