"Cross Days" : Schlamm und Spaß beim Hindernislauf

Bei den Cross Days in Groß Glienicke quälen sich 2500 Läufer über Hindernisse und durch Matsch – und haben Spaß dabei.

Ach du Schreck. Die Strecke bei den Cross Days in der Döberitzer Heide hat es in sich. Neben Hügeln, Sprüngen von Stein zu Stein und Baumstämmen müssen die Läufer ganz am Ende noch ins kalte Wasser springen.
Ach du Schreck. Die Strecke bei den Cross Days in der Döberitzer Heide hat es in sich. Neben Hügeln, Sprüngen von Stein zu Stein...Foto: SCC EVENTS/Camera4

Der Truppenübungsplatz in der Döberitzer Heide in Groß Glienicke ist genau der richtige Arbeitsplatz für Carsten Humrich. Er ist zwar kein Oberfeldwebel, sonder Technischer Leiter bei SCC Events, trotzdem hat er große Freude daran, andere Leute auf möglichst kreative Weise zu triezen. „Waldlauf kann ja jeder“, sagt der Mann mit dem Ring im Ohr, gibt Gas und heizt auf seinem Quad zum nächsten Hindernis.

Mehr als 30 davon müssen die Teilnehmer der Black Challenge, der mit 19 Kilometer längsten Strecke, bei den “Cross Days“ des SCC am Sonntag überwinden. Bei der Pink Challenge über zehn Kilometer fällt nicht nur die Streckenlänge milder aus, auch gibt es weniger Hindernisse. Die Puristen starten am Samstag beim klassischen Crosslauf über 4,5 und neun Kilometer, wenn auch der Bambinilauf und die Youth Challenge stattfinden

Der Trend bei den insgesamt 2500 Teilnehmern aber geht weg vom kurzen und knackigen Sprint im Matsch hin zur langen Quälerei durch Schlamm und Sand, über Steilwände und durch Wassergräben. Projektleiterin Britt Munzlinger erzählt, dass die Läufer explizit einen längeren Kurs gefordert hätten. Das setzte Carsten Humrich gerne um und ließ sich eine besondere Finte einfallen: Die meisten Hindernisse liegen am Ende der Strecke auf dem Motocrosskurs, die Läufer haben also schon 16 Kilometer in den Beinen, wenn sie unter Gittern hindurch robben, über Baumstämme balancieren und durch einen Wassergraben tauchen müssen. Den musste Humrichs Team auch schon mal vor dem Lauf vom Eis befreien. Der Parcoursbauer weist darauf hin, dass es in den kommenden Nächten um die zwei Grad kalt sein soll. Bedauernswert findet er, dass es in dieser Woche geregnet hat. Das macht die Strecke zwar schön matschig, wie es sich für einen zünftigen Crosslauf gehört, vereinfacht aber die sandigen Teile des Wegs, die in trockenem Zustand für besonders stark brennende Oberschenkel und Waden sorgen. „Früher haben wir kurz vor dem Ziel eine kalte Dusche gehabt“, erzählt Humrich. „In diesem Jahr operieren wir aus irgendwelchen Gründen aber mit warmem Wasser.“ Dass nicht nur die Läufer ihr Spielkind rauslassen dürfen, merkt man spätestens beim Bällebad: Eine Grube mit Plastikbällen in verschiedenen Pinktönen lädt zum Reinspringen.

Freude beim Quälen: Hindernisbauer Carsten Humrich vor dem Bällebad im finalen Hindernisparcours.
Freude beim Quälen: Hindernisbauer Carsten Humrich vor dem Bällebad im finalen Hindernisparcours.

Sein Lieblingshindernis aber steht noch: die Rutsche. Besonders liebt er die Mimik der Läufer, die sich entweder nicht trauen oder sich mit voller Begeisterung die wasserbeflutete Plane herunterstürzen. Zu letzterer Gruppe gehört Anne Grießbach-Baerns. Die 39-Jährige läuft normalerweise Marathon, einen Crosslauf bei Berlin aber sieht sie als Pflichttermin – und als Gelegenheit zum Austoben. „Es ist unheimlich cool, wenn man die Rutsche runterschliddern kann“, sagt Grießbach-Baerns.

Dabei ist die gebürtige Friedenauerin nicht die typische Fun-Sportlerin. Als Kind stand sie an der Marathonstrecke und meldete sich mit 18 ganz blauäugig und unvorbereitet zum Berlin-Marathon an. Eigentlich wollte sie bei Kilometer 28 in Friedenau aufgeben, doch auf den Hinweis ihrer Mutter, dass Aufgeben ja auch sonst nicht ihr Stil sei, beendete sie die 42,195 Kilometer doch noch. Dieses Durchhaltevermögen kann sie bei den 19 Kilometern am Sonntag jedenfalls gut gebrauchen.

Dabei war ihr der Hype um Hindernisläufe wie den „Strongman Run“ und ähnliche Veranstaltungen lange zu viel, sie konzentrierte sich lieber auf den Marathon und Crossläufe. „Ich glaube aber, dass solche Hindernisläufe Motivation für viele Menschen sein können, mit dem Sport anzufangen“, sagt sie. In diesem Jahr aber passt die Cross Challenge wieder in ihren Kalender. Neben den Laufeinheiten geht die Oberkommissarin des LKA einmal die Woche zum Jumping Fitness und baut so Schnellkraft in den Beinen für die Sprünge und Steilwände auf. Trotz aller Sportlichkeit lässt sie sich eine Tradition aus dem Crosslauf aber nicht nehmen: Den Glühwein nach dem Lauf. Wenn sie am Sonntag durchnässt über die Ziellinie kommt, wartet ihre Thermoskanne auf sie. „Und darin wird jetzt kein Kakao sein“, sagt Grießbach-Baerns mit Vorfreude in der Stimme.

- Nachmeldungen zu der Pink und der Black Challenge sind am Sonntag vor Ort möglich.

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