• Biathlon-Star aus Frankreich: Martin Fourcade beendet seine große Karriere mit einem Sieg

Biathlon-Star aus Frankreich : Martin Fourcade beendet seine große Karriere mit einem Sieg

Martin Fourcade beendet seine beeindruckende Karriere standesgemäß: Mit einem Sieg beim Saisonfinale im finnischen Kontiolahti.

Wie 2010. Auf den Tag genau vor zehn Jahren feierte Martin Fourcade in Kontiolahti, ebenfalls in einem Jagdrennen, seinen ersten Weltcuperfolg.
Wie 2010. Auf den Tag genau vor zehn Jahren feierte Martin Fourcade in Kontiolahti, ebenfalls in einem Jagdrennen, seinen ersten...Foto: Petr David Josek/dpa

Dieses letzte Rennen für ihn war natürlich Ehrensache. Martin Fourcade setzte sich am Samstag im Saisonfinale im finnischen Kontiolahti in der Verfolgung vor seinem Teamkollegen Emilien Jaquelin (24) und Quentin Fillon Maillet (27) durch. Weil aber sein Widersacher Johannes Thingnes Bö Vierter wurde, sicherte sich der 26-jährige Norweger wie im Vorjahr die Große Kristallkugel. Am Ende fehlten Fourcade nur zwei Punkte zum historischen Triumph.

Im Ziel machte der Franzose aber nicht den Eindruck, als sei er irgendwie betrübt von der verpassten Chance. Warum auch? Fourcade hat im Biathlon alles erreicht. Nun ist seine sportliche Karriere vorbei. Sicher hätte der Ausnahmesportler noch einige Siege in der Zukunft herauslaufen können. Aber warum sich weiter quälen, wenn man alle sportlichen Gipfel erklommen hat?

„Mein Wille, das Beste zu geben und Berge zu versetzen, ist immer noch vorhanden. Aber die Fortsetzung meines Wachsens als Mann, als Vater, muss jetzt auf anderen Wegen geschehen. Es ist Zeit, sich zu verabschieden“, hatte der 31-Jährige am Freitagabend in den sozialen Medien mitgeteilt. Er will nun ein neues Leben leben. Ein Teil davon soll die Sportpolitik sein, in die er wechseln will.

"Meister aller Klassen"

Martin Fourcade – der Name wird für immer mit sportlicher Besessenheit, einmaligen Erfolgen, Provokationen, dem Kampf gegen Doping verbunden sein. Aber auch mit gelernter Demut und dem Comeback eines unschlagbar erscheinenden Überfliegers. „Ich habe gekämpft und gewonnen. Ich habe auch gelitten. Ich bin gefallen und aufgestanden. Vor allem bin ich erwachsen geworden“, schrieb der Ausnahmekönner.

Der „Meister aller Klassen“, der über seinen älteren Bruder Simon zum Biathlon-Sport kam, dominierte im letzten Jahrzehnt seinen Sport wie zuvor nur Norwegens „König der Biathleten“ Ole Einar Björndalen. Ein Rekord wird wohl lange, wenn nicht für immer, Bestand haben: Sieben Weltcupgesamtsiege schaffte niemand. Zudem ist er der Erste, der in sieben aufeinanderfolgenden Höhepunkten in einem Einzelrennen Gold holte. Der zweimalige Familienvater hat 78 Weltcupsiege zu Buche stehen, nur Björndalen ist mit 94 Erfolgen im Biathlon besser. Zudem wurde er fünf Mal Olympiasieger, 13 Mal Weltmeister, holte noch zehn Mal WM-Silber, fünf Mal WM-Bronze und zwei Mal Olympia-Silber. Die Erfolge haben „meine schönsten Träume bei weitem übertroffen.“

Fourcade, der schon als Kind nicht verlieren konnte, hasste Niederlagen. Das Gelbe Trikot wurde zu seiner zweiten Haut, zur Selbstverständlichkeit. „Wenn ich mal nicht gewonnen habe, dann halt am Tag drauf“, sagte Fourcade. Er wirkte oft arrogant, provozierte gerne, wenn er nach einem letzten Schießen schon mit geballter Faust am Schießstand jubelte oder mit abgeschnallten Ski ins Ziel lief.

Beeindruckendes Comeback

Doch davon war zuletzt nichts mehr zu sehen. Denn nach Olympia 2018 und drei Mal Gold wurde er von allen in Beschlag genommen, Fourcade als Botschafter für Olympia 2024 in Paris, als Promoter seiner Autobiografie, als Experte für ein Biathlon-Computer-Spiel und Mitgestalter eines Biathlon-Holzgewehrs für Kinder. Mangelnde Regeneration war die Folge und Fourcade stürzte ab. „Letzte Saison war ich out“, sagte der Vater von zwei Töchtern, der sich seit Jahren Wortführer der Skijäger im Anti-Doping-Kampf war. Bei der WM in Östersund quälte er sich kraftlos über die Strecke, holte keine Medaille, wurde Zwölfter im Gesamtweltcup – Majestätsbeleidigung.

Fast spielerisch leicht lief ihm der Norweger Johannes Thingnes Bö den Rang ab – und stutzte Fourcade mit 16 Saisonsiegen auf Normalmaß. Aus Fourcades Frustration wurde Verzweiflung. „Ich habe meine Stärke verloren. Und ich habe plötzlich gemerkt, dass Biathlon schwierig ist.“ Auch seine Teamkollegen zogen an ihm vorbei.

Doch er kämpfte sich diese Saison eindrucksvoll zurück. Fourcade hat seinen Nachfolgern im Team den Weg geebnet, für viele, wie für Verfolgungsweltmeister Emilien Jaquelin ist er ein Vorbild. (dpa)

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