„Das große 11 Freunde Buch“ : Eine bunte Werkschau aus 20 Jahren

Seit 11Freunde im Jahr 2000 erstmals erschien, hat sich im Fußball viel verändert. Der Anspruch des „Magazins für Fußball-Kultur“ ist aber immer noch derselbe.

Elf Freunde müsst ihr sein. Mit dieser alten Fußballweisheit spielt der Titel des Fußballmagazins.
Elf Freunde müsst ihr sein. Mit dieser alten Fußballweisheit spielt der Titel des Fußballmagazins.Foto: Friso Gentsch/dpa

Im Jahr 2000 spielte Schalke 04 noch in einer ausladenden Betonschüssel namens Parkstadion, in dem Rasen und Ränge von einer Laufbahn getrennt waren. Im Jahr 2000 sprang Udo Lattek kurz nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters ein letztes Mal als Trainer ein, um Borussia Dortmund vor dem Abstieg zu bewahren. Und die Spiele des FC Bayern München in der Fußball-Bundesliga wollten damals im Schnitt 49.706 Zuschauer sehen. Bei 69.000 Plätzen im Olympiastadion entsprach das einer Auslastung von gerade mal 72 Prozent.

Mit anderen Worten: Das Jahr 2000 liegt – zumindest fußballerisch – in einer weit entfernten Vergangenheit. Umso bemerkenswerter ist es, dass in eben jenem Jahr auch das Magazin „11Freunde“ erstmals erschienen ist, damals noch in liebevoller Heimarbeit von zwei offenbar durchgeknallten Fußballfans erstellt – einem Schreiber, einem Fotografen –, die davon träumten, mit einem bundesweiten Fanzine den Markt zu erobern.

Mit dem unaufhaltsamen Siegeszug des Fußballs konnte „11Freunde“ nicht ganz mithalten. Aber wäre das überhaupt erstrebenswert gewesen? Der Fußball hat in den vergangenen 20 Jahren „die Transformation eines etwas biederen Volkssports zu einem durchgeknallten Zweig einer globalen Entertainmentindustrie“ erlebt, schreibt Philipp Köster, einer der beiden Gründer von „11Freunde“ und inzwischen Chefredakteur sowie Geschäftsführer, in seinem Vorwort für „Das große 11 Freunde Buch“.

Das große 11 Freunde Buch. Eine wilde Fahrt durch zwanzig Jahre Fußballkultur. Tim Jürgens, Philipp Köster (Hg.). Heyne Hardcore, 456 Seiten, 25 Euro.
Das große 11 Freunde Buch. Eine wilde Fahrt durch zwanzig Jahre Fußballkultur. Tim Jürgens, Philipp Köster (Hg.). Heyne Hardcore,...Foto: Promo

Das mit der Transformation gilt in gewisser Weise auch für das Magazin selbst, mit dem der Tagesspiegel seit fast 15 Jahren redaktionell kooperiert. Die Veränderung ist unschwer zu erkennen, wenn man noch einmal ein Heft aus der Anfangszeit zur Hand nimmt. Trotzdem gilt für „11Freunde“, was auch viele Klubs, etwas wohlfeil, für sich in Anspruch nehmen: Sie wissen, wo sie herkommen.

Natürlich gibt es Leser der ersten Stunde, die dem Magazin vorwerfen, dass es sich immer mehr von der Basis, also von den Stehplätzen, entfernt und längst vor den Zwängen der Kommerzialisierung kapituliert habe. Als Beweis führen sie dann die Titelcover mit Stars wie Arjen Robben, Thomas Müller oder Mario Götze an, mit denen offenbar auch der Eventfan geködert werden soll. Das Ungeschliffene, das Unfertige und Sperrige aus den Anfangsjahren ist in der Tat ein wenig verloren gegangen, aber das muss ja nicht zwingend ein Nachteil sein. Professionalität ist kein Verbrechen. Und Spaß an der Arbeit erst recht nicht.

Der besondere Blick auf eine überdrehte Branche

Entscheidend ist sowieso die Haltung. Und noch immer ist es der Anspruch der Redaktion, „aus der Fankurve aufs Spielfeld zu blicken“, schreibt Köster. „Magazin für Fußball-Kultur“ hat sich „11Freunde“ von Anfang an genannt. Das gilt bis heute, wenn auch inzwischen ohne Bindestrich und unter dem Titel fast nur noch mit der Lupe zu lesen. Aber „11Freunde“ wollte eben nie ein normales Fußballmagazin sein – und ist es bis heute nicht. „Diese Kultur abzubilden, das Echte vom Künstlichen, das Wertvolle vom Trash, das Originelle vom Nachgemachten zu trennen, ist auch für 11Freunde schwerer geworden.“

Das – im Wortsinne – überaus bunte und trotzdem edle Jubiläumsbuch, eine Werkschau aus zwei Jahrzehnten, zeugt von diesem Anspruch. Es versammelt viel von dem, was „11Freunde“ ausmacht, zeigt den anderen, den besonderen Blick auf eine überdrehte Branche, der man vermutlich nur wirklich nahekommt, indem man zu ihr eine kritische Distanz wahrt.
Das große 11 Freunde Buch. Eine wilde Fahrt durch zwanzig Jahre Fußballkultur. Tim Jürgens, Philipp Köster (Hg.). Heyne Hardcore, 456 Seiten, 25 Euro.

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