Bundesliga-Saisonvorschau (3) : VfL Wolfsburg: Mehr Mentalität wagen

Der VfL Wolfsburg will den Relegations-Hattrick vermeiden – engagiert und endlich wieder mit besserem Fußball.

Typ gefunden? Stürmer Wout Weghorst überzeugt bisher mit Athletik, Einsatzfreude und Torgefahr.
Typ gefunden? Stürmer Wout Weghorst überzeugt bisher mit Athletik, Einsatzfreude und Torgefahr.Foto: Peter Steffen/dpa

Am 24. August startet die Fußball-Bundesliga in die neue Saison. In unserer Serie testen wir die Vereine. Heute Teil 3: VfL Wolfsburg.

Was hat sich verbessert?

Die Außendarstellung. Über Monate musste sich die bisherige Geschäftsführung den Vorwurf gefallen lassen, dass es ihr an der nötigen Fußball-Kompetenz fehle. Mit der Verpflichtung von Jörg Schmadtke steht nun ein anerkannter Fachmann mit an der Spitze. Der neue Mann nuschelt gerne, flüchtet sich am liebsten in Ironie und wird als Mann mit Profil wahrgenommen. Mit Schmadtke als Frontsau kann viel besser der Eindruck erweckt werden, als wäre der vom Volkswagen-Konzern bezahlte VfL im Grunde ein ziemlich normaler Verein.

Wer sind die Neuen?

Neben dem gerade erst verpflichteten, extrem schnellen Linksverteidiger Jérôme Roussillon (HSC Montpellier), Felix Klaus (Hannover 96), Daniel Ginczek (VfB Stuttgart) und Torhüter Pavao Pervan (Linzer ASK) lässt vor allem Wout Weghorst aufhorchen. Der Stürmer vom AZ Alkmaar beeindruckt mit seiner Mischung aus Athletik, Einsatzfreude und Torgefahr. Vor allem das Spiel in der Offensive muss nach zwei Jahren mitten im Abstiegskampf deutlich verbessert werden. Weghorst streitet mit Ginczek noch um den einen freien Platz im Sturmzentrum, den das von Labbadia bevorzugte Spielsystem zulässt.

Wer hat das Sagen?

Wenn es nach Schmadtke geht, natürlich Schmadtke. Unter der Regie des früheren Torhüters wird auch daran gearbeitet, dass die VfL Wolfsburg Fußball GmbH nicht wie eine abhängige Konzerntochter, sondern als eigenständige Firma und Marke agiert. Im Zuge der Diesel-Affäre von VW war beim VfL eine zum Teil lähmende Unsicherheit eingekehrt. Schmadtke berichtet zwar brav an den Aufsichtsrat, will aber ansonsten mit Cheftrainer Bruno Labbadia das Sportliche alleine im Griff haben. Beide sagen: Es wird keinen großen Umbruch im Kader geben. Aber die Liste der neuen und noch abzugebenden Spieler fällt doch erstaunlich lang aus. Offiziell wird die Kaderzusammenstellung nicht im Detail mit dem neuen Aufsichtsrat-Chef Frank Witter abgestimmt. Der VW-Manager und ehemalige Zweitligaspieler hat auch bereits angekündigt, nicht im Tagesgeschäft des VfL herumfummeln zu wollen.

Was erwarten die Fans?

Mehr Leidenschaft und Identifikation. Nach zwei Spielzeiten, in denen der VfL erschreckend leblos bis in die Relegation gestolpert war, ist die Sehnsucht nach besserem Sport mit besseren Typen extrem groß. „Arbeit, Fußball, Leidenschaft“ – dieses von Fans kreierte und vom Verein übernommene Motto liest sich in weißen Buchstaben auf grünem Untergrund immer wieder gut. Aber zwei Jahre lang ist es von der großen Mehrheit der Spieler überhaupt nicht gelebt worden. Dass sich daran wirklich etwas ändert, könnte auch dank Marcel Schäfer klappen. Der langjährige VfL-Profi ist aus den USA zurückgekehrt, hat seine Laufbahn als Spieler beendet und gibt als Zuarbeiter für Schmadtke sein Debüt als Sportdirektor. Schäfer soll vor allem als Bindeglied zur Mannschaft agieren und die Spieler daran erinnern, wie man sich für den VfL gerne engagiert.

Was ist in dieser Saison möglich?

Die Relegationsspiele zu umgehen, klingt nach einem realistischen Ziel. Labbadia will parallel dazu den Beweis antreten, dass er in Not geratene Vereine nicht nur retten, sondern danach auch weiterentwickeln kann. Entspannte Ruhe, eine gute Atmosphäre, tägliches Teambuilding und mehr Bescheidenheit: Das sind die Themen, an denen der Cheftrainer vor allem arbeiten will. Was er sich wünscht? „Mentalitätsspieler mit Torgefahr“, sagt Labbadia. Diese Wortschöpfung hat gute Chancen auf einen Platz in der Champions League der Fußball-Rhetorik. Rein sportlich betrachtet geht es wohl erst einmal darum, dass der VfL Wolfsburg am Saisonende auf einem einstelligen Tabellenplatz steht.

Und sonst?

Sind vermehrt Typen an Bord, die dem Image des Vereins gut tun. Schäfer ist ein Sympathieträger erster Güte. Der frühere Torjäger Roy Präger hat sich als authentischer Repräsentant des Vereins längst etabliert. Nun ist Pierre Littbarski vom Chefscout zum Markenbotschafter aufgestiegen. Er vertritt den VfL im In- und Ausland. So kann besser in Erinnerung gerufen werden, dass Wolfsburg vor zwei Jahren noch in der Champions League am Ball war.

Bisher erschienen: 1. FC Nürnberg, Fortuna Düsseldorf. Nächste Folge: SC Freiburg

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