Champions League : Sané bringt gegen Schalke die Wende

Schalke 04 dreht das Achtelfinal-Hinspiel gegen Manchester City – gibt es trotz Überzahl aber aus der Hand und verliert 2:3.

Spielentscheidend. Leroy Sanés macht kunstvoll das 2:2.
Spielentscheidend. Leroy Sanés macht kunstvoll das 2:2.Foto: imago/Pro Shots

Im Jahr 2016 hatte Leroy Sané den FC Schalke 04 Richtung England verlassen. Nun kehrte er zum ersten Mal ins Schalker Stadion zurück. Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League, mit Manchester City. Doch Sané kam etwas früher als die anderen Spieler auf den Rasen. Er bog Richtung Ersatzbank ab und nahm auf einem der blauen Sitze Platz. Trainer Pep Guardiola hatte statt Sané, der insgesamt sieben Jahre für Schalke aktiv war, den Portugiesen Bernardo Silva aufgeboten.

Was Sané auf dem ihm bestens vertrauten Spielfeld sah, dürfte ihm nicht gefallen haben. Sein Team verspielte eine Führung, bekam zwei Elfmeter gegen sich und lag zurück, als er ab der 78. Minute kurz mitmachen durfte. Sieben Minuten später lief er zum Freistoß an und schoss ihn unhaltbar ins Tor. In der 90. Minute musste Schalke noch ein Tor durch Raheem Sterling hinnehmen und verlor 2:3 (2:1). Damit sind die Chancen auf das Viertelfinale vor dem Rückspiel am 12. März eher theoretischer Natur.

In Ilkay Gündogan stand ein weiterer Spieler, der in der Schalker Jugend aktiv war, in der Startelf der Gäste, die als großer Favorit ins Spiel gegangen waren. Und so auch spielten. Aber nur am Anfang. Sie hatten meist den Ball, dabei sahen sie sich einer sehr zurückhaltend – man könnte auch sagen, extrem defensiv – ausgerichteten Schalker Elf gegenüber. Trainer Domenico Tedesco hatte sich einer Taktik bedient, die sie in Gelsenkirchen noch aus Zeiten von Huub Stevens bestens kennen: Die Null muss stehen. Zu diesem Zweck ließ er ziemlich alle Spieler draußen, die ihre Kernkompetenz in der Offensive haben. Folglich hatte Stürmer Mark Uth äußerst wenig Chancen, vorn etwas zu bewegen.

Ordentlich mitgehalten, unnötig in Rückstand geraten

Hinten aber machte es der Tabellen-14. der Fußball-Bundesliga sehr gut, Möglichkeiten hatte Englands Tabellenführer kaum. Kevin De Bruyne zog einmal aus der Distanz ab, doch der überraschend aufgebotene Ralf Fährmann, der in der Liga nicht mehr die Nummer eins ist, hielt ohne Probleme. Eben diese bereiteten sich die Schalker selbst. Eigentlich hatten sie den Ball, aber Fährmann spielte einen riskanten Pass auf Salif Sané und der zweite Silva von Manchester, Vorname David, nahm ihm den Ball ab. Er spielte ihn in die Mitte, wo Sergio Aguero ins leere Tor traf.

Ordentlich mitgehalten, unnötig in Rückstand geraten – das kann eine Mannschaft, der ohnehin kaum etwas zugetraut wird, aus der Bahn werfen. Kann. Muss es aber nicht. Stattdessen näherte sich Uth dem Tor bei einem Schuss an. Kurz danach war der Ball dann drin. Die Entstehung des Tores war umstritten. Es ging um die ewige Frage: Handelfmeter oder nicht? Ja, sagte Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande aus Spanien, nachdem Nicolas Otamendi der Ball an den Arm gesprungen war. Die Szene war vom Video-Schiedsrichter überprüft worden. Der sehr sichere Elfmeterschütze Nabil Bentaleb erzielte den Ausgleich. Und kurz vor der Pause sogar die Führung. Wieder aus elf Metern Entfernung. Diesmal war die Sache eindeutig, Fernandinho hatte Salif Sané im Strafraum festgehalten.

Selbst kurze Entlastung war die Ausnahme

Zum vierten Mal trafen beide Mannschaften in Europa aufeinander, einmal hatte Schalke gewonnen. Das war vor 49 Jahren, 1:0 durch Stan Libuda. Zur Pause schien Sieg Nummer zwei möglich. Ein Zwischenfazit, was kaum jemand erwartet hatte. Schnell zeigte sich, dass der Weg zum Sieg noch ein weiter werden würde. Schalke stand hinten drin, wahlweise kurz vor dem eigenen Strafraum oder drin. Selbst kurze Entlastung war die Ausnahme. Das war wenig schön anzusehen, richtig kräfteraubend – und erfolgreich. Wie in der ersten Halbzeit blieb Manchester lange wirkungslos.

Zwischenzeitlich machte Otamendi aus seinem schon in der ersten Halbzeit missratenen Auftritt endgültig einen Abend zum Vergessen: Er sah nach einem Foul am kurz zuvor eingewechselten Guido Burgstaller zum zweiten Mal im Spiel Gelb und musste vorzeitig in die Kabine. Schalke, in der Schlussphase mit dem früheren Unioner Steven Skrzybski, war dem Sieg nah. Bis die Kurzarbeiter Sané und Sterling das Spiel drehten. (Tsp)

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