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Borussia Mönchengladbach geht voran : Die ersten Bundesligaprofis verzichten auf Gehalt

Die Spieler von Borussia Mönchengladbach verzichten auf Teile ihres Gehalts. Andere Profis, Klubs und Funktionäre wollen ihrem Beispiel folgen.

Applaus, Applaus. Die Spieler von Borussia Mönchengladbach zeigen sich in Zeiten der Krise solidarisch mit den normalen Angestellten ihres Vereins.
Applaus, Applaus. Die Spieler von Borussia Mönchengladbach zeigen sich in Zeiten der Krise solidarisch mit den normalen...Foto: dpa

Am Mittwoch hat sich Matthias Ginter ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft angezogen. Er hat sich sein Smartphone vors Gesicht gehalten und eine kurze Videobotschaft für die Follower seines Instagram-Kanals eingesprochen. Der Nationalspieler Ginter berichtete über die Aktion der Fußball-Nationalmannschaft, die als Soforthilfe in der Coronakrise 2,5 Millionen Euro gespendet hatte. „Lasst uns ein Zeichen setzen, indem wir einfach zusammenstehen in der schwierigen Zeit“, sagte der Nationalverteidiger zum Abschluss seiner kurzen Rede.

Am Donnerstag hätte sich Matthias Ginter gleich wieder vor die Handykamera setzen können, nur diesmal in einem Trikot seines Vereins Borussia Mönchengladbach. Dessen Spieler nämlich haben sich aus eigenem Antrieb bereit erklärt, auf Teile ihres Gehalts zu verzichten. Das teilte Borussias Sportdirektor Max Eberl in einem Interview auf der Vereinshomepage mit.

„Die Spieler wissen, was los ist“, sagte Eberl. Sie hätten sich informiert und sich Gedanken gemacht und schließlich angeboten, „auf Gehalt zu verzichten, wenn sie dem Klub und damit auch den Mitarbeitern helfen kann“. Der Trainerstab hat sich dem Beispiel der Profis laut Eberl bereits angeschlossen, ebenso die Geschäftsführer sowie die Direktoren des Vereins. „Ich bin sehr stolz auf die Jungs“, sagte Borussias Sportdirektor. Dies sei ein „klares Signal: Wir stehen zusammen für Borussia, in guten wie in schlechten Zeiten.“

Auch BVB-Boss Watzke will verzichten

Gladbachs Spieler sind die Ersten im deutschen Fußball, die sich zu einem Gehaltsverzicht bereit erklärt haben. Dass sie Nachahmer finden werden, war angesichts der allgemeinen Situation nur eine Frage der Zeit. Bald darauf zog der Zweitligist Karlsruher SC nach.

Bei Hertha BSC ist die Kommunikation mit den Spielern durch deren häusliche Quarantäne etwas komplizierter, „aber klar ist, dass wir intern bereits darüber Gespräche führen“, sagte Manager Michael Preetz. Beim Lokalrivalen 1. FC Union kündigte Torhüter Rafal Gikiewicz bereits seinen Verzicht an, „um meinem Verein zu helfen, diese schwere Zeit zu überstehen“.

Die TSG Hoffenheim legt einen Corona-Hilfsfond auf, um wichtige Einrichtungen, Institutionen oder Sportklubs in der Rhein-Neckar-Region im Bedarfsfall unterstützen zu können. Neben einer Einlage des Vereins leistet auch Mäzen Dietmar Hopp einen Beitrag, ebenso die Spieler des Klubs. Das sei selbstverständlich, sagte Kapitän Benjamin Hübner. Hans-Joachim Watzke, Vorstandsvorsitzender von Borussia Dortmund, hat laut „Kicker“ angeboten, auf ein Drittel seines Gehalts zu verzichten.

Rouven Schröder, der Sportvorstand des 1. FSV Mainz 05, berichtete am Donnerstag bei einer Pressekonferenz von guten Gesprächen mit den Spielern. Die Mannschaft sei von sich aus auf den Vorstand zugekommen. „Die Bereitschaft ist definitiv da“, sagte Schröder. Der Spielerberater Stefan Backs, zu dessen Klienten unter anderem der Schalker Torhüter Alexander Nübel gehört, erklärte, er wolle im Jahr 2020 auf die Hälfte der ihm zustehenden Provisionen verzichten.

Unabhängig von den gesundheitlichen Auswirkungen des Coronavirus sind die Profiklubs auch finanziell von der Pandemie betroffen. Da derzeit der Ball ruht und das auch noch auf unbestimmte Zeit tun wird, fehlen den Vereinen Zuschauer- und Sponsoringeinnahmen, und womöglich auch das Geld aus der Fernsehvermarktung.

Bei Hertha BSC wären dies laut Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller 18 Millionen Euro. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass den 36 deutschen Erst- und Zweitligisten allein bis zum Saisonende 750 Millionen Euro wegfallen werden. „Es geht ums Überleben“, hat Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), am Montag gesagt.

Den stärksten Batzen bei den Ausgaben der Klubs machen naturgemäß die Gehälter der Spieler aus. Entsprechend früh gab es erste Stimmen, dass die Großverdiener in den Klubs auf Teile ihres Gehalts verzichten sollten, damit die sogenannten kleinen Angestellten aus den Fanshops, in der der Buchhaltung oder am Empfang weiterhin bezahlt werden können.

Der Profifußball revidiert den schlechten Eindruck

Markus Söder, der bayrische Ministerpräsident, sagte am Montag: „Ich fände es zum Beispiel in Ordnung, wenn Spieler, die ganz große Gehälter bekommen, zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes ihrem Arbeitgeber gegenüber ein bisschen zurückhaltender wären mit dem Geld.“ Was wiederum Horst Heldt, den Sportdirektor des 1. FC Köln, zu der Replik veranlasste: „Ich glaube, es wäre absolut sinnhaft, dass man sich mit populistischen Scheißausdrücken erst mal zurückhält. Meine Erwartung ist, dass die Politik führt und den Menschen einen Plan an die Hand gibt und sich nicht mit Vorschlägen in Teilbereiche hineinbewegt, nur um populistisch dazustehen.“

Heldts Aussage passte in das Bild, das der Fußball in den ersten Tagen der sich zuspitzenden Krise abgegeben hat. Es war kein gutes – und vor allem verfestigte es den Eindruck, dass der Profifußball dem normalen Leben weit entrückt ist. Inzwischen aber ist er eifrig damit beschäftigt, diesen Eindruck zu zerstreuen.

Der Auftritt von DFL-Geschäftsführer Seifert am Montag, die Verschiebung der Europameisterschaft am Dienstag, die Video-Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bunds mit dem eindringlichen Plädoyer von Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch, die Millionenspende der Nationalmannschaft – und nun der erste freiwillige Gehaltsverzicht bei einem Bundesligaklub.

Auch Löw und Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, haben ihrem Arbeitgeber vorgeschlagen, dass sie auf Teile ihres Gehalts verzichten. Bierhoff hat dazu gesagt: „In einer Solidargemeinschaft ist es so, dass die Großen die Gemeinschaft unterstützen.“

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