Sport : „Das Turnier findet statt“

Fifa-Organisator Horst R. Schmidt über Probleme und Lösungen vor der WM 2010 in Südafrika

-

Herr Schmidt, Sie sind seit gut 100 Tagen Fifa-Berater für die Fußball-WM 2010 und waren zuletzt mehrfach in Südafrika. Wie ist der Stand der Vorbereitungen?

Eine Frage, die jetzt immer wieder gestellt wird, lautet, ob Südafrika sich hinter dem vergleichbaren Zeitrahmen der WM 2006 befindet. Generell ist festzuhalten, dass sich die Planungsdokumente des lokalen Organisationskomitees 2010 auf einem hohen Niveau befinden. Es ist zu erkennen, dass man nicht nur über fähiges Führungspersonal verfügt, sondern auch Erfahrungen zurückliegender Weltmeisterschaften – zumindest der Turniere 2002 und 2006 – berücksichtigt hat.

In Deutschland gibt es viele negative Meldungen aus dem WM-Gastgeberland. Es ist die Rede von Kriminalität, Bau-Verzögerungen, jüngst gab es eine Posse um die fehlende Arbeitsgenehmigung für den neuen Nationaltrainer Parreira. Kann Südafrika das Milliarden-Event Weltmeisterschaft wirklich stemmen?

Ganz klar, Südafrika kann die WM stemmen. Es gab einzelne Verzögerungen, bis alle Baufirmen benannt waren. Aber jetzt ist alles im Fahrplan. Wir sollten bei all diesen Berichten Fairness walten lassen und dabei negative Meldungen, die es auch vor dem Turnier in Deutschland gab, nicht vergessen. Die Geschichte mit der Arbeitsbewilligung von Parreira hat nichts mit der WM zu tun. Die Kriminalität auch nicht.

Fifa-Präsident Joseph Blatter sprach vor kurzem über einen Plan B – auch für Südafrika. Wie sieht der denn aus?

Präsident Blatter sagte klar: Plan A ist Südafrika, Plan B ist Südafrika und Plan C ist Südafrika. Damit machte er mit Nachdruck deutlich, dass es überhaupt keine Zweifel gibt, dass das Turnier 2010 in Südafrika stattfinden wird. Die WM wird anders sein als in Deutschland, aber damit nicht schlechter.

In Kapstadt gibt es Ärger um den Baugrund für das neue WM-Stadion. Südafrikas Vize-Finanzminister Moleteki sprach öffentlich davon, dass bei Klagen der Anwohner Kapstadt als Spielort ausscheidet. Ist wirklich vorstellbar, dass die für ausländische Touristen attraktivste südafrikanische Stadt wegfällt?

Sie beziehen sich auf Debatten rund ums Green-Point-Stadion. Das Stadion wurde von den Südafrikanern ins Gespräch gebracht, nicht von der Fifa. Denn in den Bewerbungsunterlagen ging es um die Renovierung der bestehenden Arena. Nach jüngsten Berichten aus Südafrika sollten aber nun alle Probleme mit einem neuen Green-Point-Stadion bereinigt sein.

Was müssen Sie in diesem Jahr noch schaffen, um im Zeitplan zu bleiben und 2009 den Confed-Cup austragen zu können?

Ein Meilenstein ist sicher, dass Stadionbauten und Umbauten nach Plan verlaufen. Außerdem muss die Vorrundenauslosung sehr gut organisiert und das Ticketing-Konzept fertig erarbeitet werden.

Sie gelten als der WM-Fachmann schlechthin und werden als Perfektionist beschrieben. Wie sehr mussten Sie sich bei der Zusammenarbeit mit den südafrikanischen Partnern von Ihren gewohnten Arbeitsweisen verabschieden?

Also, ich möchte mal deutlich sagen, dass die nördliche und westliche Welt Südafrika nicht ständig mit dem unterschwelligen Ton der Unfähigkeit begegnen sollte. Bekanntlich führt nicht nur ein Weg zum Ziel. Die WM 2010 wird in Südafrika stattfinden, damit auf einem anderen Kontinent, in einem anderen Land. Dort gibt es eben andere Mentalitäten, gesellschaftliche Phänomene, historische Hintergründe und auch andere Vorgehensweisen.

Erwartet uns 2010 eine schwierige WM?

Es ist nicht gesagt, dass die WM nicht ebenso ein Erfolg wird wie die in Deutschland. Jetzt wird es so dargestellt, als ob bei uns alles immer wie am Schnürchen und ohne Probleme ablief. Das stimmt so nicht. Auch die Organisation der WM in Deutschland war ein hartes Stück Arbeit. Auf die veränderten Gegebenheiten muss man sich einstellen und den Gastgebern den nötigen Respekt entgegen bringen.

Werden Sie nach Ihrem Ausscheiden beim DFB 2007 nach Südafrika übersiedeln?

Nein, allenfalls vielleicht in den letzten Monaten vor der WM.

Das Gespräch führte Jürgen Rollmann. Er war im vergangenen Jahr WM-Koordinator der Bundesregierung, nun arbeitet er wieder als Journalist.

Horst R. Schmidt, 65, bereitet für den Fußball-Weltverband Fifa die WM 2010 in Südafrika vor. Schmidt ist Generalsekretär des DFB und war wichtigster WM-Organisator 2006 in Deutschland.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben