Bigfoot in Berlin : BR Volleys verpflichten Olympiasieger Eder Carbonera

Der Brasilianer Eder Carbonera wechselt zu den BR Volleys. Möglich macht den Transfer die Coronavirus-Krise.

Viel gesehen: Der 36 Jahre alte Eder Carbonera wurde unter anderem Olympiasieger mit Brasilien bei den Spielen 2016.
Viel gesehen: Der 36 Jahre alte Eder Carbonera wurde unter anderem Olympiasieger mit Brasilien bei den Spielen 2016.Foto: FIVB

Vermutlich hatte der Pressesprecher der BR Volleys noch nicht gegessen, als er den Namen des neuen Starspielers verkündete: „Carbonara.“ Doch die Korrekur kam gleich hinterher: „Mist, ich sage immer Carbonara. Er heißt Carbonera.“ Mit vollem Namen handelt es sich bei dem Mittelblocker um Eder Carbonera. Der 36-Jährige kommt vom brasilianischen Topklub Sesi Sao Paulo und hat beim aktuellen Deutschen Meister aus Berlin soeben einen Einjahresvertrag unterschrieben.

In der Welt des Volleyballs hat der Name Carbonera Klang. Der Brasilianer zählt seit vielen Jahren zu einem der weltweit besten Spieler auf seiner Position. Carbonera wurde in seiner langen Karriere mehrfacher Brasilianischer Meister und Pokalsieger, Klub-Weltmeister, Weltliga-Sieger, Südamerika-Meister, Vize-Weltmeister sowie Olympiasieger bei den Spielen in Rio de Janeiro im Jahr 2016. Kurzum: Der Mann hat im Volleyball so ziemlich alles erreicht.

Dass er nun im Herbst seiner Karriere bei den Volleys gelandet ist, ist größtenteils der Coronavirus-Pandemie geschuldet. Sein Ex-Klub Sesi Sao Paulo geriet in derart große Schwierigkeiten, dass er es in der kommenden Saison größtenteils mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs versuchen will. Stars wie Carbonera sind zu teuer.

Die Volleys dagegen stehen im Vergleich zu vielen südamerikanischen Klubs auch in der Krise auf recht gesunden Beinen. Ankersponsor Berlin Recycling bleibt dem Klub treu. So konnte schon in der vergangenen Woche die Vertragsverlängerung mit dem Ausnahmespieler Sergej Grankin verkündet werden, nun also die Verpflichtung des brasilianischen Olympiasiegers. „Er ist ein Spieler mit einer riesigen Erfahrung. Ich freue mich sehr auf ihn“, sagt Volleys-Trainer Cedric Enard zu seinem neuen Spieler.

Carbonera ist ein Baum von einem Kerl, er ist 205 Zentimeter groß, hat Schuhgröße 50 und schafft es trotz seines Gewichts von knapp 110 Kilogramm, seinen Körper in beachtliche Höhen zu katapultieren. Er kommt auf eine Abschlaghöhe von 3,60 Metern. Carbonera ist mit seiner Sprung- und Schlagkraft ein kleines Naturereignis auf dem Volleyballfeld.

Carboneras große Stärke ist sein Aufschlag

Die Fans in der Max-Schmeling-Halle dürfen – wenn sie denn wieder reingelassen werden – sich auf fulminante Schmetterbälle freuen, wie man sie in Deutschland bislang wohl nur von dem als „Hammer-Schorsch“ titulierten Georg Grozer in der Nationalmannschaft zu sehen bekommen hat. „Er hat einen sehr, sehr großen Aufschlag“, sagt Enard.

Der Trainer der Volleys ist im internationalen Volleyball sehr gut vernetzt. Er hatte sich bei mehreren Personen über Carbonera informiert. Dass dieser eine beeindruckende Karriere hingelegt hat, war bei den Gesprächen nicht das Thema. Die Frage war vor allem: Wie fit ist der Mann noch mit seinen fast 37 Jahren? „Alle haben mir bestätigt, dass Eder ein absoluter Profi ist und er trotz seines Alters eine tolle Athletik hat“, erzählt Enard.

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Laut Volleys-Manager Kaweh Niroomand soll der hochdekorierte Spieler eine Säule in der Mannschaft der Volleys werden. Tatsächlich könnte Carbonera den Berliner viele Sorgen nehmen. Denn alle drei Mittelblocker aus der vergangenen Spielzeit – Georg Klein, Nicolas Le Goff sowie Jeffrey Jendryk – stehen den Volleys in der kommenden Saison nicht mehr zur Verfügung.

Es musste ein Ausnahmespieler auf der Position her. Und die Besonderheiten des diesjährigen Transfermarktes mit coronavirusbedingt günstigen Preisen für die Spieler machten es für die Volleys möglich, einen Spieler vom Format Carboneras zu verpflichten. Unter normalen Umständen wäre das kaum denkbar gewesen.

Er möge Deutschland, sagte Carbonera am Mittwoch. „Deshalb bin ich glücklich, hier zu sein. Nun kann ich es kaum erwarten, loszulegen.“ Und mit dem Wunsch nach einem Neustart geht es ihm wie so vielen derzeit.

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