Das DFB-Team unter Bundestrainer Löw : 99 Debütanten und ein Uth

Der Schalker Mark Uth ist Löws Jubiläums-Debütant im DFB-Team. Bei vielen Spielern blieb es beim einmaligen Versuch, andere legten Weltkarrieren hin.

Debütantenball. Malik Fatih und David Odonkor wurden von Joachim Löw ins DFB-Team berufen.
Debütantenball. Malik Fatih und David Odonkor wurden von Joachim Löw ins DFB-Team berufen.Foto: Berg/dpa

Inmitten der heiligen Aufregung um das enttäuschende Abschneiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in diesem Sommer ist eine Nachricht ein wenig untergegangen. Malik Fathi, der frühere Fußballprofi von Hertha BSC, beendete zum 30. Juni seine aktive Karriere. Fathi hatte sie nach Stationen in Mainz und Moskau in den vergangenen drei Jahren beim spanischen Drittligisten Atletico Baleares austrudeln lassen. Doch auch wenn dem gebürtigen Berliner der ganz große Durchbruch im Nationalteam nicht glücken sollte, so wird der Name des heute 34-Jährigen auf ewig mit der Amtszeit von Joachim Löw verbunden bleiben – wie lange sie auch andauern wird. Zusammen mit dem damaligen Mainzer Profi Manuel Friedrich war Fathi der erste Spieler, der unter dem heute 58-jährigen Schwarzwälder im Nationalteam debütierte.

Zwölf Jahre ist das jetzt her. Joachim Löw war nach der Weltmeisterschaft in Deutschland auf Bundestrainer Jürgen Klinsmann gefolgt, dessen Assistent er für zwei Jahre gewesen war. Das erste Länderspiel fand damals in Gelsenkirchen gegen Schweden statt. Mit Beginn der zweiten Halbzeit kamen an jenem 16. August 2006 Fathi und Friedrich für die damals etablierten Nationalspieler Marcell Jansen und Arne Friedrich ins Spiel. Wenig später kam Malik Fathi noch einmal gegen Georgien (2:0) zu einem weiteren Kurzeinsatz. Das immerhin unterscheidet ihn von vielen Debütanten, die unter Löw kein weiteres Mal zum Einsatz kamen. Spieler wie André Hahn, Yannick Gerhardt, Sebastian Jung, Oliver Sorg, Christian Günter, Maximilian Arnold, Tobias Weis oder Marvin Compper.

Mark Uth ist Joachim Löws 100. Debütant

Diesem Schicksal versucht nun Mark Uth zu entgehen. Im Nations-League-Spiel in Amsterdam gegen die Niederlande wurde der 27 Jahre alte Stürmer von Schalke 04 der Jubiläums-Debütant der Ära Löw. Der gebürtige Kölner ist der 100. Spieler, der unter Löw in der Nationalmannschaft debütierte. Die bisher letzten Debütanten der zwölfjährigen Amtszeit Löw waren vor einem Monat im Testspiel gegen Peru die Spieler Nico Schulz (Hoffenheim), Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain) und Kai Havertz (Leverkusen).

Nummer 100. Mark Uth ist Löws Jubiläums-Debütant.
Nummer 100. Mark Uth ist Löws Jubiläums-Debütant.Foto: AFP

Ein gutes Drittel der Löw-Debütanten blieb eine Randnotiz in der Historie der Nationalmannschaft. Ähnlich wie Malik Fathi blieb diesen Spielern der Durchbruch auf höchster internationaler Ebene verwehrt. Andere Debütanten der Löw-Ära hingegen legten Weltkarrieren hin wie die Weltmeister Thomas Müller (96 Länderspiele) oder Toni Kroos (88), die beide am 3. März 2010 im Spiel gegen Argentinien debütierten. In diese Regionen vorstoßen könnten Spieler wie Joshua Kimmich, der es mit 23 auf immerhin schon 34 Länderspiel bringt.

Zur Tradition geworden ist die Frage an Debütanten, wann und wo sie den Anruf des Bundestrainer entgegengenommen haben? Marcel Halstenberg, der Linksverteidiger von RB Leipzig, ignorierte im November 2017 sogar den Anruf Löws. Er kannte schlicht die Nummer des Bundestrainers nicht und merkte erst im Kontakt mit seiner Mailbox, dass Löw es war, der ihm eine Nachricht hinterlassen hatte. Der Freiburger Stürmer Nils Petersen hatte sogar drei Löw-Anrufe in Abwesenheit, bis ihn der Bundestrainer im zurückliegenden Mai in den vorläufigen Kader für die Weltmeisterschaft in Russland berief.

Bundestrainer erreichte Niklas Süle an der Tankstelle

Niklas Süle beispielsweise erreichte der Anruf des Bundestrainers an der Tankstelle, es habe damals dem noch für Hoffenheim spielenden Verteidiger zunächst die Sprache verschlagen, „mir ist fast der Zapfhahn aus der Hand gefallen“ erzählte der Innenverteidiger hinterher. Ganz ähnlich ist es auch Mark Uth ergangen. Als der Bundestrainer anrief, war der Stürmer gerade im Baumarkt. Er wollte dort Kaminholz kaufen.

Malik Fathi hat sich vorerst vom aktiven Fußball zurückgezogen, dem Vernehmen nach betreibt er derzeit eine Shisha-Bar in Palma de Mallorca. An der Universität in St. Gallen hat er Sportmanagement studiert. Darüber hinaus will er die Trainer-A-Lizenz erwerben.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!