Sport : „Da geht ein Traum kaputt“

Pierre Pagé über das Ende seiner Amtszeit, die Aufbauarbeit in Berlin und seine Beziehung zu Manager Lee

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Herr Pagé, das Ende Ihrer Amtszeit fiel nicht gerade freundlich aus. Sie haben mit den Eisbären die Play-offs verpasst. Wie konnte es zu der 0:6-Niederlage in Frankfurt kommen?

Wir haben den Spielern gesagt, sie sollen wie Champions auftreten. Anscheinend haben sie nicht zugehört. Ein Champion kann verlieren, aber er muss trotzdem mit Würde auftreten. Das ist nicht passiert, das war ein Grund für die Niederlage.

Das klingt ziemlich einfach. Für so eine heftige Niederlage muss es doch noch andere Gründe geben, oder?

In dem Spiel haben wir viel verloren, was wir bei den Eisbären aufgebaut haben. Aber letztlich war das Ergebnis hier in Frankfurt das Resultat einer ganzen Saison. Das Jahr war voller Probleme, und das hat sich schließlich auch auf dem Eis so dargestellt.

Die Atmosphäre zwischen Ihnen und den Spielern war zum Schluss nicht mehr die beste. Ihr Stürmer Kelly Fairchild hat sich in einem Interview negativ über Sie geäußert. Fairchild hat offen gesagt, er bleibe nur, wenn Sie gehen würden ...

Es ist doch so: Früher oder später hassen die Spieler immer ihren Trainer. Da ist es egal, ob du positiv oder negativ mit ihnen umgehst. Das ist die normalste Sache der Welt. Es ist in vielen Unternehmen so, dass der Chef nicht von seinen Angestellten geliebt wird. Dann waren wir in dieser Saison in einer besonderen Situation. Wir haben von Anfang an unseren sportlichen Ansprüchen nicht genügt, haben als Meister viel zu oft verloren. Da wurden die Spieler natürlich unruhig, weil sie Lösungen von ihrem Trainer erwartet haben. Und ihr Trainer wurde unruhig, weil er mehr von seinen Spielern erwartet hatte.

Hat Sie die sportliche Krise in dieser Saison bestärkt, die Eisbären zu verlassen? Einen neuen Vertrag bei den Eisbären haben Sie ja abgelehnt.

Es waren hier bei den Eisbären die fünf schönsten Jahre meiner Trainerkarriere. Berlin ist mir ans Herz gewachsen, ich wäre gern noch zehn Jahre hier geblieben. Aber es war für mich Zeit zu gehen, das habe ich den Verantwortlichen der Eisbären schon im August gesagt. Die Führung des Klubs hat zwar mehrmals versucht, mich umzustimmen. Aber das ging nicht. Ich weiß, wann ich aufhören muss. Wenn man das, was man versprechen will, nicht erfüllen kann, dann hat es doch keinen Sinn.

Was meinen Sie damit? Es ist ja bekannt, dass Sie mit Manager Peter John Lee nicht das beste Verhältnis hatten.

Die Spieler hatten ihre Ausreden und sie dachten, sie wüssten, wo das Problem liegt. Aber sie lagen falsch. Sie haben nicht wirklich mitbekommen, was sich hinter den Kulissen abspielt. Das Problem war hier nicht der Trainer.

Sondern die schlechte Beziehung von Trainer und Manager?

Da gab es ganz große Unterschiede in den Sichtweisen. Mehr sage ich dazu nicht. Ich verlasse den Klub ja.

Zwei Mal wurden die Eisbären Meister mit Ihnen als Trainer, sie verlassen den Klub aber nun in einer großen Krise. Schmerzt das nicht?

Natürlich. Als ich im Januar 2002 nach Berlin gekommen bin, habe ich den Titel versprochen. Das war eigentlich unverschämt von mir, aber es hat geklappt, zwei Mal sogar. Aber wir hatten eben ein Konzept, haben es durchgesetzt und Spaß dabei gehabt. Wir haben junge Spieler gefördert und Erfolg gehabt. Nun aber habe ich das Gefühl, dass die Eisbären wieder an dem Punkt stehen, an dem sie standen, als ich vor fünf Jahren bei ihnen angefangen habe. Das tut weh. Da ist ein Traum kaputtgegangen.

Wie schwer schätzen Sie denn Ihr Erbe bei den Eisbären ein?

Der Klub ist eine gute Adresse, auch weil er mit der Anschutz-Gruppe einen Eigner mit Mut und Visionen hat. Die Eisbären haben doch eine gute Zukunft vor sich, werden bald in der besten Halle Europas spielen. Das sind doch reizvolle Aussichten und sehr gute Bedingungen für jeden Trainer.

Unter welchen guten Bedingungen wird denn Pierre Pagé künftig arbeiten? Es heißt, Sie hätten schon einen Vertrag bei Red Bull Salzburg unterschrieben?

Mein Kollege Larry Huras hat einmal in einem Interview zu früh erzählt, dass er einen Vertrag bei den Kölner Haien hätte. Dann aber wurde dort ein anderer Trainer. Ich werde aus Respekt vor meinem neuen Arbeitgeber seinen Namen nicht nennen. Frühestens Ende April werde ich das machen. Aber sagen wir es mal so: Ich habe noch Träume, ich will noch als Trainer arbeiten, bis ich 70 Jahre alt bin. Und ein ganz großer Traum von mir ist es, einmal den Stanley-Cup, den Titel in der NHL, zu gewinnen.

Interview: Claus Vetter

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