Champions League : Warum Ajax Amsterdam mit dem FC Bayern mithalten kann

Der Erfolg der Amsterdamer ist eng mit dem Wirken von Trainer Erik ten Hag verbunden. Gegen die Bayern aus München winkt nun sogar der Gruppensieg.

Erfolg aus der Provinz. Ten Hag ist anfangs belächelt worden.
Erfolg aus der Provinz. Ten Hag ist anfangs belächelt worden.Foto: Tzortzinis/AFP

Am Wochenende hat der Amsterdamer Fußballklub Ajax über seinen Twitterkanal einen kurzen Filmschnipsel verbreitet. „Frenkie being Frenkie“ stand darüber, und das Video zeigte, wie Frenkie de Jong den Frenkie de Jong machte. Nach einer Balleroberung im Mittelfeld ließ er zwei Gegenspieler ins Leere grätschen, einen weiteren schaltete er per Po-Wackler aus, und den vierten überwand er mit einem präzisen Flachschuss hart neben den Pfosten zum zwischenzeitlichen 2:0 für die Gäste aus Amsterdam gegen PEC Zwolle.

Bei genauerem Hinsehen erwies sich de Jongs spektakuläre Performance sogar als noch ein bisschen spektakulärer: Die ersten drei Zwolle-Spieler nahm er aus dem Spiel, ohne noch einmal den Ball zu berühren. Dass der 21-Jährige über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, ist keine allzu neue Erkenntnis. So ziemlich jeder Topklub, der etwas auf sich hält, soll an dem hochbegabten Mittelfeldspieler interessiert sein. Das gilt auch für Innenverteidiger Matthijs de Ligt, der mit gerade 19 schon Kapitän bei Ajax ist. Beide sind dafür verantwortlich, dass der Klub mit der großen Vergangenheit auch wieder eine Gegenwart hat, für die er sich nicht schämen muss. Wenn die Amsterdamer an diesem Mittwoch (21 Uhr, Sky) Bayern München zum abschließenden Vorrundenspiel der Champions League empfangen, geht es nur noch um den Gruppensieg. Fürs Achtelfinale sind beide Teams bereits qualifiziert – Ajax zum ersten Mal seit 13 Jahren.

"Ajax hat wieder Farbe im Gesicht", findet ten Hag

„Ajax hat wieder Farbe im Gesicht“, hat Erik ten Hag der Zeitung „De Volkskrant“ gesagt. Ten Hag, 48 Jahre alt, ist seit Januar Trainer der Amsterdamer. Einen leichten Stand hatte er anfangs nicht. Sein Vorgänger, Marcel Keizer, war durchaus beliebt, und ten Hag, der unter anderem die U 23 des FC Bayern trainiert hatte, fehlten die großen Erfolge in seiner Vita. Dazu kommt er aus der Provinz, aus Twente ganz im Osten des Landes, und spricht für die feinen Amsterdamer Ohren ein Holländisch mit seltsam hartem Akzent. Solche Vorbehalte aber hat ten Hag längst ausgeräumt.

Nachdem Ajax zum vierten Mal hintereinander den Meistertitel verpasst hatte, hat der neue Trainer im Sommer gemeinsam mit Sportdirektor Mark Overmars die entscheidenden Weichen für eine bessere Zukunft gestellt. Der Klub ist bewusst ein höheres finanzielles Risiko eingegangen, hat sowohl in Spieler als auch in Gehälter investiert. Und das Wagnis hat sich bezahlt gemacht. Allein durch den Einzug ins Achtelfinale der Champions League hat der Klub 60 Millionen Euro sicher.

Auch die Mannschaft trägt erkennbar die Handschrift des neuen Trainers. Physis und Mentalität sind ihm wichtig. Die Intensität im Training ist höher, ten Hag will, dass alle Übungen in allerhöchstem Tempo ausgeführt werden. Dass dies dem Selbstbild des Klubs als Hort des schönen Fußballs widerspricht, hält er für Quatsch. „Ein gutes Team beherrscht viele Facetten des Fußballs, und dieses Team ist ein gutes Team“, sagt ten Hag.

Es ist vielleicht das beste seit gut 15 Jahren, als sich ein paar überaus talentierte Kicker daran machten, die Fußballwelt zu verzücken. Rafael van der Vaart, Wesley Sneijder, Nigel de Jong und Zlatan Ibrahimovic scheiterten 2003 erst im Viertelfinale durch ein Gegentor in der Nachspielzeit am späteren Titelträger AC Mailand. So weit ist Ajax in der Champions League nie wieder gekommen.

Daley Blind, Dusan Tadic und Klaas-Jan Huntelaar heißen die Routiniers im Team

Die aktuelle Mannschaft hat das Zeug, diesen Erfolg zu wiederholen. Als „hungrig und ehrgeizig“ bezeichnet Trainer ten Hag seine Spieler. „Wir sind ein gutes Team, und das strahlen wir auch aus“, sagt Daley Blind, den Ajax für 16 Millionen Euro von Manchester United zurückgeholt hat. Der 28-Jährige zählt mit Dusan Tadic, 30, und dem früheren Schalker Klaas-Jan Huntelaar, 35, zu den Routiniers im Team. Auch die Mischung in der Mannschaft stimmt. Als Ajax durch einen Sieg bei AEK Athen die Qualifikation fürs Achtelfinale klar machte, standen acht Spieler auf dem Feld, die 23 oder jünger waren. Das Team ist talentiert und verfügt trotzdem schon über eine gewisse Reife.

Seit der 0:3-Niederlage beim PSV Eindhoven Ende September ist Ajax in nunmehr 15 Pflichtspielen ungeschlagen. In der heimischen Liga hat das Team seitdem alles gewonnen, bei einer Tordifferenz von 34:3. Das 4:1 bei PEC Zwolle war der neunte Sieg hintereinander. Aber nicht nur deshalb war das Spiel möglicherweise schon ein Blick in die Zukunft. Nationalspieler Donny van de Beek und Torhüter André Onana mussten schon in der ersten Hälfte verletzt vom Platz. Dass der Mannschaft wichtige Spieler wegbrechen, damit werden sich die Amsterdamer vermutlich schneller abfinden müssen, als ihnen lieb ist. Onana wird mit dem FC Barcelona in Verbindung gebracht, genauso Kapitän de Ligt. Und auch Frenkie de Jong könnte Ajax im Sommer verlassen. Am Wochenende wurde kolportiert, dass er wohl zu Paris St. Germain wechseln werde. Für 75 Millionen Euro.

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