Bundesliga-Saisonvorschau (18) : Jetzt sind die Bayern auch noch Sparmeister

Der FC Bayern München hat von allen Bundesligisten das größte Transferplus erwirtschaftet. Dennoch ist der Rekordmeister mal wieder Topfavorit.

Nulltarif. Serge Gnabry war nach Hoffenheim verliehen, nun will er sich in München durchsetzen.
Nulltarif. Serge Gnabry war nach Hoffenheim verliehen, nun will er sich in München durchsetzen.Foto: Gebert/Reuters

Am Freitag startet die Fußball-Bundesliga in die neue Saison. In unserer Serie testen wir die Vereine.

Heute Teil 18:  FC Bayern München

Was hat sich verbessert?

Die Fitness. Gleich mehrere Spieler äußerten sich in der Vorbereitung zu den offenbar körperlich sehr fordernden Trainingseinheiten unter Niko Kovac – und das sehr positiv. Anders als unter seinem Vorgänger Carlo Ancelotti scheint der neue Bayern-Trainer seine Spieler durchaus gerne zu quälen. Schon in Frankfurt kam seine Mannschaft oft über enorme Laufarbeit und Robustheit, wie die Bayern aus eigener Pokalfinalserfahrung wissen. Doch nicht nur an der Fitness hat Kovac gearbeitet. Die war bei Robert Lewandowski ohnehin noch nie ein Problem. Mit dem polnischen Torjäger hat sich der neue Trainer länger unterhalten und plötzlich hat Lewandowski, der noch vor Kurzem kein Geheimnis aus seinem Wechselwunsch gemacht hatte, auch wieder Lust auf den Klub.

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Kovac: 'Lewandowski will wieder alles für den Verein geben'
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Wer sind die Neuen?

Die großen Knaller haben die Bayern nicht verpflichtet. Mit Leon Goretzka kam einer der vielversprechendsten deutschen Mittelfeldspieler ablösefrei von Schalke. Serge Gnabry kehrte nach seiner Leihe aus Hoffenheim zurück. Außerdem ist der 2016 als vermeintliches Supertalent verpflichtete und seitdem regelmäßig gescheiterte Renato Sanches wieder in München und bekommt unter Kovac eine letzte Chance. Einen Stammplatz hat anfangs keiner der drei Neuen.

Auch das kanadische Talent Alphonso Davies wird sich erst mal hinten anstellen müssen. Für den pfeilschnellen 17-Jährigen, dessen Spielweise angeblich an Arjen Robben erinnern soll, überweisen die Münchner zehn Millionen Euro nach Vancouver. Davies stößt aber erst nach dem Ende der MLS-Saison im November oder Dezember zum Kader und ist vor allem eine Investition in die Zukunft.

Wer hat das Sagen?

Die von Uli Hoeneß so gern beschworene Bayern-Familie. Alle sportlichen Entscheidungsträger haben selbst für den Klub gespielt und verfügen im Hoeneßchen Duktus demnach über die so wichtige Bayern-DNA. Kovac gewann 2001 zusammen mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic den Weltpokal, das letzte Wort dürften im Zweifel aber immer noch die Platzhirsche Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben.

Was erwarten die Fans?

Titel. Plural. Die Meisterschaft quittieren die Münchner Anhänger maximal noch mit einem anerkennenden Kopfnicken. Auch das nationale Double lässt die Feierlichkeiten auf dem Marienplatz nicht gerade eskalieren. Die letzte richtige Party gab es dort 2013, nach dem Champions-League-Sieg. Erfolg oder Misserfolg in Europa entscheiden seitdem maßgeblich über die Bewertung der Saison.

Was ist in dieser Saison möglich?

Im Supercup schossen die Münchner Eintracht Frankfurt mit 5:0 aus dem Stadion, im DFB-Pokal quälte sich das Team in Bestbesetzung dann aber nur zu einem knappen 1:0 bei Drochtersen/Assel. Welches Gesicht der Bayern-Jahrgang 2018/19 im Ligaalltag zeigen wird, ist schwer zu prognostizieren. Alles andere als die siebte Meisterschaft in Folge wäre dennoch eine Überraschung, in der Champions League gehören die Bayern aber nicht unbedingt zu den allergrößten Favoriten.

Und sonst?

Sind die Bayern schon jetzt auf dem besten Weg zum Transfermeister – und das mal zur Abwechslung nicht bei den Ausgaben, sondern beim Saldo. Für Douglas Costa, den Juventus nun endgültig gekauft hat, und Arturo Vidal haben die Münchner 58 Millionen Euro kassiert. Dem gegenüber stehen nur Ausgaben von zehn Millionen für Davies. Macht ein Plus von 48 Millionen – und der abwanderungswillige Sebastian Rudy könnte noch ein paar Taler einbringen.

Bei so viel Zurückhaltung hatte Hoeneß offenbar das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. „Wir sammeln im Moment ein bisschen Geld ein für den Fall, dass wir nächstes Jahr mehr einkaufen müssen“, sagte der Präsident bei „Sky“. Dann läuft der Leihvertrag von James Rodriguez aus, der Kauf von Stuttgarts Weltmeister Benjamin Pavard scheint ausgemachte Sache zu sein und die Robben/Ribéry-Nachfolge wird erneut akut. Es braucht nicht viel Fantasie, um die Bayern in einem Jahr wieder am anderen Ende der Transfertabelle zu sehen.

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