Bilanz des Hertha-Trainingslagers : Ante Covic sieht noch Steigerungspotenzial

Eine Woche Schuften in Neuruppin: Der Trainer von Hertha BSC lässt mehrere Spielsysteme einüben – damit er auf Dinge, die ihm nicht gefallen, verzichten kann.

Maskottchen und Macher. Auch Herthinho hofft, dass Trainer Ante Covic ein gutes Händchen mit Herthas Profis beweist.
Maskottchen und Macher. Auch Herthinho hofft, dass Trainer Ante Covic ein gutes Händchen mit Herthas Profis beweist.Foto: Soeren Stache/dpa

Werner Gegenbauer und Michael Preetz waren dieser Tage in ungewöhnlicher Funktion unterwegs: sie versuchten sich gewissermaßen als Vorkoster der Profi-Mannschaft von Hertha BSC. Nicht nur einmal wurden der Präsident und der Manager des Fußball-Bundesligisten zur Abendzeit an der Neuruppiner Eisdiele gesichtet. Der kleine Eckladen im historischen Zentrum der ehemaligen Garnisonsstadt, der – wie es der Zufall so will – passenderweise in der Präsidentenstraße liegt, fand sogar explizit Erwähnung in Preetz‘ Fazit zum siebentägigen Athletik-Trainingslager. „Wir hatten hier beste Bedingungen: super Hotel, super Essen, super Platz – und eine überragende Eisdiele, in der fast jeden Tag jemand aus unserem Tross vorbeigeschaut hat“, sagte Preetz.

Zum Abschluss einer schweißtreibenden Woche durften sich am Dienstagabend auch die Profis ausnahmsweise eine Kalorienbombe genehmigen. „Das haben sie sich wirklich verdient“, sagte Ante Covic. Der neue Cheftrainer des Vereins zeigte sich nach der Dienstreise ins Brandenburgische, die am Mittwochvormittag mit einer finalen Einheit ihr Ende fand, ebenso zufrieden wie Manager Preetz.

„Ich habe eine sehr intakte, willige Truppe übernommen, die permanent wissbegierig ist“, bilanzierte Covic. „Die Antennen sind ausgefahren, bei jedem Spieler lautet das oberste Gebot: Ich will mich dem Trainer zeigen und empfehlen“, ergänzte er, „es ist im Moment ein wunderbares Arbeiten.“ Der Eisbecher zum Abschluss war deshalb auch als kulinarische Belohnung für das Engagement der 28 mitgereisten Spieler zu verstehen, die nun allesamt gesund und unverletzt nach Berlin zurückkehren.

„Trotz der großen Trainingsumfänge haben die Jungs enormen Eigenantrieb gezeigt“, sagte Covic, „und die Laune ist nie im Keller gewesen, das freut mich besonders.“ Das wiederum lag nicht zuletzt an einem Umstand, den fast alle Profis ausdrücklich und ohne darauf angesprochen zu werden lobten: Gemessen am Zeitpunkt der Vorbereitung hatten Herthas Spieler den Ball auffällig oft am Fuß; normalerweise regieren in den ersten Trainingswochen nach der Sommerpause Medizinball und reine Laufeinheiten. Nicht so bei Ante Covic, der diese Maßnahme vor allem aus psychologischer Sicht betrachtet. „Wenn man viel mit dem Ball macht, ist das für alle angenehmer – weil die Spieler die hohe Belastung erst am Abend spüren, wenn sie ins Bett gehen.“

Mit dieser Herangehensweise sind auch neue taktische Varianten verbunden. Im bislang einzigen Test der Vorbereitung gegen Braunschweig (4:1) ließ Covic zum Beispiel drei verschiedene Systeme praktizieren: angefangen bei einem 4-3-3, das als Lieblingsvariante des neuen Cheftrainers gilt, über ein 3-5-2 bis hin zu einem 3-4-2-1.

Spätestens wenn die drei deutschen U-21-Nationalspieler – namentlich Maximilian Mittelstädt, Arne Maier und Eduard Löwen – aus ihrem verlängerten Urlaub zurückgekehrt sind, soll der Feinschliff in den potenziellen Systemen erfolgen. „Wir wollen flexibler sein und immer einen Plan B in der Tasche haben“, sagt Covic. „Meine Aufgabe besteht darin, den Jungs Möglichkeiten aufzuzeigen, damit wir keine Notbälle spielen müssen.“

Covic legt Wert auf eine strukturierte Spieleröffnung

Lange Befreiungsschläge stehen beim 43-Jährigen ganz offensichtlich auf dem Index; er legt ausgesprochen großen Wert auf eine strukturierte Spieleröffnung. Bei den entsprechenden Übungen unterbrach Covic im Trainingslager häufig, er erklärte viel in der Kleingruppe – und wurde phasenweise auch mal richtig laut, wenn es mit der Umsetzung hakte. „Wenn ich das Gefühl habe, hier schleicht sich gerade der Schlendrian ein, muss ich mich natürlich bemerkbar machen“, sagte Covic darauf angesprochen, „für mich gibt es nichts Schlimmeres als verschenkte Zeit auf dem Trainingsplatz.“

Über diesen Verdacht waren die Berliner allerdings weitestgehend erhaben: Selbst beim allabendlichen Videostudium der Trainingsbilder im Teamhotel, so erzählte es Covic, sei er „sehr zufrieden mit der Aufmerksamkeit und der Aufnahmefähigkeit“ gewesen.

Trotzdem sieht der Trainer noch Steigerungspotenzial in vielen Bereichen. „Alles andere wäre auch seltsam nach ein paar Tagen Training“, sagt er. „Selbstverständlich sind wir noch nicht so weit, dass wir sagen können: Wir fliegen jetzt nach Malle und legen uns an den Strand.“

Für Covic selbst wird es in den nächsten Tagen und Wochen darum gehen, alle Kadermitglieder bei Laune zu halten und die sich anbahnenden Positionskämpfe angemessen zu moderieren. „Mir ist vollkommen klar, dass ich bisher keine Entscheidung treffen musste, die jemandem wehtut“, sagt Covic. In drei, vier Wochen dürfte das schon anders aussehen.

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