Breel Embolo von Borussia Mönchengladbach : Mit der Wucht des Unterschätzten

Breel Embolo sollte bei Borussia Mönchengladbach behutsam an die Mannschaft herangeführt werden. Doch schon jetzt ist er eine prägende Figur.

Durchsetzungsstark. Breel Embolo (rechts) hat sich in Gladbach schon unentbehrlich gemacht.
Durchsetzungsstark. Breel Embolo (rechts) hat sich in Gladbach schon unentbehrlich gemacht.Foto: Imago/Nordphoto

Gemessen an seiner fußballerischen Begabung hat es Max Eberl als Spieler durchaus weit gebracht. Eberl hat als Außenverteidiger keine besonders schnittigen Flanken geschlagen, er war weder extrem trickreich, noch hat er allzu viele Tore erzielt. Genau genommen hat er sogar kein einziges erzielt. Und trotzdem stehen in seinem Lebenslauf 104 Bundes- und 111 Zweitligaspiele. Eine gewisse Hartnäckigkeit wird man Eberl also nicht absprechen können. Das gilt auch für seine Tätigkeit als Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach.

Schon 2014 zum Beispiel wollte Eberl Matthias Ginter aus Freiburg nach Gladbach holen. Der Verteidiger entschied sich für Dortmund, aber Eberl ließ nie locker, bekundete immer wieder sein Interesse und konnte Ginters Transfer mit drei Jahren Verspätung schließlich doch noch realisieren. Bei Breel Embolo war es ähnlich. Als der Stürmer 2016 für 26 Millionen Euro zu Schalke 04 wechselte, hatte auch Eberl sich um ihn bemüht. Zunächst vergeblich In diesem Sommer aber, drei Jahre später, gab Embolo dem, Werben der Gladbacher doch noch nach.

Das Bedauern über seinen Weggang hielt sich in Grenzen. Allzu viele Fans hatte Embolo in Schalke nicht mehr. Mal abgesehen von David Wagner, dem neuen Trainer. „Als ich mir den Kader nach meiner Verpflichtung angeschaut habe, war Breel Embolo einer der Spieler, auf die ich mich am meisten gefreut habe“, sagte Wagner den „Ruhr-Nachrichten“.

Inzwischen darf er sich in seiner Meinung bestätigt fühlen, obwohl Embolos Verpflichtung auch in Mönchengladbach anfangs von Skepsis begleitet wurde. Seine Zeit in Schalke ist nicht besonders glücklich verlaufen, unter anderem weil er von 1000 Tagen im Revier rund 650 verletzt war. Die Skepsis hat sich längst gelegt – und das nicht nur, weil die Gladbacher den Schweizer Nationalspieler für vergleichsweise günstige zehn Millionen Euro bekommen haben sollen. In der noch jungen Spielzeit, die für die Borussen unter ihrem neuen Trainer Marco Rose schon Ausschläge nach oben wie nach unten bereitgehalten hat, zählt der 22-Jährige zweifelsfrei zu den erfreulicheren Erscheinungen.

Das war in dieser Form nicht zwingend zu erwarten. Embolo ist wegen einer Verletzung mit Verspätung in die Vorbereitung eingestiegen; er sollte, auch angesichts seiner Vorgeschichte, behutsam an die Mannschaft herangeführt werden. Trotzdem ist er schon jetzt zur prägenden Figur im neuen Gladbacher Spiel geworden. Am vergangenen Wochenende ist Trainer Rose gefragt worden, was er denn mit Embolo gemacht habe. „Ja, das wollte ich euch schon längst gesagt haben“, antwortete er. „Wir waren drei Wochen zusammen in Urlaub.“

Gegen Wolfsberg ging Gladbach ohne ihn unter

Waren sie natürlich nicht – was Embolos Aufschwung noch unerklärlicher macht. An den jüngsten vier Toren der Gladbacher war er, entweder als Schütze oder als Vorbereiter, beteiligt. Und auch wenn die Frage müßig ist, ob ein Einzelner den Ausfall aller Systeme hätte verhindern können: Womöglich war es kein Zufall, dass Borussia Mönchengladbach am Donnerstag in der Europa League diese erste Halbzeit spielte, an deren Ende sie gegen einen unbekannten Dorfklub aus Österreich 0:3 zurücklag. Womöglich war es kein Zufall, weil nämlich Breel Embolo bei der 0:4-Niederlage gegen den Wolfsberger AC vor der Pause auf der Bank saß. Im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf (Sonntag, 15.30 Uhr, live bei Sky) dürfte er wohl wieder in der Startelf stehen.

Noch wundersamer ist Embolos Geschichte, weil er zuletzt nicht etwa in seiner gewohnten Rolle als Stürmer spielte, sondern von Rose als Zehner aufgeboten wurde. Durch besondere fußballerische Feinfühligkeit ist Embolo bisher selten aufgefallen. Natürlich ist er auch kein klassischer Spielmacher in der Tradition von Günter Netzer; keiner, der das Spiel seiner Mannschaft mit leichten Fuß strukturiert und die große Linie vorgibt. Embolo hat andere Qualitäten. „Mit meiner Wucht versuche ich immer mich selbst oder die anderen Stürmer in Position für einen Abschluss zu bringen“, sagt er.

Marco Rose hat Embolo schon früh für diese Rolle eingeplant. In einem System, das sich durch einen gewissen Verzicht auf die fußballerische Komponente auszeichnet und stattdessen auf Wucht und Leidenschaft setzt, ist die Wahl von Embolos neuer Position schon gar nicht mehr so ungewöhnlich. Der Schweizer kommt gern aus der Tiefe, mit dem Ball am Fuß und mit Tempo.

Nicht immer hat er dabei den Rundumblick für die Gesamtsituation, aber allein durch seine Erscheinung vermag er den Gegner in Unruhe zu versetzen. „Breel ist immer noch jung“, sagt sein Trainer über den Stürmer. Er habe noch Luft nach oben in verschiedenen Bereichen. Das Spiel gegen Wolfsberg am Donnerstag hat gezeigt, dass das bei Borussia Mönchengladbach nicht nur für Breel Embolo gilt.

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