• Bittere Pokal-Niederlage gegen den 1. FC Köln: Der BFC Dynamo hat einen Haufen Probleme

Bittere Pokal-Niederlage gegen den 1. FC Köln : Der BFC Dynamo hat einen Haufen Probleme

Das 1:9 gegen Köln verschärft die Krise beim Berliner Regionalligisten. In der Liga ist Dynamo Vorletzter, im Pokal gab es nun kein Erlebnis, auf dem sich aufbauen ließe.

Und wieder drin. Kölns drittes Tor ist gefallen, durch den ex-Unioner Simon Terodde.
Und wieder drin. Kölns drittes Tor ist gefallen, durch den ex-Unioner Simon Terodde.Foto: Axel Schmidt/Reuters

Bernhard Hendl hatte sich schon fast in den Spielerbereich im Olympiastadion gerettet, als er doch noch abgegrätscht wurde. An den Torhüter des BFC Dynamo erging die Anordnung: „Du musst noch mal raus zu Sky.“ Dann wurde er sanft, aber bestimmt abgeführt. „Ich muss?“, fragte Hendl zurück – und lachte. Wenn ein Torhüter in einem einzigen Spiel neun Gegentore kassiert hat, ist seine Bereitschaft, sich vor einer Fernsehkamera zu erklären, naturgemäß nicht besonders groß. Wenn man allerdings Torhüter eines Viertligisten ist, sieht das schon anders aus. Also folgte Hendl bereitwillig. Für ihn und seine Kollegen vom BFC Dynamo sollte das Pokalspiel gegen den gefühlten Bundesligisten 1. FC Köln im großen Olympiastadion eigentlich der Höhepunkt der Saison sein. „Wir wussten, dass wir nichts zu verlieren haben“, sagte Mittelfeldspieler Patrik Twadzik, der sein Team sogar für zwei Minuten in Führung geschossen hatte. Nach der deprimierenden 1:9 (1:4)-Niederlage aber musste man sich die Frage stellen, ob Twadzik da nicht einem Irrglauben erlegen war.

Das große Fest jedenfalls endete deutlich vor der Zeit. Spätestens mit dem dritten Tor des Kölner Stürmers Simon Terodde nach etwas mehr als einer halben Stunde ließ die Stimmung auf den Rängen hörbar nach. Nach der Pause verstummten die Männer mit den imposanten Resonanzkörpern und der stabilen Nackenmuskulatur fast vollständig, und beim Abpfiff sah die anfangs gut gefüllte Gegengerade so gerupft aus wie ein Salatfeld nach einem heftigen Hagelschauer. Dynamos Trainer René Rydlewicz hob später die friedliche Stimmung hervor, das erste Tor des BFC überhaupt im DFB-Pokal und die Rekordkulisse von 14.357 Zuschauern (plus 240 im Vergleich zum Pokalspiel gegen Schalke vor einem Jahr), „aber das war es dann auch mit dem Positiven“.

Im Pokal ist Dynamo zum siebten Mal in der erste Runde ausgeschieden

Das ungleiche Duell schrieb, im Gegenteil, eher die negativen Geschichten der vergangenen Wochen fort: Seit dem Auftaktsieg in der Regionalliga Nordost kassierte der BFC seine vierte Pflichtspielniederlage hintereinander, bei einem Torverhältnis von 1:19. In der Liga ist Dynamo Vorletzter, im Pokal zum siebten Mal in der erste Runde ausgeschieden. Aus dem vermeintlichen „Bonusspiel“ gegen Köln (Torhüter Hendl) wurde eher ein Malusspiel, eins, das die Gedanken noch ein bisschen schwerer macht. „Wir sind an einem Punkt, wo wir weder in der Liga noch im Pokal konkurrenzfähig sind“, sagte Trainer Rydlewicz. „Das ist jetzt eine schwierige Phase.“ Wichtig sei es, positiv zu bleiben, erklärte er. Auch wenn das mit jeder Niederlage schwerer fallen dürfte.

Gegen Köln war der BFC nicht satisfaktionsfähig. Auf dem Papier waren es nur zwei Klassen Unterschied, de facto aber, laut Rydlewicz, drei, vier oder sogar fünf. Es war kein Vergleich zum Pokalspiel vor einem Jahr, als sich das Team dem FC Schalke, am Ende der Saison immerhin Meister hinter den Bayern, als würdiger Gegner erwies und es am Ende eine ehrenvolle 0:2-Niederlage zu bejubeln gab. Aber es ist auch schwer, beide Spiele miteinander zu vergleichen – weil die Mannschaft des BFC inzwischen eine völlig andere ist. Die beiden besten Torschützen (Rufat Dadaschow, 25Tore, und Matthias Steinborn, 16) haben den Klub verlassen, dazu wird der Kader gerade von einem dramatischen Verletzungspech gebeutelt. Sechs Tage vor dem Pokalspiel erwischte es den nächsten Führungsspieler: Kapitän Bilal Cubukcu fällt mit einem Beinbruch monatelang aus.

„Mir tut es auch für die Jungs leid“, sagte Rydlewicz, „aber im Moment bekommen wir es nicht hin.“ Auch deshalb kündigte Dynamos Trainer an, personell noch etwas zu tun. „Wir müssen ja“, sagte er.

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