Darts-Profi Max Hopp : "Ich habe nicht erwartet, dass Darts schon soweit ist"

Die deutsche Dartshoffnung spricht über seinen ersten Auftritt in der Premier League in Berlin, die Frau beim Bäcker und sein großes Idol.

Nach oben. Max Hopp gewann schon zwei Turniere auf der PDC-Tour.
Nach oben. Max Hopp gewann schon zwei Turniere auf der PDC-Tour.Foto: Imago

Herr Hopp, können Sie sich noch an den 15. April 2018 erinnern?

Ja, das war Saarbrücken, oder?

Genau. Bei den German Darts Open holten Sie Ihren ersten Turniersieg auf der PDC-Tour. Wie oft denken Sie heute noch daran zurück?

Fast täglich. Das war für mich ein Meilenstein, der Durchbruch meiner Karriere. Mit dem ersten Sieg auf der Profitour ist ein Traum von mir in Erfüllung gegangen. Ich denke vor allem dann daran, wenn ich noch 121 Punkte stehen habe – das war mein Finish damals.

Sie wurden anschießend zum besten jungen Spieler des Jahres gewählt, sind eines der größten Talente auf der Tour. Haben Sie damit gerechnet, dass Ihre Karriere im letzten Jahr so rasant an Fahrt aufnimmt?

Nein, überhaupt nicht. Gerade, weil 2017 ein so extrem schlechtes Jahr war, in dem ich mich nicht einmal für die Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Ich habe danach viel trainiert, bin erstmal zurück in die Super League gegangen. Dann ging es im vergangenen Jahr wieder bergauf.

Nicht erst seit vergangenem Jahr hat der Darts-Hype Deutschland erfasst. Dadurch sind Sie dann zu einer Art Hoffnungsträger aufgestiegen. Ist das für Sie Druck?

Ich sehe es für mich total positiv, dass es den Hype gibt. Ich bin ja so etwas wie die treibende Kraft im deutschen Dartsport und einfach froh, so weit gekommen zu sein. Ich spüre eine unheimliche Unterstützung. Sogar die Frau beim Bäcker spricht mich mittlerweile an und fragt, wie es läuft. Ich spiele ja nicht nur für mich, sondern für Deutschland.

Sie haben sich 2013, ein Jahr nach dem Jugend-Europameistertitel, für den Schritt zur PDC entschieden. Haben Sie zwischendurch mal daran gezweifelt und geglaubt, dass es möglicherweise zu früh war?

Nein, ich habe nie am Schritt zur PDC gezweifelt. Ich denke, ich muss mich mit den besten Spielern messen, um einer der Besten zu werden. Wenn, dann habe ich gezweifelt, ob es für mich reicht.

Junge Dartstalente haben heute wohl bessere Voraussetzungen als Sie, zumindest strukturell. Was würden Sie denen raten?

Ich würde den jungen Leuten raten, den Schritt zur PDC zu wagen, das ist viel effektiver, da die Strukturen im Deutschen Dart-Verband nicht einwandfrei sind. Viele Jugendliche könnte das verwirren. Das System in Deutschland war auch, als ich in der Jugend war, nicht so gut. Ich könnte mir vorstellen, irgendwann selbst mal ein Jugendzentrum zu eröffnen.

Hoffnungsträger. Der deutsche Dartspieler Max Hopp will in die Weltspitze stoßen.
Hoffnungsträger. Der deutsche Dartspieler Max Hopp will in die Weltspitze stoßen.Foto: Imago

Als Sie angefangen haben, Darts zu spielen, war der Sport in Deutschland medial noch nicht präsent. Mittlerweile wurde in Gelsenkirchen mit rund 20.000 Zuschauern beim German Darts Masters 2018 ein Weltrekord aufgestellt. Wie nehmen Sie das wahr?

Ich bin überrascht, habe nicht erwartet, dass Darts schon soweit ist. Aber es geht ja so weiter. In diesem Jahr finden die German Masters in der Lanxess-Arena in Köln statt – da ist der Innenraum für einen der beiden Tage bereits ausverkauft. Ich merke auch, dass immer mehr Leute mit mir über Darts sprechen. Durch beides etablieren wir unsere Sportart.

Neben viel Talent wird es beim Darts immer wichtiger, körperlich und mental fit zu sein, um auf Top-Niveau zu spielen. Wie sieht ihr Training aus?

Das werde ich natürlich nicht im Detail verraten. (lacht) Natürlich brauchen wir nicht die körperliche Athletik eines Fußballers, aber ich sehe schon zu, dass ich den Fitnessraum dreimal die Woche von innen sehe und gehe auch laufen. Außerdem mache ich zum Beispiel Pilates-Training und arbeite natürlich hart am Board. Ich habe seit einiger Zeit einen Mischpott mit allen möglichen Finishes. Da ziehe ich dann einen Zettel und versuche die Zahl mit drei Versuchen auf null zu spielen. Das hat gefruchtet.

Sie werden am Donnerstag erstmals bei der Premier League of Darts starten dürfen. Als öffentlich wurde, dass Sie und andere junge Talente für Gary Anderson nachrücken dürfen, was haben Sie da gedacht?

Ich wusste ja schon weit vorher, dass Anderson körperlich angeschlagen ist. Ich hatte eine leise Vorahnung wegen seiner Rückenprobleme, weil ich ja auch sehe, wie er hinter den Kulissen läuft. Ich hätte aber eher gedacht, dass Adrian Lewis oder Simon Whitlock nachrücken. Ich finde es so aber einen cleveren Schachzug der PDC, junge Spieler auf der großen Bühne zu präsentieren. Jeder, der bis jetzt gespielt hat, war danach überglücklich. Und so verspricht auch jeder Abend neue Spannung.

Sie hatten das Glück, Ihre Karriere zu beginnen, als Legenden wie Phil Taylor und van Barneveld noch aktiv sind. Haben Sie das genossen?

Ja, ich kann mich auch noch gut an die Anfänge erinnern. Das war eine unheimlich lehrreiche Zeit, von gegenseitigem Respekt geprägt. Beide sind auch gut auf mich zu sprechen, das läuft alles sehr fair ab. Ich durfte 2017, als es bei mir nicht so gut lief, sogar mal mit Raymond van Barneveld trainieren, habe dadurch auch neue Trainingsspiele kennengelernt und erlebt, wie er ist. Da kam der kleine Junge in mir hoch.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie daran denken, am Donnerstag bei der Premier League auf der Bühne stehen zu dürfen – und dann noch gegen Raymond van Barneveld, der seine Karriere 2020 beenden wird?

Ich habe gemischte Gefühle. Die ersten Darts, die ich mir geholt habe, waren Darts von Raymond van Barneveld. Er war mein Idol. Ich weiß genau, dass er raus ist, wenn er gegen mich verlieren sollte. Daher hat das Match für mich einen hohen Stellenwert, aber ich kann die Ansetzung ja nicht beeinflussen. Das wird auf jeden Fall emotional schwer zu verpacken, aber ich muss das ausblenden. Denn ich will ja was erreichen. Und so ist das nun mal: Wenn einer geht, kommt ein Neuer nach.

- Die Premier League of Darts gastiert am Donnerstag in der Arena am Ostbahnhof in Berlin (ab 20 Uhr). Neben Max Hopp nehmen unter anderem die Weltklasse-Spieler Michael van Gerwen, Michael Smith oder Peter Wright teil.

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