Bundesligist verpflichtet Kyle Ensing : Eine Drohne für die BR Volleys

Diagonalangreifer Kyle Ensing wechselt zu den BR Volleys. Der 22-Jährige ist ein weiteres Beispiel für die Amerikanisierung des Klubs.

Schlagkräftig. Kyle Ensing soll Benjamin Patch im Diagonalangriff der Volleys Konkurrenz machen.
Schlagkräftig. Kyle Ensing soll Benjamin Patch im Diagonalangriff der Volleys Konkurrenz machen.Foto: FIVB

Trotz oder gerade weil die kalorienarme Ernährung schwer auf dem Vormarsch ist, hat das urdeutsche Gericht Bratwurst mit Kartoffelklößen immer noch seinen Reiz. So ist das jedenfalls bei Kyle Ensing. „Das steht ganz oben auf meiner Liste, wenn ich hier bin“, sagt er. Ensing kann ordentlich Kalorien vertragen. Der Mann ist zwei Meter groß und athletisch. Er springt so hoch, dass seine Teamkollegen ihm den Namen Drohne verpasst haben. Er drischt in seiner Hauptbeschäftigung den Volleyball am liebsten von sehr weit oben über die Köpfe seiner Gegenspieler hinweg. Ensing macht das so gut, dass er es in die Nationalmannschaft der USA geschafft hat – und nun auch in den Kader des Deutschen Meisters BR Volleys. Die Berliner haben den 22 Jahre alten Diagonalangreifer für zwei Jahre verpflichtet.

„Ich komme zu den Volleys, weil Berlin eine superschöne Stadt ist und ich von meinen Teamkollegen gehört habe, dass der Klub optimal geführt wird“, sagt Ensing. Und natürlich wegen der urdeutschen Speisen. Ensing hat überhaupt ein gewisses Interesse für Deutschland übrig. „Ich will mehr über meine Herkunft erfahren“, sagt der Kalifornier. Seine Ur-Ur-Großeltern, erzählt Ensing, seien 1879 aus Deutschland über den Atlantik ausgewandert. 140 Jahre später also geht Kyle Ensing bei den Volleys auch ein bisschen auf Spurensuche.

Es spricht vieles dafür, dass er sich in Berlin schnell einleben wird. Zumal er bei den Volleys auf seine Landsmänner Jeffrey Jendryk, Benjamin Patch und Cody Kessel treffen wird, die er teilweise aus der US-Nationalmannschaft kennt. Außerdem wird wohl noch ein weiterer US-Amerikaner zu den Volleys stoßen.

Ensing gewann zwei Mal in Folge die College-Meisterschaft

In den vergangenen Jahren vollzog sich eine bemerkenswerte Amerikanisierung bei Berlins erfolgreichstem Volleyballklub. Volleys-Manager Kaweh Niroomand hat eine Vorliebe für Spieler aus den Vereinigten Staaten. „Wir hatten nie disziplinarische Probleme mit Amerikanern“, sagt Niroomand. „Sie haben einfach eine tolle Einstellung.“

Schließlich profitieren die Volleys von dem Netzwerk, das sich im Laufe der vergangenen Jahre in den US-amerikanischen Volleyball erstreckt hat. Niroomand ist in den USA nicht so sehr auf die von ihm – euphemistisch formuliert – wenig geschätzten Berater angewiesen. Der Draht zu einem interessanten Spieler führt häufig über bekannte Trainer, Spieler oder Manager.

Im Falle von Ensing war Scott Touzinsky der entscheidende Mann. Der ehemalige Volleys-Spieler war in den vergangenen beiden Jahren Co-Trainer des Volleyballteams Long Beach State University von Los Angeles. Zwei Mal in Folge holte die Mannschaft die College-Meisterschaft. Einer der überragenden Spieler war Kyle Ensing. Der Diagonalangreifer ist ein kleiner Gegenentwurf zu Publikumsliebling Kyle Russell, der die Volleys nach der vergangenen Saison verließ. Russell ist ein brachialer Angreifer mit unheimlicher Wucht. Ensing bringt nicht diese Urgewalt mit, dafür aber mehr Finesse und Spielstärke. Niroomand erwartet ein „offenes Rennen“ auf der Position des Diagonalangreifers. In der vergangenen Saison startete meist Ensings Nationalmannschaftskollege Benjamin Patch bei den Volleys. Doch so großartig dieser mitunter aufspielte, so groß waren auch dessen Leistungsschwankungen. „Wir brauchen jemanden, der in die Bresche springen kann, wenn es bei Patch nicht läuft“, sagt Niroomand.

Der Manager hat seine Personalplanungen mit der Verpflichtung von Ensing noch nicht abgeschlossen. Es sollen noch ein Zuspieler, ein Libero und vermutlich noch ein Außenangreifer kommen. „Wir wollen auf jeden Fall besser starten als in der letzten Saison“, sagt Niroomand. Ziemlich sicher ist, dass sich der 66-Jährige wenig Sorgen um den Diagonalangriff machen muss. Im Gegenteil: So gut aufgestellt waren die Volleys auf dieser Position wohl noch nie.

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