Cool Britannia in der Formel 1 : Lando Norris und George Russell gehört die Zukunft

Vor dem Grand Prix in Silverstone stehen die Nachfolger von Lewis Hamilton schon bereit. Der deutschen Hoffnung Mick Schumacher haben sie vieles voraus.

Karin Sturm
Great, greater, Great Britain. In Silverstone stehen Lewis Hamilton, Lando Norris und George Russell (von links) besonders im Blickpunkt.
Great, greater, Great Britain. In Silverstone stehen Lewis Hamilton, Lando Norris und George Russell (von links) besonders im...Foto: John Sibley/Reuters

Manchmal merkt man ihm seine Jugend noch an. Vor allem außerhalb des Autos. Auf der offiziellen Fia-Pressekonferenz vor dem britischen Grand Prix zum Beispiel. Da reagiert Lando Norris, 19, eher wie ein Schuljunge denn ein abgeklärter Formel-1-Pilot. Als ihm der Renault-Pilot Daniel Ricciardo vor dem Rennen in Silverstone an diesem Sonntag (15.10, live bei RTL und Sky) leise ein paar Worte zusteckt, erleidet Norris einen Lachanfall. Verschämt schlägt er die Hände vor sein Gesicht und legt den Kopf auf den Tisch.

Gründe zu lachen hat der McLaren-Pilot in dieser Saison viele, sich verschämt zu verstecken eigentlich keine. Lando Norris ist der Aufsteiger des Jahres in der Formel 1. Er verfügt bei McLaren-Renault in diesem Jahr über konkurrenzfähiges Material, liefert aber auch persönlich sehr gute Leistungen ab. Konstant fährt er auf gleichem Niveau wie sein wesentlich erfahrenerer Teamkollege Carlos Sainz jr., oft ist er sogar einen Tick schneller. Zuletzt belegte Norris beim Großen Preis von Österreich den sechsten Platz, im Gesamtklassement steht er auf Rang acht.

Trotzdem ist Norris mit seiner eigenen Vorstellung bisher nicht hundertprozentig zufrieden. „Da waren einige Dinge, die ich hätte noch besser machen können, Fehler, die nicht hätten sein müssen“, sagt er selbstkritisch. Dass er immer wieder hören muss, sein reicher Vater, der im Versicherungsgeschäft zum Multi-Millionär wurde, habe seine Karriere doch sehr erleichtert, gefällt ihm gar nicht. Er will nur durch Leistung überzeugen, verzichtet auf vieles: „Partys, mal ein Schluck Alkohol – das gibt es für mich nicht. Ich will mir nicht nachsagen lassen müssen, dass durch so etwas meine Performance gelitten hat.“ Was die Arbeit angeht, ist Norris hochprofessionell, neben der Strecke gilt er als unbeschwert und unkompliziert. Anders etwa als George Russell, 21, das zweite britische Supertalent, der sich müht, den Abgeklärten zu geben. Kontrolliert will Russel wirken, erwachsener als Norris. Vielleicht kann er auch gar nicht anders, denn viel Spaß dürfte Russell auf den Kursen nicht haben – er hat das Pech, in einem Williams zu sitzen.

Zwar kann Russel erstmal froh darüber sein, ein Formel-1-Cockpit gefunden zu haben, allerdings muss er sich auch damit abfinden, dass sein Auto absolut nicht konkurrenzfähig ist. „Selbst wenn die vor uns mal Probleme haben und bei uns alles läuft, haben wir keine Chance, dranzukommen“, lautet seine realistische Einschätzung der Situation. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als gegen seinen Teamkollegen Robert Kubica um den vorletzten Platz zu kämpfen. Das macht Russell allerdings souverän, er lässt Kubica, der einst als kommender Weltmeister gehandelt wurde, keine Chance. Es mag sein, dass Russells Teamkollege durch seine schweren Armverletzungen, die er bei einem Rallye-Unfall 2011 erlitt, doch stärker beeinträchtigt wird, als er sich das selbst eingestehen will – Russells Leistungen schmälert das aber nicht.

Russell halfen auch gute Beziehungen

George Russells Background setzt sich etwas anders zusammen als der von Norris. Bei ihm half weniger das Geld der Eltern durch die Karriere, als vielmehr die Beziehungen. Die Familie Russell ist eng mit James Vowles befreundet, dem Mercedes-Chefstrategen, der dort auch für das Junioren-Programm zuständig ist. Mercedes half dem Piloten auch, bei Williams unterzukommen. Die Silbernen wissen um Russells Stärken und Aussichten. Wie Norris ist es auch ihm zuzutrauen, die große britische Rennsporttradition fortzusetzen, sollte Überflieger Hamilton einmal seine Karriere beenden. Mit den beiden jungen Fahrern hat der britische Motorsport zwei angehende Superstars, die zusammen mit Charles Leclerc und Max Verstappen die Zukunft der Formel 1 bilden dürften.

In Deutschland gibt es auch einen namhaften Fahrer, Mick Schumacher. Ob der es aber auf Weltklasseniveau schaffen wird, bleibt abzuwarten. Anders als Schumacher stürmten Norris und Russell geradezu durch die Nachwuchsformeln, sie gewannen, wo auch immer sie antraten, die Titel meist im ersten Anlauf. Als sie 2018 gemeinsam in die Formel 2 kamen, machten Russell und Norris auf Anhieb den Titel unter sich aus, mit deutlichen Vorteilen allerdings für Russell, der aber auch im besseren Team fuhr. Nun hat sich die Situation umgekehrt, Norris hat das wesentlich bessere Material, Russell im Williams häufig das Nachsehen.

Trotzdem macht er sich keine Sorgen, dass unter den fehlenden Ergebnissen seine Karriere leiden könnte. „Nein“, antwortet Russell auf entsprechende Fragen, „denn die Karriere hängt im Moment doch in erster Linie an den entscheidenden Leuten bei Williams und bei Mercedes. Und die können intern meine Leistung sehr wohl einschätzen.“ Auch in der Saison 2020 wird er wohl für Williams fahren, während Norris seinen Platz im McLaren bereits sicher hat. Der Zukunft können beide Piloten ganz entspannt entgegenfahren.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar