Sport : Britannien erfreut sich an einem neuen Superstar

Markus Hesselmann

Britannien braucht dringend neue Sport-Superstars. Nach der Fußball-Weltmeisterschaft gab es nichts und niemanden zu feiern. Im Rugby haben Franzosen und Iren die Engländer gerade beim Six-Nations-Turnier abgehängt. Der Auftakt der Kricket-WM verlief enttäuschend. Und Kricket-Held Andrew Flintoff fiel auch noch unangenehm auf, weil er ein paar Pints zu viel getrunken hatte. Da wird jeder neue Held gleich umso stärker bejubelt: Lewis Hamilton, Enkel karibischer Einwanderer, gilt schon jetzt als „schwarzer Beckham“ – als mindestens gleichwertiger Ersatz für den Fußball- und Werbestar, der rübergemacht hat nach Amerika. „Lewis Hamilton ist in der Poleposition, um noch mehr zu verdienen als Großbritanniens reichster Sportstar“, schreibt die „Times“. Und die „Daily Mail“ bringt einen anderen superreichen Sportler als Vorbild ins Spiel: „ Sein Erfolg erinnert an Tiger Woods ’ Ankunft im bis dahin fast ausschließlich weißen Sport Golf.“

Zwar hat der 22-jährige McLaren-Mercedes-Pilot gerade erst ein Formel-1-Rennen gefahren, doch sein dritter Platz zum Saisonauftakt in Melbourne gibt Marketingmanagern zu schönsten Hoffnungen Anlass. „Er ist so frisch und unbekümmert wie David Beckham früher war“, sagt David Wheldon, Marketingchef bei Vodafone. Das Kommunikationsunternehmen sponserte einst den jungen Beckham mit seiner damaligen Mannschaft Manchester United und sponsert jetzt McLaren-Mercedes. „Lewis Hamilton bringt alles mit: gutes Aussehen und sicheres Auftreten “, sagt Dominic Curran von der Londoner Sportmarketingfirma Karen Earl Sponsorship. „Er kann sich ausdrücken, und wir sollten nicht übersehen, dass er der erste schwarze Fahrer in der Formel 1 ist.“ Das allein schon steigere seinen Marktwert im Sportbusiness.

Das Wettbüro Ladbroke setzte den jungen Formel-1-Fahrer gestern auf Platz zwei seiner Favoriten-Liste für den Titel „Sportpersönlichkeit des Jahres“, den der Fernsehsender BBC vergibt. Vor Lewis Hamilton liegt derzeit noch der schottische Tennisprofi Andy Murray. Für Hamiltons Formel-1- Kollegen Jenson Button, in Melbourne 15., würde es gerade einmal zu Platz sieben in der britischen Sportlerwahl reichen. Damit steht er aber noch vor allen Fußballern. Den englischen Nationalspielern Steven Gerrard und Wayne Rooney werden nur die Plätze neun und zehn zugetraut. , London

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