• Daniel Frahn über seine Nähe zu Rechtsextremen: „Ich habe Riesenscheiße gebaut“

Daniel Frahn über seine Nähe zu Rechtsextremen : „Ich habe Riesenscheiße gebaut“

Der umstrittene Babelsberger Fußballer Daniel Frahn erklärt ausführlich, warum er mit Rechtsextremen unterwegs war – und distanziert sich nun von ihnen.

Tobias Gutsche
Daniel Frahn spielt jetzt wieder für Babelsberg.
Daniel Frahn spielt jetzt wieder für Babelsberg.Foto: Manfred Thomas

In seiner Fußballkarriere war Fannähe für Daniel Frahn immer wichtig. Einst beim SV Babelsberg 03 ebenso wie später bei RB Leipzig und beim Chemnitzer FC. Doch genau damit bekam er in Chemnitz Probleme, wo der Stürmer mit Rechtsextremen in Kontakt kam und öfter in deren Nähe zu sehen war. Trotzdem sagte Frahn nun am Montag, dass er sich eindeutig distanziere von derartiger Gesinnung und entsprechenden Gruppen.

Unter großem Medieninteresse stellte er sich den Fragen von Journalisten im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion, der Heimat des SVB, zu dem er Ende Januar zurückgekehrt war. Gerade weil der Babelsberger Regionalligist für seinen Kampf gegen Rechts bekannt ist, sorgte die Verpflichtung bundesweit für Aufsehen.

Daniel Frahn tut es „unfassbar leid“

Wie bereits in ersten Stellungnahmen und einem internen Fangespräch am Donnerstag zeigte sich Frahn geläutert. Er habe „Riesenscheiße gebaut, schwerwiegende Fehler gemacht, die mir unfassbar leidtun“, betonte er. Er sei „dumm und naiv“ gewesen, habe sich nicht ausreichend über Hintergründe informiert und Dinge nicht kritisch hinterfragt.

So zum Beispiel im März 2019, als beim Chemnitzer Spiel gegen Altglienicke die CFC-Fangemeinde vor dem Anpfiff eine große Trauerbekundung für den verstorbenen Neonazi Thomas Haller durchführte. Und Frahn hielt nach einem Tor ein in der rechten Szene verbreitetes Shirt mit der Aufschrift „Support your local Hools“ hoch. Dieses habe er zwei, drei Tage zuvor erworben, erklärte Frahn.

Jemand sei auf ihn zugekommen und hätte gesagt, durch den Kauf würden 20 Euro als Spende an die Familie eines an Krebs verstorbenen Fans gehen. Bereits beim Anblick der Aufschrift „hätte ich begreifen müssen, das darfst du nie im Leben annehmen, geschweige denn im Stadion zeigen“. Damals dachte er nicht so weit. Das Zeichen an die Fans schien ihm wichtiger zu sein.

Angeblich wusste Frahn nichts von der Gesinnung

Eine Strafe durch den Verein und den Verband folgten. Zudem sei er von einem langjährigen Freund aus SVB-Fankreisen zurechtgewiesen worden. Ausreichend sensibilisiert für die rechten Umtriebe in der Chemnitzer Fanszene war Frahn dadurch offenbar noch nicht.

Denn fünf Monate später war er verletzt und fuhr gemeinsam mit Chris J. zum Auswärtsspiel nach Halle. Beide standen dann im Gästeblock. J. war einer der führenden Köpfe der Chemnitzer Gruppe „NS-Boys“, die 2017 an Nazi-Krawallen beim Auswärtsspiel von Energie Cottbus in Babelsberg beteiligt gewesen sein sollen.

Nach Auflösung der „NS-Boys“ machten die Mitglieder unter anderem in der Gruppe „Kaotic Chemnitz“ weiter. Von diesen persönlichen Hintergründen seines Mitfahrers nach Halle habe Frahn nichts gewusst, sagte er. „Wir waren nicht befreundet.“ Man habe sich zunächst vom Sehen bei CFC-Spielen gekannt, später hätten beide vier- bis fünfmal zusammen online Playstation gespielt – andere Teamkollegen hätten mitgemacht.

Politische Ansichten seien nie Thema gewesen. J. und weitere Fans waren gar zweieinhalb Stunden lang bei der Chemnitzer Aufstiegsfeier mit in der Kabine. „Wir Spieler waren selbst überrascht, wie sie dorthin gekommen sind. Wir haben sie nicht reingeholt“, sagte Frahn.

Der Berliner AK wollte Frahn wohl auch

Am Tag der Partie in Halle seien er und J. beim Playstation-Spiel auf die Idee gekommen, gemeinsam das Spiel zu besuchen. „Nach dem ersten Vorfall hätte ich nicht so blind sein dürfen.“ Aber er habe mit der Aktion keine Sympathie zu irgendjemanden oder gar einer Gesinnung ausdrücken wollen. Sondern nur das vermitteln, wofür er auch bei anderen Vereinen stand: Zusammenhalt zwischen Mannschaft, Club und Fans.

Anschließend kündigte der CFC Frahn wegen „massiv vereinsschädigendem Verhaltens“. Seine Unwissenheit wolle er nicht als Rechtfertigung nutzen, sagte der gebürtige Potsdamer. Er hätte selbst aufmerksamer sein müssen, mit wem er sich umgibt. Doch habe ihn nie jemand zuvor vom Club darauf hingewiesen, sich nicht mit dieser Person einlassen zu dürfen.

Zwei Wochen nach seiner Kündigung erhielt Frahn laut eigener Aussage das Angebot, zum türkisch geprägten Regionalligisten Berliner AK zu gehen. Der Angreifer lehnte ab. „Weil ich es einfach nicht eingesehen hatte, die Sache, wie sie in Chemnitz gelaufen ist, stehen zu lassen.“

Lieber wollte er ein halbes Jahr nicht spielen und stattdessen „für die Wahrheit kämpfen“. In erster Instanz gewann Frahn vor dem Arbeitsgericht, später fanden er und der Chemnitzer FC eine einvernehmliche Lösung. Viele Anfragen von Vereinen erhielt Frahn laut eigener Aussage nicht. Der schottische Erstligist Hearts of Midlothian habe bei ihm vorgefühlt, doch soll die Besitzerin dann Nein gesagt haben. Seine Personalie wäre ihr zu heiß gewesen.

So kehrte Frahn heim zum SVB, wo er bereits drei Wochen lang mittrainiert hatte. Er identifiziere sich voll mit den Nulldrei-Werten und wolle sich künftig bei Aktivitäten und Projekten des Kiezclubs oder dessen Fangruppen einbringen. Um „weitere Fehler zu vermeiden“ wolle Frahn sich künftig intensiver und besser mit gesellschaftlichen sowie politische Themen auseinandersetzen. „Und nicht so auf jeden Zug aufspringen, nicht überall dabei sein wollen.“ Keine Fannähe mehr um jeden Preis.

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